Raketenträger MiG-31 mit „Kinschal“

Quellen: Artikel der TASS vom 11. 05. 2018 in
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Übersetzt und bearbeitet von Oberst a.D. Kulitzscher, Verdienter Militärflieger der DDR

 Raketenträger MiG-31 mit „Kinschal“

Das sowohl die Air Force der USA als auch die Verteidigungsindustrie der Russischen Föderation an der Entwicklung von Hyperschallwaffen arbeiten, ist weithin bekannt. Der Artikel soll einen kleinen Überblick über den erreichten Stand bei den russischen Streitkräften geben.

Die amerikanische Zeitschrift „ The National Interest“ veröffentlichte einen Artikel, in dem der Überschall-Raketenkomplex Kinschal als einzigartige russische Waffe der Welt bezeichnet wurde. Moskau sagt zu recht: „ Nirgendwo in der Welt gibt es eine ballistische Rakete, die von einem Flugzeug abgeschossen werden kann, es gibt keine Analogien in der Welt.“ Das war im Jahre 2018, als die Welt von den russischen Hyperschall-Raketen erfuhr.

Inzwischen sind ballistische Hyperschallwaffen in allen Teilstreitkräften der russischen Armee eingeführt:

  • ISKANDER 9K729 (NATO-Bezeichnung SS-26), Nachfolger der auch in der NVA bekannten 9K79 „Totschka“, taktische ballistische Rakete der LaSK1
  • AVANGARD RS-18 ( NATO-Bezeichnung SS-19) Stratosphärengleitkörper, eingesetzt durch eine Interkontinentalrakete mit einer Reichweite von 4000 km gegen alle Erd- und Seeziele, Geschwindigkeit über 20 Mach, im Kampfbestand der Russischen Raketentruppen
  • ZIRKON 3M22 (NATO-Bezeichnung SS-N-33)
  • Seezielflugkörper, Bezeichnung 3M22 (Nato SS-N-33), Feststoffrakete, Geschwindigkeit 8 Mach, Reichweite bis 500 km, Gefechtskopf thermonuklear und herkömmlich, ballistische Höhe 30-40 km

Hier sind nur einige genannt, die sich in der Bewaffnung der Streitkräfte befinden oder befanden. Die Entwicklung vollzieht sich mit nicht gekannter Geschwindigkeit.

Kinschal ( auf deutsch: Dolch)

Die Hyperschall-Rakete trägt die Bezeichnung Ch-47 M2, besitzt eine Länge von 7,00 m und einen Durchmesser von 1,00 m, das Gewicht beträgt 4000 kg, Geschwindigkeit 10 Mach, die Lenkung erfolgt durch ein inertiales Navigations­sytem (Trägheitsnavigationssystem) und das Satelliten-Navi­gations­system GLONASS. Die Kinschal ist eine Weiterentwicklung der bereits in den 80ger Jahren exis­tierenden CH-15. Sie war bestimmt für die Bewaffnung der strategischen Bomber TU-22 M, Tu-95 MC und TU 160. Die äußere Erscheinung ist ähnlich und wird von den USA als SS-26 bezeichnet, weil sie aus der Iskander entwickelt wurde. Die heute im Einsatz befindlichen Ch-47 M-2 sind modernisiert und werden von einem Trägerflugzeug gestartet. Nach dem Abschuss erreicht die Rakete die Hyperschallgeschwindigkeit und in wenigen Sekunden unter Anwendung selbständiger Manöver den Zielraum. Auf dem letzten Abschnitt des Fluges schaltet sich die automatische Selbststeuerung des Zielsuchkopfes ein und gewährleistet durch den mehrfach funktionierenden Gefechtskopf eine hohe Genauigkeit bei der Vernichtung von beweglichen und stationären Zielen, unabhängig von Höhe und Geschwindigkeit. In Abhängigkeit von der Art des Gefechtskopfes sind Flugzeugträger, Zerstörer, Schiffe aller Art, befestigte und gepanzerte Bodenziele Zielobjekte.

Entwicklung der MiG-31 als Trägerflugzeug

Die Entwicklung eines Trägerflugzeuges begann bereits Mitte der 60er Jahre. Mit den Erfahrungen der Experimentalflugzeuge E-166 und E-266 wurde das zweistrahlige Abfang - und Aufklärungsflugzeug MiG-25 geschaffen, ab 1972 in Serie gefertigt und speziell durch die Luftstreitkräfte der GSSD auf den Flugplätzen Eberswalde und Werneuchen stationiert. Ich erinnere mich an einen Vorfall im JAG-15, als der Leiter des Gefechtsstandes mir während unseres Flugdienstes mit der MiG-21 im Jahre 1976 mitteilte, dass auf dem Radar ein Flugkörper in ca. 20.000 m Höhe mit einer Geschwindigkeit von ca.3 Mach unseren Flugraum von Ost nach West passiert hat. Das war für uns ein unerklärliches Phänomen. Heute wissen wir, es war eine MiG-25 der GSSD. Sie konnte bereits damals mit Leichtigkeit eine Höhe von 25.000 m erreichen und eine Geschwindigkeit von 3000 km/h aufholen. Den sowjetischen Ingenieuren war eine hervorragende Konstruktion gelungen, auch wenn sie heute zu den Veteranen der Mig-31 gezählt wird.

Die MiG-25 erlebte in 70er Jahren durch das selbständige Konstruktionsbüro unter Führung des Chefkonstrukteurs G. Losino-Losinskowo eine ganze Serie von Modernisierungen. So wurde z.B. der Stahlanteil der Zelle verringert und durch Titan und spezielle Aluminiumlegierungen ersetzt. Sie erhielt eine zweite Kabine in Tandemausführung, die sowohl für einen Waffenoperator als auch für einen Fluginstrukteur genutzt werden kann, und noch leistungsfähigere Triebwerke mit je 152 kN (15,5 t Schub je Triebwerk). Der erste Flug, jetzt mit der neuen Bezeichnung MiG-31, erfolgte am 16. 09. 1975 durch den Chefpiloten M. A. Fedotow. Es folgten Jahre der weiteren Erprobung und Modernisierung. Die MiG-31 wurde 1991 erstmalig der Weltöffentlichkeit im Aerosalon Le Bourget in Frankreich vorgestellt, mit ihr wurden allein in den Jahren bis 1978 14 Weltrekorde aufgestellt. Im Jahre 1977 erreichte M. A. Fedotow auf einer Mig-31 den nahen Kosmos mit einer Flughöhe von 37.650 m. Die Weiterentwicklung sieht eine Steigerung der Geschwindigkeit auf 3700 – 4000 km/h vor. Bereits zwei Jahre danach wurde mit einer Mig-31 BM ein neuer Nonstop-Flugrekord von 7 Stunden 4 Minuten (mit 2 Luftbetankungen) erzielt. Am 11. 03. 2018 veröffentlichte das Verteidigungsministerium ein Video, in dem die Version Mig-31 K (K=Kinschal) vorgestellt wurde, bei der trotz Aufhängungen für 4 weitreichende Raketen des Typs R-33/37 der Klasse Luft-Luft noch eine zusätzliche Aufhängung für eine Kinschal unter dem Rumpf zu sehen war, was für die Leistungsfähigkeit des Flugzeuges spricht. Damit war diese Version gleichzeitig zum Abfangen und Vernichten von Luftzielen aller Art, als Träger für Raketen der Klasse Luft-Kosmos und der Klasse Luft-Boden geeignet.

Neben der Entwicklung der Flugeigenschaften des Trägerflugzeuges und seiner Bewaffnung mussten völlig neue Radaranlagen zur Zielerfassung und Zielbegleitung sowie zur Feuerleitung entwickelt und eingebaut werden. Sie mussten adäquat zur Reichweite der Raketen sein. Das heutige Funkmess- und elektronische Feuerleitsystem ermöglicht eine gleichzeitige Erfassung von 10 Zielen ab einer Entfernung von 320 km, die Feuerleitung und von 8 Zielen ab 280 km und die gleichzeitige Vernichtung von 6 Zielen. Der Einsatzradius beträgt in Abhängigkeit von der Bewaffnungs- und Betankungsvariante 700 bis 1500 km. Mit einer Kette von 4 Flugzeugen kann ein Abschnitt von 1000 km (das entspricht etwa der Entfernung Moskau-Krasnodar) auch bei Gruppenangriffen einschließlich Marschflugkörpern sicher gedeckt werden. Das gesamte System gewährleistet, dass die Vernichtungsmittel außerhalb der Reichweite der heute gängigen Mittel der Luftverteidigung eingesetzt werden können und damit das Flugzeug selbst nicht vernichtet werden kann. Nach westlichen Angaben soll es ca. 500 MiG-25 gegeben haben, von denen heute noch einige als Fernaufklärer im Einsatz sind. Genaue Zahlen über die MiG-31 sind nicht bekannt, westliche Medien geben diese mit ca. 100 an, es müssen jedoch weit mehr sein. Bekannt ist, dass das erste Paar seit 2013 im diensthabenden System im Raum Murmansk auf dem Flugplatz Montschegorsk eingesetzt ist und ab 2017 eine Staffel mit 10 MiG-31 BM im südlichen Militärbezirk vor allem zum Schutz vor „ ungebetenen Gästen“ im Schwarzen Meer stationiert ist. Bei den SSK im Bestand der Nordflotte befinden sich zwei Marinefliegergeschwader und bei den LSK im nördlichen MB ein JFG mit MiG-31BM.

Zur Erfüllung von Spezialaufgaben wurden über 10 verschiedene Versionen gebaut, die zum größten Teil im Einsatz sind: MiG-31 BM, MiG-31 B, MiG-31 BN, MiG-31 BS, MiG-31 K (K steht für Kinschal), MiG-31 S (S steht für Satellitenbekämpfung).

Das Prinzip der Satellitenvernichtung besteht darin, dass ein Trägerflugzeug eine dynamische Gipfelhöhe einnimmt und von dort aus die Rakete (z.B. 95M6) in eine Umlaufbahn der Erde zur Vernichtung von gegnerischen Satelliten startet. Im Jahre 2005 kündeten Russland und Kasachstan das Vorhaben zur Schaffung eines luftkosmischen Verteidigungssystems mit der Bezeichnung „Ischim“ für den Transport von kleinen Satelliten in den nahen Orbit an. Dazu konstruierte das Moskauer Institut für Wärmetechnik eine 3-stufige Feststoffrakete zum Anhängen unter den Rumpf eines Träger­flugzeuges für den Start eines Kampfsputniks mit einer Masse bis 160 kg in den Orbit bis auf eine Höhe bis 300 km.

Am 01 .03. 2018 wurde dem Präsidenten der Russischen Föderation W. Putin ein Video vorgeführt, in dem das Funktionieren der Kinschal in der Praxis gezeigt wurde. Der Verteidigungsminister der Russischen Föderation J. Borisow bemerkte dazu, dass auf Grund der Flugeigenschaften der MiG-31 BM und der Einsatzmöglichkeiten der Rakete Kinschal das Waffensystem MiG-31 BM/ Kinschal in der Welt einzigartig und durch Mittel der Luftabwehr nicht zu vernichten ist.

Am 09. Mai 2018 wurden zur Luftparade anlässlich des Tages des Sieges 2 MiG-31 BM mit ein­gehäng­ten Kinschal-Raketen der Weltöffentlichkeit vorgestellt.

Raketenträger MiG-31 mit „Kinschal“

 

Nachwort des Bearbeiters

Mein Ziel war es nicht, die neusten Waffen der Russischen Streitkräfte zu verherrlichen, sondern die Erkenntnis zu stärken, dass es unsere erste Aufgabe ist, uns für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa einzusetzen. Als ehemalige Angehörige der NVA war es unsere verfassungsmäßige Pflicht, den Frieden zu sichern. Das war unter den Bedingungen der Existenz des Warschauer Vertrages möglich. Wir sagten damals „Je stärker der Sozialismus, desto sicherer der Frieden.“ Der Drang nach Expansion und Weltherrschaft, nach den Ressourcen unserer Erde ist dem Kapitalismus wesenseigen, deshalb bedroht er viele Länder der Welt und wendet das Mittel des Krieges zur Lösung politischer Probleme an. Nach dem Niedergang der Sowjetunion weitete er die NATO trotz aller gegenteiligen Versprechungen weit nach Osten bis an die russische Grenze aus und schaffte somit eine ständige Bedrohungslage für Russland.

Das russische Volk musste die größten Opfer und Verluste in seiner Geschichte hinnehmen. Russland hat aus der Geschichte gelernt und wird keinen unerwarteten Angriff auf sein Land zulassen, deshalb entwickelt Russland entsprechende Waffen.

Ich erinnere an die Worte Lenins, der mit Inkrafttreten des Dekrets über den Frieden sagte: „Wir sind für den Frieden und werden immer für den Frieden sein“. Auch wenn Russland heute kein sozialistisches Land mehr ist, halte ich aggressive Absichten für nicht gegeben. Russland braucht für seine Menschen den Frieden und nicht den Krieg. Wir haben im östlichen Teil Deutschlands seit dem Sieg über den Faschismus enge brüderliche Beziehungen zur Sowjetunion und den anderen sozialistischen Ländern gepflegt und uns trotz kalten Krieges sicher gefühlt. Das war durch die Existenz des Warschauer Vertrages auch realistisch. Die BRD ist heute Mitglied der Nato. Sollte ein Krieg aus welchem Anlass auch immer ausbrechen, so wird er mit aller Härte und Konsequenz geführt werden. Die modernsten Waffen werden uns treffen. Es wird keinen Sieger geben, nur Verlierer.

Deshalb Frieden und Sicherheit in Europa gemeinsam mit Russland!

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