Gedanken zum 75. Jahrestag der Gründung der Besatzungstruppen/GSSD/Westgruppe der Truppen in Deutschland

von Generalmajor a.D. Sebald Daum

 

75. Jahrestag der Gründung der   Besatzungstruppen/GSSD/Westgruppe der Truppen in DeutschlandAm 10. Juni 2020 feiert die Russische Armee, insbesondere aber die Veteranen und Angehörige der ehemaligen Gruppe der „Sowjetischen Besatzungstruppen in Deutsch­land“, später dann „Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutsch­land/Westgruppe“ den 75. Jahrestag ihrer Gründung . Dies ist ein Tag des Gedenkens und der Erinnerung an die Leistungen, die diese größte und kampfstärkste Gruppe der sowjetischen Streitkräfte im Ausland zur Sicherung des Friedens nach dem Großen Vaterländischen Krieg (GVK) von fast 50 Jahren in Europa geleistet hat.

75. Jahrestag der Gründung der   Besatzungstruppen/GSSD/Westgruppe der Truppen in DeutschlandNach dem Sieg der Sowjetischen Truppen und ihrer Verbündeten über das faschistische Deutschland und der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation in Karlshorst am 9. Mai , wurde entsprechend den Festlegungen der Antihitlerkoalition von Jalta, durch den Obersten Befehlshaber der Sowjetischen Streitkräfte Josef W. Stalin am 29. Mai 1945 die Direktive Nr. 11095 erlassen, die festlegte, dass aus den Truppen der 1.Belorussischen Front und Teilen der 2. Belorussischen Front die „Gruppe der Besatzungstruppen in Deutschland“ zu bilden ist. Als Oberbefehlshaber dieser Truppen und gleichzeitig als Chef der zu bildenden Militäradministration, wurde der bisherige Befehlshaber der 1. Belorussischen Front Marschall der Sowjetunion Georgi K. Schukow befohlen.(linkes Bild) Als Standort des Stabes der Gruppe war Berlin/ Potsdam festgelegt. Später wurde er nach Wünsdorf verlegt. In der Direktive wurde auch der Bestand der Gruppe bestimmt. Zu ihr gehörten die 2. Stoßarmee, die 8.Garde Armee, die 3. und 5. Stoßarmee, die 47. Armee, die 1. Polnische Armee mit zwei Divisionen, die 1. und 2. Garde Panzer Armee, die 16. Luftarmee, sowie aus dem Bestand der 2. Belorussischen Front die 70. und 49..Armee. Dazu wurden Artilleriegruppierungen und andere Unterstützungstruppen, einschließlich der Dnjepr-Flottille befohlen. Der Gesamtbestand betrug anfänglich 2.9 Millionen Mann, der später verkürzt wurde.
75. Jahrestag der Gründung der   Besatzungstruppen/GSSD/Westgruppe der Truppen in DeutschlandIn der Direktive wurde auch der Dislozierungsraum als sowjetische Besatzungszone festgelegt. Am 5. Juni 1945 kamen dann in Berlin-Köpenick im Wendeschloss, die Oberkommandierenden der Truppen als Vertreter der verbündeten Staaten USA, England, Frankreich, UdSSR, General Dwight Eisenhower, Feldmarschall Bernard Montgomery, General Jean de Lattre de Tassigny und Marschall der Sowjetunion Georgy K. Schukow (linkes Bild) zusammen und unterzeichneten im Namen ihrer Regierungen die „Berliner Deklaration“ in der sie die bedingungslose Kapitulation Deutschlands, die Übernahme der obersten Regierungsgewalt in Deutschland, sowie die Gründung des Alliierten Kontrollrates verkündeten und die Besatzungszonen der 4 Siegermächte auf dem Territorium Deutschlands festlegten.
Auf der Grundlage dieser Dokumente erließ am 9. Juni Marschall Georgi Schukow den Befehl Nr.1, der entsprechend den gemeinsamen Abmachungen den Status der Besatzungsmacht als Militärregierung in Form der „Sowjetischen Militäradministration in Deutschland“ (SMAD) festlegte und damit die Macht in der Sowjetischen Besatzungszone übernahm. Neben der Zentralen Administration wurden entsprechend dem neu entstehenden Verwaltungsaufbau in der Zone, Militäradministrationen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen, sowie ein Netz von Militärverwaltungen und Kommandanturen in den größeren Städten und Kreisen errichtet. Mit dem Befehl Nr. 2 wurden die Bildung von Parteien zugelassen und mit dem Befehl Nr. 17 vom 17. Juli 1945 der Aufbau der deutschen Zentralverwaltung und 11 weiteren Verwaltungen zur Regelung des Wirtschaftslebens, des Verkehrs- Sozial- und Gesundheitswesen, der inneren Ordnung u.a.m. in der sowjetischen Besatzungszone festgelegt.
75. Jahrestag der Gründung der   Besatzungstruppen/GSSD/Westgruppe der Truppen in DeutschlandNun hieß das auch für alle Angehörige der sowjetischen Streitkräfte neue, völlig andere Aufgaben zu erfüllen. Von der Armee des Krieges in die alltägliche Arbeit des Friedens umzusteigen, mit zu helfen den Neuaufbau in der Besatzungszone zu organisieren, den Hunger zu beseitigen, die Trümmer in den Städten, Dörfern und auch in den Köpfen der Menschen weg zu räumen. Es galt die Gesundheit der Bevölkerung zu sichern und Krankenhäuser wieder in Betrieb zu nehmen. Dazu kam auch die schwierige Aufgabe mit den neu geschaffen deutschen Verwaltungsorganen die alte nazistische Ordnung zu beseitigen und Neues auf dem Gebiet der Ideologie, der Art des Wirtschaftens, der Bildung, Kultur, also das Lebens insgesamt, zu verändern. Es wurde begonnen die Bodenreform durchzuführen und damit Millionen Menschen eine eigen Scholle zu geben, besonders den vielen Flüchtlingen. Eine weiter wichtige Aufgabe war der Schutz der Demarkationslinie, später der Staatsgrenze. Außerdem stand natürlich auch die Aufgabe die Gefechtsbereitschaft aufrecht zu erhalten, wieder zur Gefechtsausbildung überzugehen, durch eine straffe Ordnung und Disziplin den Dienstbetrieb nun in friedlicheren, aber trotzdem noch gefahrvollen Zeiten zu sichern. Das hieß für alle Kommandeure und die Offiziere sich umzustellen, wieder zu lernen die Truppen auszubilden, die Disziplin den neuen Bedingungen anzupassen aber auch die Kontakte mit den örtlichen Organen und der Bevölkerung neu zu gestalten. Dies war nicht nur neu, sondern auch schwer.

75. Jahrestag der Gründung der  Besatzungstruppen/GSSD/Westgruppe der Truppen in Deutschland75. Jahrestag der Gründung der  Besatzungstruppen/GSSD/Westgruppe der Truppen in DeutschlandAm 7. September 1945 wurde dann in Berlin unter der Führung von Marschall Schukow eine Parade anlässlich des Sieges durchgeführt. Die Einladung an die westlichen Verbündetem daran teilzunehmen, wurde aber von diesen abgelehnt. Hier zeigten sich bereits die ersten Risse in der Zusammenarbeit der Verbündeten.
Allmählich begann das Leben sich zu normalisieren. Im März 1946 übernahm Marschall der Sowjetunion Wassily D. Sokolowsky (linkes Bild) das Oberkommando und dieser übergab dann im März 1949 das Oberkommando der Gruppe, und im Herbst 1949 das Kommando der SMAD an Marschall der Sowjetunion Wassily, I. Tschuikow. (rechtes Bild) Durch die aktive Unterstützung der Militäradministration wurden auch die kommunalen und staatlichen Organe weiter verbessert und geholfen, ihre Macht zu festigten. Am 11. Juni 1949 wurde in der Ostzone die deutsche Wirtschaftskommission geschaffen. Bereits jetzt zeigten sich große Unterschiede zu der Entwicklung in den westlichen Besatzungszonen. Am 20. Juni 1948 wurde dort ohne Absprachen mit der sowjetischen Seite die separate Währungsunion durchgeführt, was zu erheblichen Spannungen mit der sowjetischen Seite führte. Mit dieser Maßnahme wurde die Spaltung des einheitlichen Deutschlands eingeleitet, die mit der Gründung des Staates BRD am 23. Mai 1949 untermauert wurde. Damit war auch der Alliierte Kontrollrat zu Ende.

75. Jahrestag der Gründung der  Besatzungstruppen/GSSD/Westgruppe der Truppen in DeutschlandNach der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) am 7. Oktober übergab dann der damalige Ober­be­fehls­haber der Besatzungstruppen und Chef der SMAD, Marschall Tschuikow am 10. Oktober 1949 die Staatsgewalt an die neue Regierung der DDR. (Bild links) An diesem Tag wurde auch die SMAD aufgelöst und dafür die Sowjetische Kontrollkommission (SKK) gebildet. Da sich damit die Funktion der Besatzungsmacht auch veränderte, wurden durch eine Direktive des Generalstabes der sowjetischen Streitkräfte am 24. März 1954 die Truppen in die „Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland“ (GSSD) umbenannt.
75. Jahrestag der Gründung der  Besatzungstruppen/GSSD/Westgruppe der Truppen in DeutschlandAuf der Grundlage eines Staatsvertrages zwischen der UdSSR und der DDR 1955 wurden damit die Stärke, der Status der Gruppe und ihrer Angehörigen, die Stationierungsräume, Übungsplätze u.a. Fragen der zeitweiligen Stationierung der GSSD bestimmt. Durch diesen Vertrag wurde der Schutz der Grenzen der DDR ab 1957 den Grenztruppen der DDR übertragen. Die Truppen der GSSD behielten das Recht der Kontrolle der westlichen Besatzungstruppen nach Westberlin und andere Kontrollaufgaben, die bereits im Potsdamer Abkommen festgelegt waren. Im Verlaufe der Zeit wurde auch die Truppenstärke verringert. Mitte der 80. Jahre hatte die GSSD dann noch ca. 350.000 Mann, die in 3 Allgemeinen Armeen, 2 Panzerarmeen mit 11 Panzer- und 8 motorisierten Schützendivisionen dienten.

75. Jahrestag der Gründung der  Besatzungstruppen/GSSD/Westgruppe der Truppen in DeutschlandDie GSSD wurde im Verlaufe der Zeit von 12 OBH geführt. Sie waren Kriegsteilnehmer und angesehen Heerführer des GVK. Das waren die Marschälle der Sowjetunion Andrei, A. Gretschko (1953 – 1957), (linkes Bild) Matwei, W Sacharow, (1957 – 1960), Iwan , I. Jakubowsky (1960 – 1961 & 1962 – 1965), Iwan, St. Konew, (1961 – 1962), Pjetr, K. Koschewoi (1965 -1969), Viktor, G. Kulikow (1969 -1971), Semjon, K. Kurkotkin (1971 -1972). Die Armeegeneräle Jewgeni, F. Iwanowsky (1972 – 1980), Michael, M. Saizew (1980 – 1985), Pjetr, G. Luschew (1985 – 1986), Waleri, A. Belikow (1986 1987), Boris, W. Snetkow (1987 1990).75. Jahrestag der Gründung der  Besatzungstruppen/GSSD/Westgruppe der Truppen in Deutschland
All diese OBH sahen neben ihren Aufgaben zur Führung ihrer Truppen auch eine ihrer wichtigsten Aufgaben darin die Arbeit der Regierung der DDR zu unterstützen und insbesondere beim Aufbau der bewaffneten Organe mit zu helfen. Es entwickelte sich von Anfang an eine enge Zusammenarbeit mit den neu geschaffenen Machtorganen, den späteren Ministerien und vor allem mit dem Verteidigungsministerium der DDR. So erinnerte sich Armeegeneral Jewgeni Iwanowsky, (rechtes Bild) der fast 8 Jahre diese Gruppierung befehligte, im Journal des Verbandes der Veteranen der Gruppe: „Die Zeit schien wie im Fluge zu vergehen. Sicher auch, weil es dort keine Perioden des Stillstands und des Wartens gab, der Dienst war breit gefächert, ging Tag und Nacht, ununterbrochen. Im Vielen gelang es uns, unseren deutschen Genossen zu helfen und sie nahmen mit Interesse und Lust unsere Erfahrung auf allen Gebieten der Tätigkeit an“.

Diese Hilfe und Zusammenarbeit betraf zu Beginn den Aufbau der Schutz- und Sicherheitsorganen noch vor der Gründung der DDR, den Aufbau der Polizeikräfte und danach vor allem den Aufbau der bewaffneten Organe, der Kasernierten Volkspolizei und dann der Nationalen Volksarmee (NVA). Die Militärberater, kriegserfahrene Offiziere des GVK, halfen somit mit die junge Nationale Volksarmee zu schaffen und sie später zu einem schlagkräftigen und geachteten Partner im Warschauer Vertrag zu machen. Anfänglich gab es diese Berater ab den Kompanien aufwärts, dann nur noch als Vertreter des Vereinigten Oberkommandos ab Division aufwärts. Hieraus entstanden viele persönliche Freundschaften.und enge Waffenbrüderschaftsbeziehungen. Diese entwickelten sich besonders bei den gemeinsamen Übungen und Manöver mit der Sowjetarmee und den Bruderarmeen. Hier war vor allem die erste gemeinsame Kommandostabs- und Truppenübung im August 1957 der Sowjetarmee mit der NVA, mit dem Stab der 3. Armee (MB III) unter dem Befehl von Generalmajor Fritz Johne, in der die 1. MSD aus dem MB V mit Verstärkungskräfte unter ihrem Kommandeur Oberstleutnant Horst Stechbarth von großer Bedeutung. Sie erbrachte den Nachweis, dass die Führungsorgane und Truppen der NVA den sowjetischen Truppen ebenbürtig sind. Es folgten dann viele solcher Höhepunkte der Gefechtsausbildung im Rahmen des Warschauer Vertrages. Erinnert sei hier nur an einige der wichtigsten, wie „Baltyg-Odra“ 1962, „Quartett“ 1963, „Oktobersturm“ 1965, „Moldau“ 1966, „Oder -Neiße“ 1969, „Schild 72“ 1972 und die größten Manöver des Warschauer Vertrages „Waffenbrüderschaft-70 und – 80“. Es waren Höhepunkte im militärischen Leben für jeden einzelnen, der daran beteiligt war und ein Ausdruck der Verbundenheit mit unseren Waffenbrüder. Hier zeigte sich aber auch in der Periode des Kalten Krieges die Stärke dieser Gruppierung und ihres Waffenbruders in der DDR beim Schutz der friedlichen Entwicklung in der DDR und in den Ländern des sozialistischen Lagers. Es gab in dieser Zeit genügend Beispiele der Störung des Friedens im Gebiet der DDR von westlicher Seite, die durch die Hilfe der GSSD verhindert werden konnten. So in der Berliner Krise 1948, der Unterstützung zur Beendigung der Konterrevolution 1953, die Unterstützung bei der Sicherung der Grenzen der DDR 1961, die Sicherung des Luftraumes bei derer Verletzung, z.B. 1964 im Luftraum Magdeburg, um nur einige zu nennen. Jede „Reforger Übung“ der NATO erforderte von den Truppen der Gruppe und auch von ihrem Waffenbruder, der NVA erhöhte Wachsamkeit und ständige Einsatzbereitschaft.

Der Dienst der Soldaten, Unteroffiziere, Offiziere und Generale in der GSSD war ein sehr verantwortungsvoller, schwerer und harter Dienst, gekennzeichnet durch die ständige hohe Gefechtsbereitschaft, das Diensthabende System der Luftstreitkräfte, Luftverteidigung und der Raketentruppen und eine harte Ausbildung der Truppen. Anderseits war es ehrenhaft eine Berufung zu erhalten in der DDR zu dienen. Hier war die bestausgerüstete Armee der sowjetischen Streitkräfte mit den modernsten Waffen. Hier erhielt man eine große Truppenpraxis, die sich stimulierend auf die weitere Entwicklung auswirkte. Die Gruppe war eine Kaderschmiede der sowjetischen und russischen Streitkräfte. Viele Offiziere, die in der DDR gedient hatten, haben dann später in den sowjetischen und russischen Streitkräften hohe Dienststellungen eingenommen. So als Verteidigungsminister der Marschall der UdSSR Sergei Sokolow, Marschall der Flieger Jewgeni Schaposchnikow, Armeegeneral Michael Kolesnikow (mdFb), Armeegeneral Igor Rodionow, die heutigen Stellvertretenden Minister für Verteidigung Andrei Kartopolow, und Pawel Popow. Alle Oberkommandierenden des Warschauer Vertrages waren die früheren OBH der Gruppe. Chefs des Generalsstabes wurden die Armeegeneräle Nikolei Agarkow, Wladimir Lobow, Michael Moissejew, Michael Kolesnikow, Juri Balujewsky, Nikolai Makarow. Der ehemalige BH der 3. Stoßarmee in Magdeburg Generalleutnant Pjetr Pjankow, wurde Stellvertretender Verteidigungsminister, um nur einige zu nennen.

75. Jahrestag der Gründung der  Besatzungstruppen/GSSD/Westgruppe der Truppen in DeutschlandMit den Veränderungen in der Sowjetunion, mit „Glasnost und Perestroika“ und neuen friedenssichernden Initiativen wurde die GSSD am 1. Juni 1989 in die „Westgruppe der Truppen“ umbenannt. Im gleichen Jahr wurde im Rahmen einer einseitigen Verringerung der sowjetischen Streitkräfte auch in der Westgruppe die 25. und 32. Garde Panzerdivisionen der 20. Garde Armee, sowie zwei selbstständige Panzerregimenter und 8 selbstständige Panzerbataillone in die Sowjetunion zurückgeführt und dort aufgelöst. Das gleiche geschah auch in der NVA, wo 6 Panzerregimenter auch aufgelöst wurden. Als letzter Oberkommandierender der Westgruppe übernahm Armeegeneral Matwei Burlakow (linkes Bild) das Kommando am 13. Dezember 1990 schon in Voraussicht der vorgesehenen Rückführung der Westgruppe aus Deutschland.

75. Jahrestag der Gründung der  Besatzungstruppen/GSSD/Westgruppe der Truppen in DeutschlandIm Zusammenhang mit der „Wiedervereinigung Deutschlands“ und dem 2+4 Vertrag vom 12. September 1990, zwischen beiden deutschen Staaten, der UdSSR, USA, Frankreich und Großbritannien unterschrieben durch die jeweiligen Außenminister, (rechtes Bild) wurde dann die planmäßige Rückführung der Westgruppe der Truppen aus Deutschland bis Ende 1994 festgelegt.
Das bedeutete insgesamt 338.800 Militärangehörige, 207.400 Zivilbeschäftigte und Familienangehörige, von 6 Armeen (1. & 2. GPA, 8. GA, 3. & 20. Armee), mit 22 Divisionen, 49 Brigaden, 42 selbstständige Regimenter, zurück zuführen. Dazu kamen noch insgesamt 123.629 Stück Kampftechnik und Bewaffnung, davon 4.288 Panzer, 8.208 gepanzerte Technik, 3.664 Artilleriesysteme, 1.374 Flugzeuge und Hubschrauber. Dazu 2.754.530 Tonnen materielle Mittel. Weiterhin mussten die Übergabe von unbeweglichen Mittel der Gruppe, wie Kasernen (777), Wohnungen, Fabriken, Werkstätten, Lager (über 21.110) in einem geschätzten Wert von ca. 528 Milliarden Dollar durchgeführt werden. Als Ausgleich erhielt die russische Seite insgesamt von Deutschland nur weniger als ein Zehntel dafür.
Nachteilig und erschwerend auf die Rückführung erwiesen sich auch die vielen zusätzlichen Probleme. Der Warschauer Vertrag war aufgelöst, die Sowjetunion 1991 zerfallen, Verbündete gab es keine mehr. Die Lage in Russland selbst war mehr als kompliziert, Kasernen, Unterkünfte und Wohnungen für die Truppen und ihre Angehörigen aus Deutschland und Europa, sowie aus der Mongolei, waren nicht vorhanden. Das Geld für die Truppen war gekürzt worden. Polen forderte für die Durchfahrt der Truppen nicht zu bezahlende Summen an Westmark. Somit wurde der größte Teil der Truppen und der Technik per Schiff über den Fährhafen Mukran (Rügen) transportiert.
Die gesamte Rückführung, ihre Organisation und Durchführung wurde unter dem letzten OBH der Gruppe Generaloberst Matwei Burlakow, und dem Chef des Stabes der Gruppe Generaloberst Anton Terentjew durchgeführt. Dazu wurde ein Stab zur Rückführung geschaffen unter der Führung von Generalleutnant Alexei, Nefjodov. Innerhalb von 4 Jahren, die dann auch noch um 4 Monate gekürzt wurden, solch eine Gruppierung aus dem Land zu bringen, war eine schwer zu erfüllende Aufgabe und eigentlich nicht zumutbar.

75. Jahrestag der Gründung der  Besatzungstruppen/GSSD/Westgruppe der Truppen in DeutschlandAnlässlich der Beendigung ihres Dienstes in Deutschland wurde am 12. Juni 1994 in Wünsdorf die Abschiedsparade durch die Gruppe durchgeführt. Die offizielle Verabschiedung der Westgruppe erfolgte dann am 31. August 1994 mit einer Ehrenparade im Beisein von Präsident Boris Jelzin und Kanzler Helmut Kohl vor dem Ehrenmal der Sowjetischen Befreier im Treptower Park in Berlin. (linkes Bild) Die ehemaligen Verbündeten im GVK gaben ihrem russischen Partner nicht die Ehre des Abschieds und der Anerkennung. Ehemalige Angehörige der NVA, die treuen alten Waffenbrüder waren auch nicht erwünscht.75. Jahrestag der Gründung der  Besatzungstruppen/GSSD/Westgruppe der Truppen in Deutschland
Generaloberst Terentjew war dann der letzte Mann der nach der durchgeführten Abschiedsparade die Staatsflagge Russlands einrollte und mit dem letzten sowjetischen Militärflugzeug Deutschland verließ. (rechtes Bild)

Nach fast 50 Jahren des Bestehens der Truppen der GSSD/Westgruppe in Deutschland wurde diese nun gezwungen in einer sehr kurzen Zeit das Land zu verlassen, wofür die Väter und Söhne für die Befreiung des deutschen Volkes von Faschismus gekämpft hatten, ohne Gegenleistung von der westlichen Seite. Die amerikanischen Truppen blieben weiter in Deutschland, auch wenn sie einige kleinere Verbände abzogen. Also wurde auf kaltem Wege das verwirklicht, was einst bei der Gründung NATO der damalige erste 1. Generalsekretär Lord Ismay so unkompliziert ausdrückte: „die Amerikaner drinnen (in Europa),.... und die Russen raus zuhalten“. Da muss man dem ehemalige Verteidigungsminister, Marschall der Sowjetunion Dimitri Jasow voll zustimmen: „Die Rückführung der Truppen aus Europa war Verrat von Seiten Gorbatschow und Schewerdnazew“.
Dafür breitete sich die NATO später weiter nach Osten aus und nahm ehemalige Staaten des Warschauer Vertrages in ihre Reihen auf. Der kalte Krieg entfachte sich wieder neu. Russland wurde Feindesland.

Noch vor dem Abschluss der Rückführung der Truppen gründeten 178 ehemalige Angehörige der Gruppe auf einem Kongress am 19. Februar 1994 ihren „Verband der Veteranen der Westgruppe der Truppen in Deutschland“, nahmen ihre Satzung an und wählten ihren Vorsitzenden, den letzten OBH der Gruppe Generaloberst Matwei Burlakow. Nach dem Tod ihres Vorsitzenden Burlakow, wurde dann auf dem X. Berichtwahlkongress des Verbandes am 14. September 2013 der neue Vorsitzende Generaloberst Anton, Wladimirowich Terentjew gewählt und auf dem XI. Wahlkongress wieder gewählt. Sein Stellvertreter ist der ehemalige Stellvertreter des OBH für die Rückführung der Truppen Generalleutnant Alexei, Dimitrewich Nefjodov. Im Verband sind heute vom Soldaten bis zum Stellvertretenden Oberbefehlshaber über 7.000 Mitglieder in vielen Regionen Russlands in 33 Regionalen Gruppen vertreten. Der Verband hat in seiner Satzung auch seinen Namen in eine Mehrregionale gesellschaftliche Organisation „Verband der Veteranen der Gruppe der Truppen in Deutschland (GSBTD; GSSD; WGT)“ neu benannt und seine Aufgaben besonders für die Internationale Zusammenarbeit, vor allem mit gesellschaftlichen Organisationen in Deutschland präzisiert.
Auf dieser Grundlage entstanden dann nach einem gemeinsamen Treffen 2014 des damaligen Vorsitzenden des „Verbandes zur Pflege der Traditionen der Nationalen Volksarmee und der Grenztruppen der DDR“ Admiral a.D. Theodor Hoffmann mit den Vorsitzenden des russischen Veteranenverbandes, Generaloberst Anton W. Terentjew eine Absprache für die Zusammenarbeit unserer beider Verbände. Sie wurde die Grundlage für die sich immer besser und weiter entwickelnde Zusammenarbeit beider Verbände mit einer Reihe von gemeinsamen Maßnahmen, vor allem bei dem Gedenken an die Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus, den Heldentaten der Befreier, aber vor allem dem Gedenken an die Opfer des sowjetischen Volkes im GVK.
75. Jahrestag der Gründung der  Besatzungstruppen/GSSD/Westgruppe der Truppen in DeutschlandAusgehend von der sich in der Welt und auch in Europa abzeichnenden Verschlechterung der Beziehungen insbesondere zur Russischen Föderation, dem Russischen Volk und seine Armee, den Versuchen die Geschichte des Sieges der Sowjetarmee über den Faschismus zu verfälschen, die Opfer des sowjetischen und besonders des russischen Volkes zu negieren, ist es für uns, die ehemaligen Angehörigen der Streitkräfte der DDR die Pflicht als Waffenbrüder, Freund und Partner, den Kampf um die Wahrheit in jeder Weise zu unterstützen. Für uns ist die Verbundenheit mit dem russischen Volk und seiner Armee nicht nur Herzenssache sondern lebensnotwendig für den Erhalt des Friedens. Das haben die Angehörigen unseres Verbandes auch dieses Jahr anlässlich des 75. Jahrestages des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg 2020 an den Ehrenhainen und Mahnmalen der gefallenen Helden der Sowjetarmee wiederum gezeigt.
Wir, die Angehörigen des Verbandes zur Pflege der Traditionen Nationalen Volksarmee und der Grenztruppen der DDR begrüßen und beglückwünschen unsere ehemaligen Waffenbrüder zu diesem besonderen Feiertag, dem 75. Jahrestag der Gründung der Gruppe der Truppen in Deutschland und wünschen allen Angehörigen des Verbandes der Gruppe der Truppen in Deutschland weiterhin viele Erfolge in ihrer Arbeit, eine noch bessere engere Zusammenarbeit, feste Gesundheit, Wohlergehen und Glück in der Familie.

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