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Zur Erinnerung an die entscheidende Etappe
der Stalingrader Schlacht vor 75 Jahren


Zusammengestellt aus Materialien der Armeezeitung der Russischen Streitkräfte „Krasnaja Swesda“
des „Militärhistorischen Abriss „Der Zweite Weltkrieg“ des Militärverlages der DDR (1972) und
den Memorieren der Marschälle der Sowjetunion G.K.Schukow und W.I. Tschuikow

von Generalmajor a.D. Sebald Daum

 

Stalingrader Schlacht
Denkmal „Vereinigung der Fronten“
in Pjatimorsk

Im Wolgograder Gebiet, in den Orten Kalatsch am Don und Pjatimorsk, werden in den Tagen des 19. November dieses Jahres die Hauptmaßnahmen zum 75. Jahrestag des Gedenkens an die entscheidende Etappe der Stalingrader Schlacht, der Stra-tegischen Operation „Uran“, zur Einkreisung und Zerschlagung der faschistischen Stalingrader Gruppierung durchgeführt.
Diese Orte wurden nicht zufällig ausgewählt, denn sie erlangten in dieser Schlacht bedeutsamen Ruhm.

Mit dem 19. November, vor 75 Jahren  endete die erste Periode der mörderischen Schlacht um Stalingrad und es begann die zweite Periode der Stalingrader Schlacht, die Angriffsperiode, mit dem Gegenangriff der Sowjetischen Truppen zur Einkreisung der 6. Armee und Teilen der Heeres-gruppe „B“ der Wehrmacht und deren spätere vollständige Zerschlagung und Gefangennahme.

Bereits während den Verteidigungshandlungen im Sommer 1942, entstanden bei den Befehlshaber, wie Jeremenko, aber vor allem bei Schukow, dem Stellvertreter Stalins und Wassilewski, dem Chef des Generalstabes der Roten Armee, als oberste Vertreter des STAWKA bei der Stalingrader Schlacht, der Gedanke, mit größeren strategischen Angriffshandlungen, die strategische Initiative an der Front wieder zurück zu gewinnen.
Wie Marschall Schukow in seinem Buch „Erinnerungen und Gedanken“ darlegt, hatte er gemeinsam mit Marschall Wassilewski bereits Mitte September bei Stalin solch eine Idee und einen Vorschlag vorgetragen. Stalin bestätigte diesen Plan, verlangte aber diesen streng geheim unter dem Codenamen „URAN“ durch einen kleinen Kreis konkret zu planen und vor allem dafür die notwendigen Reserven bereitzustellen.

Stalingrader Schlacht

Die Idee bestand darin, mit zwei Gruppierungen, einer nördlich Stalingrad, aus dem Brückenkopf am Don im Raum Serofimowitsch, mit 4 Armeen der Süd-Westfront und der Donfront und einer 2. Gruppierung südlich Stalingrad, mit der Stalingrader Front mit 4 Armeen aus dem Raum Iwanowka, die Verteidigungsstellungen an den Flanken der faschistischen Wehrmacht, der 3. und 4. Rumänischen Armeen zu durchbrechen, die 6. Armee in Raum Stalingrad ein zu schließen und zu vernichten. Mit Teilen der Angriffsgruppierung den Kessel nach außen zu sichern

In verhältnismäßig kürzester Zeit, von 1. bis 18. November, gelang es diese Angriffsgruppierungen zu schaffen. Dazu wurden aus den Reserven des Oberkommandos den Fronten neue, frische Kräfte zu geführt.
Das waren 4 Panzer-, 2 Mecha-nisierte- 2 Kavalleriekorps, 17 selbstständige Panzerbrigaden und Regimenter, 6 Infanterie Brigaden, 10 Infanterie Divisionen, sowie 230 Artillerie- und Geschosswerfer Regimenter.
Insgesamt waren das ca. 1,135 Millionen Mann, 15.000 Artilleriegeschütze, Geschoss- und Granatwerfer, 1.500 Panzer  und Selbstfahrende gepanzerte Artillerie und 1.900 Flugzeuge.
Ihnen standen die 6.Armee, die 4. Panzerarmee, die 3. und 4. rumänische Armee der Armeegruppe „B“ mit ca. 1.01 Millionen Mann, ca. 10.300 Geschützen, 675 Panzer, und bis 1.200 Flugzeuge gegenüber.

Stalingrader Schlacht

Am 19. November begann die Süd-Westfront und die Don Front nach 80 Minuten Artillerievorbereitung, den Angriff, durchbrachen mit ihren Hauptkräften die Stellungen der 3. rumänischen Armee und drangen bereits am ersten Tag bis 30 km in die Verteidigung der rumänischen Armee ein. Die 65. Armee an der linken Flanke handelnd, stieß bei ihrem Angriff auf starken Widerstand und konnte nur etwa 3-5 km tief in die Verteidigung eindringen.
Am 20. November begann die Stalingrader Front, ebenfalls nach einer gewaltigen Artillerievorbereitung, ihren Angriff, durchbrach die Stellungen der 4. rumänischen Armee und konnte sich bereits am 23. November im Raum Kalatsch und Sowjetski (Pjatimorsk) mit den Truppen der Süd-West Front vereinigen. Damit waren die 6. Armee von Paulus und Teile der 4. Panzerarmee mit 22 Divisionen und ca. 160 selbständigen Truppenteilen in einem Kessel eingeschlossen. Bereits am 30. November war die Operation zur Einkreisung und Blockierung der faschistischen Kräfte abgeschlossen, sowie ein äußerer Ring der Einkreisung auf einer Länge von 450 km, mit einem Abstand von 40 bis 100 km vom inneren Ring der Einkreisung der 6. Armee geschaffen.
Die geplante schnelle Zerschlagung der 6. Armee Paulus und der anderen eingeschlossenen Kräfte aus der Bewegung, gelang jedoch nicht.
Die Wehrmacht versuchte ab 12. Dezember, mit der neu geschaffenen Heeresgruppe Don unter Feldmarschall von Manstein und der Armeegruppe Hoth, mit der Operation „Wintergewitter“, den Einkreisungsring aufzubrechen. Dazu wurden auch aus Frankreich neue Kräfte zu geführt, unter anderem auch erstmals eine Panzergruppe mit dem neuen schweren Panzer „Tiger“. Trotz anfänglicher Erfolge der Armeegruppe Hoth, gelang das Aufbrechen des Kessels nicht.

Im Gegenzug begannen die sowjetischen Truppen am 16. Dezember durch die Süd-Westfront ihre Angriffshandlungen auf die Stellungen der 8. italienischen Armee. Durch das schnelle Vordringen gelangten sie in den Rücken der Heeresgruppe Don, sodass die Armeegruppe Hollidt, die eigentlich für den Durchbruch zur 6. Armee bereit gestellt war, jetzt diesen Abgriff abwehren musste. Gleichzeitig wurde der Ring um die 6. Armee von Paulus immer enger gezogen und die Armee vollständig zu Lande und aus der Luft blockiert. Eine Versorgung aus der Luft war nun fast ausgeschlossen. Trotz der katastrophalen Lage wollte die Führung der 6. Armee nicht kapitulieren.
In der Führung der sowjetischen Streitkräfte begann nun die Planung zur endgültigen Zerschlagung der Gruppierung um Stalingrad.

Zur Erinnerung an Heldentaten der Roten Armee der Stalingrader Front, zur Einkreisung der Stalingrader Gruppierung vor 75 Jahren, werden eine Reihe von Maßnahmen, schwerpunktmäßig im Wolgograder Gebiet durchgeführt. So wurde bereits ein zweitägiges Forum der Gebietsführung mit Veteranen in Kalatsch durchgeführt. Es werden viele Treffen mit den noch lebenden Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges (GVK) mit Jugendlichen, insbesondere mit den „Jungarmisten“, der neu geschaffenen Jugendbewegung zur patriotischen Erziehung und Kranzniederlegungen an den Denkmäler durchgeführt. Gedenkmärsche, Parademärsche der Kalatscher Garnison, der Kadetten und der „Jungarmisten“, sowie Waffenausstellungen für die Bevölkerung, dies besonders auch im Zusammenhang mit dem Tag der Artillerie am 19. November erinnern an diese bedeutende Etappe der Stalingrader Schlacht.
Vorbereitet werden für Anfang Februar 2018, anlässlich der siegreichen Beendigung der Stalingrader Schlacht weitere Gedenkmaßnahmen.

Auch wir, die Mitglieder unseres Verbandes und alle friedliebenden Menschen gedenken dieses Ereignisses mit Dank an euch, ihr Sowjetsoldaten!