Der Kampf der Partisanen im Großen Vaterländischen Krieg (GVK)

 der Sowjetunion 1941 -1945

 

Zusammengestellt aus „Der GVK der SU“, Militärverlag der DDR, Berlin 1975  und Dokumenten des Wissenschaftlichen Forschungsinstituts der Akademie des Generalstabes der Streitkräfte Russlands

                                           von Generalmajor a.D. Sebald Daum

 

Über den Kampf der Partisanen im GVK ist heute verhältnismäßig wenig bekannt und wenn, dann als  negative Darstellung, als Hass, Rache und Gewalttätigkeiten ohne Gesetz. So war es nicht.

Die Ursachen lagen tiefer. Sie waren besonders im russischen Volk, durch den Kampf gegen viele eingedrungene Feinde, tief verwurzelt. Die „Keule des Volkskrieges“, wie es Leo Tolstoi in diesem Zusammenhang nannte, entbrannte neu durch den heimtückischen Überfall und den Krieg der Faschisten gegen das sowjetische Volk. Aber auch die Brutalität und Gewalt der Okkupanten gegenüber der friedlichen Bevölkerung waren ein wichtiger Faktor des Widerstandes und des Kampfes der Volksmassen gegen die faschistischen Eindringlinge.

Der Beginn des Partisanenkampfes, seine Bedingungen, Voraussetzungen und Möglichkeiten, waren in den einzelnen okkupierten Gebieten sehr unterschiedlich und zu Beginn auch sehr spontan.

Tausende Männer und Frauen, Parteiarbeiter, Funktionäre aus dem Staatsapparat, den Betrieben, aus der Gefangenschaft entflohene Soldaten und Offiziere begannen sich im rückwärtigen Gebiet gegen die faschistischen Eindringlinge zur Wehr zu setzen. Die Formen des illegalen Kampfes waren sehr verschieden. Das war politische Aufklärungsarbeit unter der Bevölkerung in den besetzten Gebieten, waren Diversionsakte, Sammeln von Informationen über die Besatzungsmacht und bewaffneter Widerstand. Eine Besonderheit dieses beginnenden illegalen Widerstandes war, dass sich die kommunistische Partei bald überall an die Spitze des Kampfes stellte, obwohl es noch keine zentrale Führung zu Beginn gab. Leitfaden war zu Beginn der Aufruf Stalins über den Rundfunk am 03. Juli 1941 an die Bevölkerung in den okkupierten Gebieten

 „Widerstand zu leisten, Diversionsgruppen zu schaffen, Partisanenabteilungen zu bilden, den Partisanenkampf aufzunehmen, Brücken zu sprengen, Telefon- und Telegrafenverbindungen der Wehrmacht zu zerstören, Versorgungslager zu vernichten und den Okkupanten unerträgliche Bedingungen zu bereiten“.

Diesem Aufruf folgte am18. Juli ein Beschluss des ZK der KPDSU (B) über die „Organisation des Kampfes im Hinterland der deutschen Truppen“, mit dem in den besetzten Gebieten ein illegales Netz von Parteiorganen geschaffen wurden zur Anleitung aller Aktivitäten der Partisanengruppen. So entstanden die illegalen Gebietskomitees in allen besetzten Republiken und Gebieten, bei der Politischen Hauptverwaltung der Roten Armee und den Politischen Verwaltungen der Fronten und Armeen Abteilungen zur Anleitung des Partisanenkampfes, die dann aber später wieder aufgelöst wurden, als sich die Partisanenkommandos gefestigt hatten.

Die Hauptaufgabe war in dieser Zeit die Kräfte zu sammeln, neue Strukturen zu schaffen, die Kämpfer, an denen es kein Mangel gab, zu schulen und auszubilden. Dazu wurden in den frontnahen Gebieten Sonderschulen eingerichtet, in denen zehntausende Kämpfer ausgebildet und dann hinter die Frontlinien geschickt wurden.

 Bild 1 Partisanenausbildung von Diversionsgruppen im frontnahen Gebiet

 

Schwerpunkte des Partisanenkrieges im ersten Jahr des Großen Vaterländischen Krieges

So waren Ende des Jahres 1941 schätzungsweise schon mehr als 2 000 Partisanenabteilungen mit mehr als 90 000 Mann im Partisanenkampf. Besonders im Hinterland der „Heeresgruppe Mitte“ der deutschen Wehrmacht, die auf Moskau vorrückte, waren  die belorussischen Partisanen sehr aktiv. Der Komman-deur dieser Abteilung, der Sekretär des Rayonkomitees  Bumaschkow und sein Stellvertreter Pawlowski waren die ersten, die den Titel „Held der Sowjetunion“ erhielten. Auch die Leningrader Partisanenabtei-lungen waren in den ersten Monaten des Jahres 1941 im gesamten rückwärtigen Gebiet der faschist-ischen 4.Panzerarmee sehr aktiv, wo sie besonders die Nachschubwege störten. Die Ukrainischen und die Krim-Partisanen störten erheblich den Nachschub durch Brückensprengungen und Schienenkrieg. Hervorgetan hat sich hier der Partisanenverband unter Führung ihres bekannten Kommandeurs Kowpak.

Während der Schlacht vor Moskau und der anschließenden Gegenoffensive 1941/1942 kam es erstmalig zu einem breiten Zusammenwirken der Partisanen mit den angreifenden Truppen der Roten Armee. So hatten im Januar 1942 die Smolensker Partisanen 40 Siedlungen und Dörfer von den Besatzern befreit und damit den Luftlandetruppen der Roten Armee das Absetzen im Rückwärtigen Gebiet abgesichert. Gemeinsam mit den Luftlandetruppen wurden im Rückwärtigen Gebiet durch Störungen der Straßen-verbindungen, Desorganisation der Nachrichtenverbindungen und der Schienenwege,  die Heeresgruppe Mitte gezwungen, zwei Panzerdivisionen von der Front zum Partisanenkrieg abzuziehen. Die Handlun-gen der Partisanen wurden immer aktiver. So wagte es die Kaliningrader Partisanenbrigade Führung ihres Kommandeurs Wassiljew, eine Garnison der Wehrmacht in der Stadt Cholm anzugreifen und ihnen in einem achtstündigen Gefecht große Verluste an Menschen und Material beizubringen.

 

Bereits im Jahr 1941 war das Oberkommando der Wehrmacht gezwungen Gegenmaßnahmen zur Unterdrückung des Partisanenkampfes zu ergreifen. Ein „Oberbefehlshaber“ wurde eingesetzt, Gräuel-propaganda verbreitet, Spione in die Partisanenabteilungen eingeschleust, Pseudo-Partisanenabteilun-gen gebildet, die durch Plünderungen und Gräueltaten das Ansehen der Partisanen beschädigen sollten. Dazu kam der Einsatz von weißgardistischen  Emigranten und Nationalisten, wie z.B. in der Ukraine die Bandera-Faschisten und die Aufstellung von nationalistischen Polizeieinheiten. All das brachte jedoch nicht den erhofften Erfolg.

 

Die Reorganisation der Partisanenbewegung

 

Trotz alle Erfolge der Partisanen, war dieser Kampf  dezentralisiert, teilweise uneffektiv und gestaltete sich schwierig bei der Versorgung mit Waffen, Munition und anderen Versorgungsmittel. Auch die Führung der Partisanen war durch verschiedene Unterstellungsverhältnisse  (örtliche Organe, Partei-, Gebiets- und Rayonorgane, Politorgane der Armee,) uneinheitlich und uneffektiv. Das führte zu Fehlern in der Organisation, einer schlechten Zusammenarbeit, und auch zu schweren Verlusten.

Im Hauptquartier (STAWKA) des Obersten Befehlshabers und im Staatlichen Verteidigungskomitee erkannte man diese Mängel und die Notwendigkeit, hier Veränderungen herbeizuführen. Am 30. Mai 1942 wurde deshalb durch das Staatliche Verteidigungskomitee der UdSSR eine Anordnung in Kraft gesetzt mit dem Ziel  der Vereinheitlichung der Führung der Partisanenbewegung, der Erhöhung ihrer Schlagkraft, der besseren Ausbildung und der Versorgung mit Waffen, Munition und Ausrüstungen im ausreichenden Maße.

Dazu wurde im STAWKA des Obersten Befehlshabers der „Zentrale Stab der Partisanenbewegung“ (ZStdPB) und gleichzeitig bei den Militärräten der Fronten (Karelischen, Leningrader, Kaliningrader, Westlichen und Brjansker Front) Partisanenstäbe und in der Süd-Westlichen Richtung der „Ukrainische Stab der Partisanenbewegung“ geschaffen, die dem „ZStdPB“ unterstellt waren.

Als Chef des „ZStdPB“ beim „STAWKA“ wurde das Mitglied des ZK der KPdSU, Generalleutnant Ponomarenko eingesetzt.

Ihm zur Seite standen zwei Stellvertreter:

vom NKWD – General Sergiento, vom Generalstab – General Kornejew

Die Aufgaben des „ZStdPB“ waren:

- die Verbindung zu allen Partisanenformationen herzustellen und zu halten,

- die Arbeit der Frontstäbe der Partisanenbewegung zu koordinieren, 

- Erfahrungen des Partisanenkampfes zu verallgemeinern,

                                                      - das Zusammenwirken der Partisanenformationen mit den  

  kämpfenden Truppen zu sichern,

- die Partisanen mit allen notwendigen Mitteln des Kampfes zu versorgen, einschließlich der medizinischen Sicherstellung,                                                            

  - sowie die Auswahl und Ausbildung der notwendigen Kader durchzuführen.


Schema 2   Organisation der Führung der Partisanenbewegung entsprechend der Anordnung vom 30 .05.1942

 

Diese Stäbe hatten, entsprechend eines Beschlusses des ZK der KPdSU, eng mit den Parteiorganisa-tionen aller Ebenen zusammenzuarbeiten. Dazu wurden im August und September 1942 in Moskau mit leitenden Parteifunktionären, leitenden Vertreter des Volkskommissariats für Verteidigung, des „ZStdPB“, Politkommissaren der Fronten und Armeen, Kommandeuren und Politarbeitern der Partisanenverbände, Beratungen zur Durchsetzung dieser Anordnung durchgeführt.

Am 05.September 1942 erließ der Volkskommissar für Verteidigung, J.W. Stalin, einen Befehl

Über die Aufgaben der Partisanenbewegung“,

der konkrete Aufgaben für die weitere Entwicklung aller Formen des Partisanenkampfes, für die Arbeit der Stäbe, der Parteiorganisationen der Partisanen und Illegalen Gruppen enthielt. Der Befehl unterstrich die Bedeutung des Partisanenkampfes im Rücken des Feindes im Interesse der Roten Armee auf Grund der angespannten Frontlage.

 Gleichzeitig wurde am 06. September 1942 durch das Staatliche Komitee für Verteidigung die Dienststellung – „Oberkommandierender der Partisanenbewegung“ geschaffen. Damit sollte die Führung der Partisanenbewegung konzentriert und in eine verantwortliche Hand gelegt werden.

Oberbefehlshaber wurde der Marschall der Sowjetunion Klement Woroschilow.

Ihm unterstand als Arbeitsorgan jetzt der ZStdPB. Es zeigte sich aber, vor allem nach dem Übergang der Stalingrader Fronten zum Angriff, dass diese Entscheidung un-zweckmäßig  war. Sie wurde deshalb wieder zurückgenommen und ab 19.November wurde der ZStdPB wieder Stalin direkt unterstellt. 

Der Zentrale Stab hatte alle notwendigen Verwaltungen und Abteilungen,  die mit erfahrenen Militärs und Spezialisten besetzt wurden, um die komplizierte Führung der Partisanenbewegung abzusichern. Durch drei Militärschulen erfolgte jetzt die spezielle Vorbereitung der Spezialisten für den Partisanenkampf, wie die Ausbildung von Nachrichtenspezialisten, Sprengpionieren, Diversionsgruppen u.a.

Die Auswirkung der Reorganisation der  Partisanenbewegung auf ihre Effektivität in den Folgejahren des Krieges

Diese Maßnahmen wirkten sich positiv auf den Kampf der Partisanen im Hinterland des Feindes aus

So wurden im Juli 1942 460 Überfälle auf Eisenbahnstrecken verübt, die 224 Militärtransporte zum Entgleisen brachten. Neu waren als Kampfmethode der „Streifzüge“ von speziellen Abteilungen, die tief im Hinterland der Rückwärtigen Gebiete operierten und den faschistischen Truppen große Verluste bei- brachten, die vor allem Militärtransporte sprengten, Flugplätze und Munitionslager angriffen, sowie Waffen, Munition, vor allem aber Sprengmittel und Minen erbeuteten. 

Eine besondere Rolle spielte der illegale Kampf der Partisanen in den Ortschaften, Siedlungen, Dörfern, Städten, den Eisenbahnstationen und Betrieben. Hier waren die Stäbe die Rückwärtigen Dienste, die Reserven, Lager, Nachrichtenknotenpunkte und Reparaturbetriebe der Wehrmacht untergebracht. Hier wurde durch Diversionsakte, Sabotagen und Aufklärung unter der Bevölkerung das Besatzungsregime besonders ab 1943 stark gestört. Arbeiter blieben der Arbeit fern, Eisenbahner verweigerten den Dienst, sodass die faschistischen Organe selbst Lockführer, Heizer und andere Spezialisten aus Deutschland einsetzen mussten. Einen  Schwerpunkt bildete die Sabotage in der Stahlindustrie, was schwerwiegende Folgen für die Rüstung hatte. An 1943 war eine wichtige Aufgabe  die Verhinderung der Getreidetrans-orte ins Reich.

Durch die Erfolge der Roten Armee, besonders ab 1943 bei Stalingrad und Kursk, verstärkten sich die Aktivitäten der Partisanen. So gab es im März 1943 bereits 1. 047 Partisanenabteilungenmit insgesamt 113. 600 Mann. Ende des Jahres waren es schon über 250. 000 kämpfende Partisanen.

Nun kämpften an der Seite der sowjetischen Partisanen auch polnische, tschechische, bulgarische, jugoslawische, rumänische und ungarische ehemalige Soldaten, die aus der Wehrmacht desertiert waren. Auch deutsche Antifaschisten waren darunter, wie der ehemalige Arbeiter Fritz Schmenkel, dem postum der Titel „Held der Sowjetunion“ verliehen wurde.

Polnische Partisanen bildeten im Frühjahr und Sommer 1943 sogar eigene Partisanenbrigaden, so im Gebiet Schitomir mit drei Abteilungen und im Gebiet Tschernigow die Brigade „Wanda Wassilewska“

Durch übergelaufene Soldaten und Offiziere des 101. Slowakischen Infanterieregiments wurde eine eigene „Slowakische Abteilung“ gebildet.  

 

Erneute Umstrukturierung der Partisanenbewegung im Jahr 1943

Mit der Ausweitung des Partisanenkampfes der baltischen, der ukrainischen–moldawischen und Krimpartisanen, sowie den Veränderungen an den Fronten, wurde dem auch im Stab der Partisanen-bewegung Rechnung getragen und die Struktur verändert. Die Aufgaben der Partisanen für den weiteren Kampf unter den neuen Bedingungen wurden in einen zweiten Befehl Stalins vom  23. Februar 1943 neu festgelegt und auch die Struktur des „ZStdPB“ verändert. Jetzt wurden die Republiks- und Gebietsstäbe sowie die  Ukrainischen Partisanen dem „ZStdPB“ direkt unterstellt. Gleichzeitig wurde die Zusammen-arbeit der Republiks- und Gebietsstäbe mit den jeweilig dort handelnden Fronten durch den Einsatz von Vertretungen oder operativen Gruppen verbessert. Bei den Fronten waren jetzt Gebietsvertretungen geschaffen worden.

 

Schema 3

Im Verlaufe der Kämpfe der Partisanen waren hervorragende Kommandeure herangewachsen, die in der ganzen Sowjetunion bekannt wurden. Im unteren Bild sind einige der Partisanenführer der Gebiete abgebildet,

 

Reihe sitzend von li.: Popow, D.M.,  Schaworonkow, W.G.,  Ponomarenko, P.K., Bouzow,I.P.,  Zernoussow, B.N.,  Matwejew, A.P.,

Reihe stehend: Sprogis, A.K.,  Bulatow,  W.S.(mit Brille), Suslow, M.A.,  Selesnew, P.I.,  Sologor, N.L., Werschinin, S.J., Snetschkus A.J. 

Recht daneben: Die bekannten Kommandeure  Kowpak und Fjodorow

Unter ihrer Führung reiften die Partisanenverbände zu erfahrenen, einsatzstarken Kampfkollektiven, die dem Feind immer empfindlichere Schläge versetzten. Immer besser wurden die Kampfhandlungen koordiniert und auf die Frontlagen und deren Erfordernisse ausgerichtet.

Mit Beginn der Sommer- und Herbstoffensiven 1943 wurden die Partisanen zielgerichteter im Interesse der angreifenden Fronten im Hinterland des Gegners eingesetzt. Es begann auf zentrale Weisung des „ZStdPB“ der sehr effektiveSchienenkrieg der Partisanen. In den Schienenkrieg waren167 Partisanen-abteilungen und -verbände mit ungefähr 100.000 Mann eingebunden.

So wurden zur Unterstützung der „Kursker Operation“ der Roten Armee durch die Brjansker, Orjoler  und Teilen ukrainischer Partisanen bereits bei der Vorbereitung der faschistischen Operation „Zitadelle“ die Heranführung der Truppen sehr intensiv durch Sprengungen von Eisenbahnbrücken und von Schienen-wegen gestört. Die Durchlassfähigkeit auf den Hauptstrecken war stark herabgesetzt, was besonders den Nachschub und die Umgruppierungen der zum Angriff benötigten Truppen behinderte.

Als die Truppen der Woronescher und Steppenfront dann zum Gegenstoß antraten, erhöhten sich die Aktivitäten der Partisanen. Über 1.300 km Schienenstränge wurden zerstört, über 1.000 Brücken gesprengt. Allein im Juli 1943  wurden 761 Transportzüge zum Entgleisen gebracht. Auf einem Gebiet von 1 000 km Breite und einer Tiefe von 750 km  desorganisierten die Partisanen das Transportwesen des Gegners erheblich und verringerten die Durchlassfähigkeit der Transportwege.

Dazu kamen die Zerstörung von Treibstoff-, und Munitionsdepos, kleineren Garnisonen, Polizeistationen und Amtsverwaltungen der Besatzungsmacht.

Im Rahmen des „Schienenkrieges“ erlangte der vom „ZStdPB“ erarbeitete Plan Konzert eine besondere Bedeutung. Dieser „Krieg“ umfasste in der Zeit vom 19.September bis Ende Oktober 1943 ein Gebiet von Karelien bis zur Krim und wurde insbesondere im Interesse der Dnepr-Operation für die Zentral- und Woronescher Fronten durchgeführt.

Zum Einsatz kamen hierbei 193 Partisaneneinheiten aus Belorussland, dem Baltikum, dem Leningrader und Kalingrader Gebiet, der Krim, aus Smolensk und Orlowsk mit insgesamt 120.600 Partisanen.

Trotz schwieriger Witterungsbedingungen gelang es den Belorussischen Partisanen bereits zu Beginn der Operation am 19. September mehr als 19.900 Schienen und im Verlaufe des Septembers nochmals über 15.800 Schienen  zu zerstören. Im Verlaufe des Oktobers kamen nochmals mehr als  148.500   Schienen dazu. Die faschistischen Truppen hatten große Schwierigkeiten, ihre Transportwege wieder einigermaßen instand zu setzen.

                                                        
                  Ergebnis eines Überfalls auf einen Truppentransport im „Schienenkrieg“ 

 

 Im Ergebnis des „Schienekrieges“ und der Operation „Konzert“ vom Juli bis Oktober 1943 wurden insgesamt über 363.260  Schienen zerstört mit einer Gesamtlänge von 2. 270 km  Vor allem wurden dabei die  Haupttrassen des Nachschubs, wie die Linien Pskow – Dno, Leningrad – Pskow, Mogiljow – Schlobin, Orscha – Minsk, Bransk – Unetscha und andere schwer beschädigt, was die faschistischen Eisenbahntransporttruppen zwang, nur noch eingleisig und mit starker Sicherung zu fahren. Die Durch-lassfähigkeit der Transporte war nach Einschätzungen bis zu 40 % verringert.

Mit Beginn der Operationen der Roten Armee im Jahre 1944 steigerten sich die  Einsätze der Partisanen ganz im Interesse der angreifenden Truppen. Das Zusammenwirken war durch stabile Nachrichtenver-bindungen und straffe Führung wesentlich verbessert.  Die Partisanenverbände der Republiken und Gebiete erhielten rechtzeitig durch den Zentralen Stab und die Kriegsräte der Fronten ihre Aufgabenstel-lung im Interesse der Fronten. Hauptziele des Kampfes waren nach wie vor die Zerstörung der Trans-portwege, der Nachrichtenverbindungen, der Lager und Depots im Rückwärtigen Gebiet des Feindes. 

Ein großer Erfolg waren in dieser Zeit die verstärkt durchgeführten „Streifzüge“ größerer Partisanen-verbände zur Lösung von Aufgaben im Interesse der angreifenden Fronten, um so mehr faschistische Truppen im Hinterland zu binden.

Aber auch der Kampf der illegalen Widerstandskämpfer gegen die faschistischen Okkupanten verstärkte sich. Es wurden Vergeltungsmaßnahmen an Beamten des faschistischen Unterdrückungsapparates und deren einheimischen Helfer durchgeführt. TausendeSoldaten und Offiziere, Beamte des Unterdrückungs-apparates, Helfershelfer der Faschisten, wurden getötet oder gefangen genommen. So wurde der Reichskommissar für Belorussland, Kube, der Stellvertretende Reichskommissar für die Ukraine, General Knuth, und der Oberrichter des Reichskommissariats, Alfred Funk, durch Partisanen erschossen. Auch Nationalisten und Helfer des faschistischen Regime  so u.a. der Anführer der weissrussischen Nationalis-ten, Akintschiz, der Bürgermeister von Minsk,  Iwanowski, der Redakteur der faschistischen „Belorussi-schen Zeitung“, Koslowski, erhielten ihre gerechte Strafe durch den Tod.  

Die Aufklärungstätigkeit und das Eindringen hunderter illegaler Kämpfer in den faschistischen Besatz-ungsapparat brachten wertvolle Informationen über die Standorte  der Truppen, ihre Kampfstärken, die geplanten Verlegungen und Positionen an der Front. Sie kopierten oder entwendeten wichtige Gefechts-dokumente und Geheimpläne und warnten illegale Kämpfer und die Partisanen vor geplanten Durch-suchungen oder Operationen gegen sie. Auch Rettungsaktionen zum Schutz der Bevölkerung vor Depor-tationen und Vertreibungen, die Rettung wertvoller Kulturgüter vor Raub und Plünderung gehörte ebenso dazu wie die Verhinderung von Sprengungen von Brücken, oder das Niederbrennen ganzer Ortschaften beim Rückzug der Wehrmacht.

Eine wichtige Aufgabe bestand auch darin, die Aufstellung faschistischer, nationalistischer Verbände zu stören. Dies waren besonders die Aufstellung von SS-Verbänden in den Baltischen Republiken, in Belorussland, die Formierung der „Belorussischen Regionalverteidigung“ zum Kampf gegen die Partisanen und in der Ukraine die Aufstellung der „SS-Division Galizien“ unter dem ukrainischen Faschisten Bandera und Schuchewytsch. Es gelang zwar nicht, diese Truppenaufstellung zu vereiteln, aber wesentlich zu stören.  Es fehlten damit die Freiwilligen für diese Truppenaufstellungen, sodass   Zwangsmobilisierungen durchgeführt werden  mussten.

Mit der Befreiung des gesamten sowjetischen Territoriums von faschistischen Eroberern endete dann auch Ende 1944 der heldenhafte Kampf der Partisanen. Nun bekamen die illegalen Kämpfer, die vielen Namenlosen, Name und Gesicht, wurden deren Taten im Volke bekannt und gewürdigt.

Zusammenfassend kann man einschätzen:

-Ungeachtet der anfänglichen Schwächen, der zu spät gebildeten zentralen Führung der Partisanen, haben sie eine entscheidenden Anteil an den erfolgreichen Operationen der Roten Armee an den verschiedensten Frontabschnitten, insbesondere seit dem Jahre 1943.

-Die Partisanenbewegung brachte der faschistischen Wehrmacht große Verluste bei und band starke Kräfte des Gegners. Nach Einschätzung der faschistischen Oberkommandos waren es bis zu 10 % der Landstreitkräfte der Wehrmacht, die an den Fronten fehlten.

-Der „Schienenkrieg“ war nach Einschätzung  militärischer Spezialisten zehnmal effektiver als die gesamten Luftschläge der faschistischen  Luftwaffe auf die sowjetischen Städte und die Truppen der Roten Armee.

-Die Versorgung der Partisanen in den Jahren 1942 bis 1944, insbesondere mit Waffen, Munition und materiellen Mitteln, wurde immer effektiver durch den Einsatz der Fernfliegerkräfte und auch der Zivilflotte. In mehr als 110.000 Flugeinsätzen wurden über 16.000 t materielle Mittel den Partisanen zugeführt.

-Nicht zu unterschätzen ist auch die moralische Wirkung des Partisanenkampfes auf die Kampfmoral der faschistischen Soldaten und Offiziere, die ja ständig den Kampfhandlungen und Überfällen der Partisanen ausgesetzt waren und somit zusätzliche Einsätze und Belastungen zu ertragen hatten.

-Entscheidend für den erfolgreichen Kampf der Partisanen im Hinterland des Feindes  war die ständige und umfangreiche Unterstützung durch das einfache russische Volk, dass sie unterstützte, ernährte, kleidete und nicht zuletzt die Führung durch die Parteiorganisationen, die Rayon- und Gebietskomitees der KPdSU und besonders durch die Zentrale Führung des Partisanenkampfes durch das sowjetische Oberkommando.

-Insgesamt trug somit der Kampf der sowjetischen Partisanen in den okkupierten Gebieten wesentlich zum Sieg der Sowjetunion  im Großen Vaterländischen Krieg gegen die faschistischen Eindringlinge bei. Fast eine halbe Million Partisanen waren in diesem Kampf aktiv im Einsatz, und mehr als 1,5 Millionen Bürger standen als Reserve und Unterstützer bereit.

-Sie brachten aber auch für diesen Sieg sehr große Opfer. Zehntausende gaben dafür ihr Leben.

Diese Taten sind für immer im russischen Volk und den mit ihnen im Kampf gestandene Brudervölker tief im Gedächtnis verhaftet. In der Sowjetunion und im heutigen  Russland, wurden und werden diese Leistungen und Heldentaten im Befreiungskampf des Volkes stets gewürdigt und geehrt.

-Auch in der DDR und in der Nationalen Volksarmee wurde dieser Kampf gewürdigt. Das zeigte sich in der Verleihung von Ehrennamen, wie „Soja Kosmodemjanskaja“ an das Panzerregiment-22 der 9. PD in Spechtberg und des Ehrennamens „Fritz Schmenkel“ an das Jagdfliegergeschwader-1 der 1. LVD in Holzdorf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                   

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