Gedanken zum Jahrestag der Nationalen Volksarmee

von Admiral a.D.  Theodor Hoffmann

Nachdem am 18. Januar 1956 die Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik das Gesetz über die Bildung der Nationalen Volksarmee und des Ministeriums für Nationale Verteidigung beschlossen hatte, war am 1. März des gleichen Jahres die Arbeitsbereitschaft des Ministeriums für Nationale Verteidigung, der Verwaltungen der Militärbezirke III und V, der Luftstreitkräfte, der Luftverteidigung und der Seestreitkräfte hergestellt.

Deshalb wurde dieser Tag zum Tag der Nationalen Volksarmee bestimmt. Er war ein Feiertag. An diesem Tag öffnete die NVA ihre Kasernentore für die Bevölkerung. Es gab Begegnungen mit den Werktätigen der Patenbetriebe und Gemeinden, mit Kindern und Lehrern der Patenschulen und mit Angehörigen des Regimentes von nebenan.

Der 1. März war auch gleichzeitig ein Tag der Rechenschaftslegung. Die Nationale Volks-armee hat sich dank des unermüdlichen Einsatzes der Armeeangehörigen und Zivil-beschäftigten  und mit Unterstützung der Familien schnell zu einem zuverlässigen Partner der Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrages entwickelt und bis zu ihrem Ausscheiden aus den Vereinten Streitkräften am 24. September 1990 zuverlässig erfüllt.

Durch hohe Gefechtbereitschaft hat sie zur längsten Friedensperiode in Europa beigetra-gen. Dank der Friedens- und Nichteinmischungspolitk in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten hat nie ein Soldat der NVA in kriegerischer Absicht das Territorium eines anderen Staates betreten.

Nach Überwindung der Blockkonfrontation gab es gute Voraussetzungen zur Zurück-drängung des militärischen Faktors in der Politik. Leider haben sich, entgegen dem Wunsch der Völker nach Frieden, diese Erwartungen nicht erfüllt. Krieg ist wieder Mittel der Politik. Die USA mit ihren Verbündeten führen seit Anfang der 90er Jahre ununterbrochen Krieg, und die Bundesrepublik ist in dieser oder jener Form daran beteiligt. Denn auch Sicherstellung von Kampfhandlungen ist Kriegsbeteiligung. Vergessen haben die heute Regierenden die Versprechen des Staatsratsvorsitzenden der DDR und des Bundeskanzlers der BRD, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen darf. Mit dem Krieg gegen Restjugoslawien hat die Bundeswehr ihre Jungfreulichkeit verloren. Sie ist eine Armee im Kriegseinsatz.

Begründet wird  der Kriegseinsatz mit der Durchstzung von Menschenrechten und Demo-kratie nach westlichem Vorbild sowie mit Terrorismusbekämpfung. In Wirklichkeit geht es um Macht, um die Durchsetzung strategischer Ziele, um den Zugang zu Rohstoffquellen. Wir haben es mit einer Art Rückkehr zur Kanonenbootspolitik des deutschen Kaisers zu tun. Der Bundespräsident wirbt wiederholt mit salbungsvollen Worten für mehr Militäreinsätze. Einst warb er für die Losung: Aus Schwertern macht Pflugscharen! Nun hat er sich der Losung zugewandt: Aus Pflugscharen macht Schwerter! Letzteres gilt jedoch nur für den Fall, dass man bedroht ist. Doch Deutschland ist nicht bedroht. Es genießt in der Welt großes Ansehen und sollte dieses nutzen für eine nachhaltige Friedenssicherung.

Für die ehemaligen Angehörigen der Nationalen Volksarmee ist der 1. März, auch fast 24 Jahre nach ihrer Auflösung, ein wichtiger Tag. Besonders für die ehemaligen Berufssoldaten war die Nationale Volksarmee Teil ihres Lebens, die Armee hat sie geprägt. In mehr als 80 Vereinen und Kameradschaften ehemaliger Angehöriger der Nationalen Volksarmee beschäftigen sie sich mit der Geschichte ihrer Armee. Sie erinnern sich an das Gute und auch an das, was nicht so gelungen war. Sie können mit Zufriedenheit feststellen, dass sie ihren Auftrag, durch hohe Gefechtsbereitschaft  den Frieden für das eigene Volk und für die Nachbarvölker zu sichern, in Ehren erfüllt haben. Sie können auch mit Befriedigung fest-stellen, dass sie gemeinsam mit den anderen bewaffneten Organen der DDR einen Anteil daran haben, dass die stürmischen Ereignisse der Jahre 1989/90 mit den sich vollziehenden Veränderungen und der Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes ohne Waffeneinsatz verliefen.

Die Nationale Volksarmee hat in der gesamten Zeit ihres Bestehens bewiesen, dass sie eine Arme des Volkes war.

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