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                                         Fritz Streletz

Generaloberst Fritz Streletz
28. September 1926

Wir gratulieren zum 90. Geburtstag und
wünschen alles erdenklich Gute


Generaloberst Fritz Streletz wurde am 28.09.1926 in einer Bergarbeiterfamilie geboren.
Er gehört zu der Generation, die den 2. Weltkrieg als Soldat erlebte. Mit 15 Jahren Besuch der Heeres-Unteroffiziers-Vorschule, 1943 bis 1944 Reichsarbeitsdienst, 1944 bis 1945 Fronteinsatz als Unteroffizier bei der Infanterie und von 1945 bis 1948 dreieinhalb Jahre Kriegsgefangenschaft und Arbeitseinsatz in sowjetischen Lagern in Raum Moskau.
Durch Kriegserlebnisse und Gefangenschaft wuchs bei ihm die Einsicht, dass es notwendig ist, auch persönlich dafür einzustehen, damit sich so eine militärische und menschliche Katastrophe nicht wiederholen kann.
Nach Entlassung aus der Gefangenschaft tritt Genosse Streletz deshalb unmittelbar den Dienst als Wachtmeister in der Deutschen Volkspolizei an.
Es folgen unruhige Jahre, in denen er nahezu jährlich seine Dienststelle und die Dienststellung vom Wachtmeister (Soldat) über Gruppenführer, Zugführer bis zum Stellvertreter des Chefs eines Militärbezirkes wechselt.
In dieser Zeit wird Genossen Streletz die Möglichkeit geboten, zweimal in der Sowjetunion und einmal an der Offiziershochschule der KVP zu studieren, darunter von 1959 bis 1961 an der Akademie des Generalstabes der Streitkräfte der UdSSR.
Nach Einsatz als Stellvertreter des Chefs und Chef des Stabes des Militärbezirkes III, diente Generalmajor Streletz ab 1964 als Stellvertreter des Chefs des Hauptstabes für operative Fragen.
Im Jahre 1971 wird er zum Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates berufen und 1979 zum Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung und Chef des Hauptstabes sowie zum Stell-vertreter des Oberkommandierenden der Vereinten Streitkräfte des Warschauer Vertrages für die NVA.
Generaloberst Streletz prägte durch persönliches Vorbild und hohe Forderungen an sich und seine Mitarbeiter den Hauptstab als Führungsorgan der NVA und Arbeitsorgan des Nationalen Verteidigungs-rates.

Der langjährige erste Stellvertreter des Oberkommandierenden und Chef des Stabes der Vereinten Streitkräfte, Armeegeneral Gribkow, charakterisierte den Hauptstab der NVA und Generaloberst Streletz wie folgt:
„Die führende Rolle im Verteidigungsministerium der DDR spielte der Hauptstab unter Leitung von Generaloberst Fritz Streletz, der seine Gesprächspartner auf Anhieb verstand, seine Gedanken kurz, klar und überzeugend darlegte und ein vortrefflicher Organisator war. Bei der Vorbereitung und Durchführung von geplanten Maßnahmen des Vereinten Kommandos auf dem Territorium der DDR bereitete Streletz alles bis ins Detail vor, so dass die gestellten Aufgaben vollständig und mit gutem Ergebnissen erfüllt werden konnten. Ich war immer von seinen organisatorischen Fähigkeiten begeistert und führte ihn gegenüber meinen Stellvertretern und Leitern der Verwaltungen und Abteilungen des Stabes der Vereinten Streitkräfte oft als Vorbild an.“

Kommentar von Generaloberst Streletz: „Natürlich hat nicht Streletz alles bis ins Detail vorbereitet, die Wertschätzung Gribkows verdienen vor allem jene hervorragenden Stabsarbeiter, die meist im Hintergrund wirkten, getreu der Devise des preußischen Generalstabschefs von Schlieffen: Generalstabsoffiziere haben keine Namen – viel leisten, wenig hervortreten, mehr sein als scheinen.“

Durch sein Wirken als Chef des Hauptstabes und als Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates und damit als militärischer Berater des Generalsekretärs des ZK der SED und Vorsitzenden des NVR, hat Generaloberst Streletz maßgeblichen Anteil daran, dass die Ereignisse 1989/90 ohne Anwendung von militärischer Gewalt abgelaufen sind.

Am 31.12.1989 scheidet Generaloberst Streletz auf eigenen Wunsch aus dem Dienst aus.
Am 20. Mai 1991, einem Pfingstmontag, wird er verhaftet und in die Justiz-Vollzugsanstalt Moabit verbracht. Es folgen zwei Jahre und drei Monate Untersuchungshaft. Im September 1993 erfolgte, im sogenannten „Honecker- Prozeß“ (Mitglieder des Nationalen Verteidigungsrates der DDR) nach 65 Verhandlungstagen die Verurteilung zu einer Haftstrafe von 5½ Jahren. Trotz dieser Demütigung durch die Sieger, ist Generaloberst Streletz den Idealen treu geblieben, die ihn in jungen Jahren veranlassten, in die bewaffneten Organe der damaligen Ostzone einzutreten.

Der Verband zur Pflege der Traditionen der Nationalen Volksarmee und der Grenztruppen der DDR nimmt den 90. Geburtstag zum Anlass, um Generaloberst Streletz für seine überragenden Leistungen für die Deutsche Demokratische Republik und die aktive Mitarbeit in unserem Verband zu danken.