30.08.2026

RG Schwerin „Hans Kahle“ ehrt Theodor Körner

 

Anlässlich des 213. Todestages des Patrioten und Dichters Carl Theodor Körner traf sich am 26.08.2026 die Regionalgruppe Schwerin „Hans Kahle“ an seinem Grab in Wöbbelin südlich Schwerins. Diese Ehrung ist zur festen Tradition in unserer Regionalgruppe geworden. Außerdem beteiligten sich Genossen des Freundeskreises Aufklärung Schwerin sowie der Traditionsgruppe Panzerjägerabteilung-8. Entgegen des üblichen Ablaufs, erst der offizielle Teil, dann das gemütliche Beisammensein, ist es hier immer umgekehrt. Treffpunkt war wieder der Hofladen Hof Denissen. Feldwebel a. D. Roland Block ließ es sich nicht nehmen, uns wieder mit „Plattenkuchen“ der Traditionsbäckerei Lau aus Lübz zu verwöhnen. Wir haben uns, wie der Mecklenburger so landläufig sagt, an Zucker- und Streuselkuchen vernüchtert. Im Anschluss erfolgte die Niederlegung eines Gebindes und einer Pflanzschale an der Gedenkstätte. Anwesend waren neben Schaulustigen auch wieder die treuen Mitglieder des vereinten „Freicorps von Lützow“ Gerhard Friedrich und Dirk Bressel in ihren historischen Uniformen und mit ihren Waffen. Sie biwakieren hier bereits seit dem 23.08.2026. Das heißt, sie übernachten ohne Zelt am offenen Feuer, weil das im Befreiungskrieg damals so üblich war. Feldwebel a.D. Roland Block hielt eine kurze Ansprache, die nicht nur den Dichter und Kämpfer ehren, sondern auch einen Bezug zum gegenwertigen Tagesgeschehen haben sollte. Mir hat sie gefallen. Deswegen gebe ich sie hiermit wieder.

Liebe Genossen und Kameraden sowie Freunde des Verbandes zur Pflege der Tradition der Nationalen Volksarmee und Grenztruppen der DDR, Liebe Verehrer des Poeten und deutschen Freiheitskämpfers Carl Theodor Körner

Warum versammeln wir uns alljährlich am Grabe des gefallenen Theodor Körners hier in Wöbbelin?
Meine Geschichtslehrer in der Polytechnischen Oberschule der DDR haben mir erklärt, eine Person immer ihrer Zeit zuzuordnen und in ihr zu bewerten. Gestatten sie mir daher einen kurzen geschichtlichen Abriss der den Dichter umgebenden politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Wie sah es in Preußen eigentlich um 1812/13 aus?

Nach einem knappen Sieg Preußens im Siebenjährigen Krieg, der nur durch das Ausscheiden Russland aus der Allianz der übermächtigen Gegner errungen werden konnte. (Merke: Nie gegen Russland) und nach der dreimaligen Teilung Polens mit einem bedeutenden Gebietszuwachs im Osten ging es jahrzehntelang nur bergauf mit dem Staat Preußen.
Dann kam die Katastrophe, die Doppelschlacht von Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806. Das preußische Heer wurde von Napoleon Bonaparte vernichtend geschlagen. Die Armee befand sich in Auflösung. Die bestens ausgestatteten Festungen wie Magdeburg, Küstrin, Stettin ergeben sich kampflos. Kolberg widerstand. Napoleons zog in Berlin ein. Der Preußische König Friedrich Wilhelm III. floh in den Schutzbereich des russischen Zaren ins Grenzgebiet nach Memel.
Es folgen deprimierende Friedensbedingungen wie Demobilisierung großer Teile der Armee, Gebietsabtretungen, die die Hälfte des Staatsgebietes ausmachten, erdrückende Kontributionen. Die Quadriga vom Brandenburger Tor ging, Preußen demütigend, als Kriegsbeute nach Paris.
Theodor Körner war zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt.
Aber es ging noch tiefer hinab. Das Elend hatte noch kein Ende. 1812 musste sich Preußen gezwungenermaßen dem Russlandfeldzug Napoleons anschließen. Das Ende ist uns bekannt. „Mit Mann und Ross und Wagen hat sie der Herr geschlagen“. Tausende Preußen und auch Mecklenburger verbluten oder erfroren in den russischen Weiten. (Merke: Nie gegen Russland)
Aber es gab auch Hoffnung. Persönlichkeiten, wie von Stein, von Hardenberg, von Scharnhorst, Gneisenau und andere forderten in dieser Situation vom preußischen König Reformen im Heer, in der Politik und in der Wirtschaft. Eine Mecklenburgerin aus Strelitz, Königen Luise von Preußen, drängte ihren noch zögerlichen Gatten Friedrich Wilhelm III., den Reformern endlich zu folgen.
Andere erkannten die Gunst der Stunde eher und preschten vor. Am 30.12.1812. schlossen der preußische Generalleutnant Yorck von Wartenburg und der russische Generalmajor von Diebitsch in Tauroggen ein Waffenstillstandsabkommen, die Konvention von Tauroggen. Preußen sagte sich von Napoleon los und schloss sich Russland an. (Merke: Nur mit Russland)
Es begann der Befreiungskrieg. Wo war der erst 21-jährige Körner? Wie kam er ins Spiel? Körner war im sicheren Wien. Er hatte erst kürzlich die Stelle des k. und k. Hoftheaterdichters am Burgtheater Wien angetreten. Vielleich saß er mit dem Fürsten Lobkowitz und dem Grafen Pàllfy in einem Kaffeehaus im Prater. Beide waren hochdekorierte Personen am österreichischen Hof und seine Protegés. Sie wussten um das künstlerische Können des jungen Mannes. Sie kannten seine patriotischen Lieder und Gedichte. Diese waren gefragt bei den Menschen in diesen schicksalshaften Jahren. Eine Karriere als Dramaturg stand ihm offen.
Aber Körner entschied sich anders. Sein Leben nahm einen dramatischen Verlauf. Am 17. März 1813 wandte sich der Preußische König aus Breslau mit seinem Aufruf „An mein Volk“ an sein Volk und bat um Unterstützung im Kampf gegen Napoleon. Es ist das erste Mal das ein preußischer König sich unmittelbar an sein Volk wendet. Körner hörte diesen Aufruf. Er wollte mehr als nur polemisieren und abseitsstehen. Er wollte nicht nur mit der Feder und der Leier in der Hand für die Freiheit kämpfen. In diesen entscheidenden Tagen wählte er das Schwert. Er wollte mit der Waffe in der Hand am Befreiungskampf teilnehmen.
Körner kündigte unverzüglich seine Stelle am Theater und bereits am 18. März 1813 reiste er nach Breslau ab. Dort schloss er sich dem Lützower Freikorps, erst als Infanterist, dann als Kavallerist an. Am 17. Juni wurde er bei einem Gefecht in der Nähe von Leipzig durch einen Säbelhieb am Kopf verletzt. Nach nur kurzer Genesung, wahrscheinlich körperlich noch nicht wieder voll hergestellt, wurde er am 26. August 1813 im Forst bei Rosenow unweit von Gadebusch von einer Kugel tödlich getroffen. Zwei Tage später fand der Kämpfer seine letzte Ruhestätte hier in Wöbbelin.
Wir ehemaligen Angehörigen der bewaffneten Organe der Deutschen Demokratischen Republik wissen um den Poeten und Patrioten Theodor Körner. Er ist uns ein Vorbild. Er ist ein positiver Teil unserer deutschen Geschichte, den wir pflegen, indem wir uns seiner hier erinnern, lebt er in uns fort.

Ich will enden mit einem kurzen Gedicht aus der Sammlung Leier und Schwert. Es passt in unsere Zeit und den Ereignissen in Osteuropa. Es heißt kurz „Moskau“ und erinnert an das brennende Moskau 1812 und seine Folgen für den Kriegsverlauf. Deutsche Politiker und großhirnvernebelte Ostlandreiter sollten es gerade jetzt lesen und beherzigen.

 

Wie wölben dort sich deiner Kirchen Bogen!
Wie schimmern der Paläste goldne Wände!
Es schwärmt der Blick, wohin ich ihn versende,
Von einer Pracht zur andern fortgeflogen.
Da wälzen sich auf einmal glüh’nde Wogen:
Es schleudern deiner Bürger eigne Hände
Aufs eigne Dach die sprüh’nden Fackelbrände;
Ein Feuerkreis hat prasselnd dich umzogen.
O laß dich nur vom Aberwitz verdammen!
Ihr Kirchen, stürzt! Paläste, brecht zusammen!
Der Phönix Rußlands wirft sich in die Flammen.
Doch hochverklärt aus seinem Feuerkranze
Wird er erstehn im frischen Jugendglanze,
Und Sankt Georg schwingt siegend seine Lanze.

 

Reiner Görs
Gefreiter a. D.

 

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