Der Anteil der Nationalen Volksarmee am friedlichen Verlauf der Ereignisse im Herbst 1989

 von Rüdiger Thürling

 

Am 21.Oktober 2014 fand im Haus des Unabhängigen Seniorenverbandes in Bautzen eine sehr gut besuchte und interessante Veranstaltung der Regionalgruppe Bautzen des Verbandes zur Pflege der Traditionen der NVA und der Grenztruppen der DDR statt.

Admiral a.D. Theodor Hoffmann, Verteidigungsminister  in der Modrow-Regierung, gab eine Einschätzung der damaligen internationalen Lage, der Entwicklung in der DDR und in ihren Streitkräften bis zum Herbst 1989. Im Ergebnis der sich verändernden Situation in der UdSSR, und der anderen Staaten des Warschauer Vertrages, hob er die Bedeutung des friedlichen Verlaufs der Ereignisse im Herbst 1989 in der DDR hervor.

Im KOMPASS, einer Zeitung des Verbandes, schrieb Admiral a.D. Hoffmann in einem Artikel dazu folgendes:
Sicher hatten die Aufrufe der Kirchen und Bürgerbewegungen zur Gewaltlosigkeit und zu Sicherheitspartnerschaften sowie ihre Bereitschaft zum Dialog mit den Regierenden daran einen angemessenen Anteil. Sie waren jedoch nicht das Entscheidende. Entscheidend war, dass die Partei und Staatsführung den Einsatz von Waffen gegen das eigene Volk ausschloss. Das machte der Verteidigungsminister der DDR Armeegeneral Heinz Keßler deutlich, als er in Verbindung mit dem Einsatz von Armeeangehörigen zur Absicherung des Polizeieinsatzes am 4.Oktober 1989 in Dresden eindeutig festlegte, dass Angehörige der NVA nicht auf das eigene Volk schießen.
Diese Entscheidung wurde von den Kommandeuren und Soldaten mit großer Zustimmung aufgenommen. Auch ich als Offizier der NVA hätte mir einen solchen Einsatz nicht vorstellen können. Die jüngere Geschichte zeigt uns aber, dass es in einigen Ländern  andere Entscheidungen gab und gibt.

Für mich neu und sehr interessant fand ich seine Darlegungen zu den Veränderungen innerhalb der Streitkräfte und deren Einsatz zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit der Bevölkerung der DDR. Mit dem Verlust des Vertrauens in die Partei- und Staatsführung  und zum Teil auch in die militärische Führung, kam es auch in Truppenteilen und Einheiten zu Willensbekundungen, die sich zum zivilen Bereich mit Meetings, Demonstrationen und Streiks kaum unterschieden. Mit der massenhaften Abwanderung von qualifizierten Bürgern nach der Grenzöffnung, konnte nur durch den verstärkten Einsatz von Armeeangehörigen in den Verkehrsbetrieben, bei der Lebensmittel- und der medizinischen Versorgung sowie in wichtigen Industriezweigen das normale Leben für die Bürger aufrecht erhalten werden. Zum Ende des Jahres 1989 befanden sich etwa 13.000 Armeeangehörige auf Befehl des Ministers für Nationale Verteidigung in der Volkswirtschaft. Hinzu kamen noch Armeeangehörige, die auf Entschluss ihrer Kommandeure in den Armeestandorten Hilfe leisteten.

Ich danke den Verantwortlichen für den gelungenen und interessanten Nachmittag und freue mich auf die nächste Veranstaltung.

   

 

 

 

 

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