20.10.2025

Ehrung am Fliegerdenkmal Syhra 2025

 

 

Der 19.Oktober ist der dritte feste Termin eines jeden Jahres an dem sich Bürger und Bürgerinnen aus Geithain und dessen Umgebung sowie Vertreter verschiedener Vereine und Verbände am Fliegerehrenmal in Syhra zusammenfinden, um nicht nur des Absturzes der zwei sowjetischen Piloten,

Oberst Schandakow
und
Major Wladimirow

vor nunmehr 59 Jahren zu gedenken, sondern, wie am 8.Mai und am 1.September, dem Weltfriedenstag, Gedanken zur aktuellen Situation in Europa und der Welt auszutauschen.
Besonders herzlich begrüßen konnten wir auch in diesem Jahr Vertreter der Botschaft der russischen Föderation in Deutschland

Zu den Veranstaltungen lädt jeweils die 2024 gegründete Interessengemeinschaft „Freundeskreis Fliegerehrenmal Syhra.“ ein.

Die Gründung der Interessengemeinschaft hat uns die Möglichkeit gegeben, die Arbeit mit dem Ehrenmal auf „breitere“ Schultern, sowohl bei der Pflege, als auch bei der Auswahl der Redner zu den verschiedenen Anlässen der Zusammenkünfte am Ehrenmal zu verteilen.

So legte unser Mitglied G. Keller (90 Jahre) am 8. Mai seine persönlichen Erinnerungen an die Befreiung vom Hitlerfaschismus 1945 dar.

Nach der Begrüßung der Gäste durch den Vorsitzenden der Interessengemeinschaft nahm Th. Lang, Vorsitzender des Ortsverbandes Geithain der Partei DIE LINKE das Wort.

Liebe Mitglieder des Freundeskreises Fliegerdenkmal Syhra!

Liebe Anwesende! Liebe Friedensfreunde aus Nah und Fern! Sehr geehrte Vertreter der Russischen Botschaft Berlin!

Seit Jahrzehnten treffen wir uns am 19. Oktober hier am Fliegerehrenmal Syhra, um zweier Menschen zu gedenken und sie zu ehren, die wahrlich als Soldaten des Friedens charakterisiert werden können.

Die beiden sowjetischen Piloten
Oberst Viktor Nikolajewitsch Schandakow
und Major Juri Alexejewitsch Wladimirow.

Sie waren am gleichen Tag vor heute 59 Jahren mit ihrer MIG 21U auf einem Übungsflug und überflogen, als das Triebwerk der Maschine zuvor Feuer gefangen hatte, zunächst noch das Dörfchen Syhra und lösten erst danach die Rettungssysteme aus. Sie vermieden durch dieses uneigennützige Handeln, dass Einwohner Syhras zu Schaden kamen. Sie beide aber verloren dabei ihr Leben.

Aber nicht nur das lässt uns Hochachtung vor diesen beiden Menschen haben. Denn sie waren durch ihr Wirken als sowjetische Militärflieger aktiv daran beteiligt, dass der Frieden in unserem Land über Jahrzehnte bewahrt werden konnte.

Den allermeisten von Euch dürften all diese Tatsachen bekannt sein, denn ich sehe auch heute im Rund viele vertraute Gesichter. Die Erinnerung daran zu bewahren und daraus Lehren zu ziehen, dass Frieden das Wichtigste auf der Welt ist, sollte aber immer an erster Stelle unseres Denkens und Handeln stehen.

Es bewog den Ortsverband Geithain der Partei „Die Linke“ und ISOR e.V. TIG Geithain-Rochlitz vor Jahren auch dazu, das 1967 eingeweihte Fliegerehrenmal von den Schäden der Zeit zu befreien und es restaurieren zu lassen. Die große Unterstützung vieler Menschen aus der ganzen Republik, die dafür Geld spendeten, half, dass es am Weltfriedenstag 2018 eingeweiht werden konnte, um den beiden Helden – einem russischen und einem ukrainischen Militärflieger - weiterhin Ehre zu erweisen.

Deshalb macht es mich und sicher auch viele von Euch sehr betroffen, dass nun schon mehrere Jahre zwischen diesen beiden Ländern, die einst der Garant für Frieden in Europa und der Welt waren, eine kriegerische Auseinandersetzung tobt, die tagtäglich Opfer an Menschen, zerstörte Gebäude, Fabriken, Anlagen auf beiden Seiten fordert.

Ja, wir, die wir das politische Weltgeschehen interessiert verfolgen, wissen, was Russland 2022 dazu bewog, diesen Krieg zu beginnen. Leider hat zuvor die Nato oftmals durch die Hintertür versucht, einst getroffene Abmachungen zu hintergehen, auch zwischen diesen beiden Staaten. Und ich erinnere an das 2+4-Abkommen von Berlin, wo einst versprochen wurde, das Nato-Gebiet nicht nach Osten auszudehnen. Und was passierte seitdem?

Und dennoch: Jedem vernünftigen Menschen muss es das Herz bluten lassen, dass dieser Krieg tobt – und er ist zudem nur einer von vielen auf dem Erdball – Ja, die Ängste steigen vor der immer größer werden Gefahr einer Ausweitung, ja sogar eines Atomkriegs.

Ich würde mir deshalb von Herzen wünschen, dass die Auseinandersetzungen schnellenden mögen, Kampfhandlungen eingestellt und stattdessen diplomatische Verhandlungen auf den Weg gebracht werden. Statt noch mehr Kriegsgerät anzuschaffen sollten die Waffenlieferungen gestoppt werden.

Leider spielt unser Land im Bemühen, dies auf den Weg zu bringen, eine sehr unrühmliche Rolle. Beschlüsse und Vorhaben aus den Regierungskreisen gehen nur in Richtung Aufrüstung, noch größerer Waffenlieferungen. Täglich wächst die Gefahr, als Nato-Land Kriegspartei zu werden. Und nahezu täglich werden Nachrichten verbreitet, die Russland zum Erzfeind Deutschlands und Europas machen. Ja, es wird schon Kriegspropaganda betrieben. Denn was ist es sonst, wenn der deutsche Außenminister Wadephul dieser Tage versicherte, und ich zitiere wörtlich, was dem ND am 14. Oktober zu entnehmen war: „Russland wird immer unser Feind bleiben!“

Gibt es da noch Fragen?

Dem Kontra zu bieten, dafür ist neben diplomatischen Initiativen, von denen aus unserem Land seitens der Regierung noch kein Beitrag zu hören war, eine starke Friedensbewegung notwendig. Wir alle sind dabei gefragt und gefordert, uns einzureihen. Und alle, die das gleiche Ziel haben und die die gleichen Ängste bewegen, sollten sich trotz manchem Ärger über kleinere Unstimmigkeiten oder Aussagen in Diskussionsrunden, die man für falsch hält und selbst nicht teilt, auseinander diffidieren lassen, sondern das gemeinsame große Ziel nicht aus den Augen verlieren. Das ist viel wichtiger.

Unser gemeinsames Ziel muss und kann nur sein:

Frieden und Völkerverständigung!

Die kleine weiße Friedenstaube sollte endlich wieder und möglichst schnell auf Flugreise gehen. Wir sind an ihrer Seite und ich würde die Vertreter der russischen Botschaft, über deren Kommen wir uns auch heute sehr freuen, bitten, dies dem Botschafter zu übermitteln und ihn wissen zu lassen, dass auch in Deutschland viele Menschen diesen Wunsch haben.

Und ich glaube, dieses Eintreten für den Frieden wäre ganz sicher auch im Sinne der beiden sowjetischen Helden, die wir heute hier ehren.

 

Als nächster Redner wendete sich Anton Smolnikow, Mitarbeiter der Botschaft der russischen Botschaft an die Anwesenden.

Zunächst bedankte er sich bei den Mitgliedern des Freundeskreises „Fliegerehrenmal Syhra“ für das Wachhalten der Erinnerung an die am 19.10.1966 an dieser Stelle abgestürzten Piloten, die mit ihrem Handeln eine große Katastrophe verhindert haben. Er bedankte sich aber auch dafür, dass das Ehrenmal sich in einem sehr gepflegten Zustand befindet.

In seiner Rede äußerte er sich zuversichtlich, dass sich das Verhältnis zwischen Russland und Deutschland zum Guten ändern muss und auf diplomatischen Weg Veränderungen zum Positiven erreicht werden müssen. Russland ist nach wie vor zu Verhandlungen bereit.

Abschließend bedankte er sich in seinem und auch im Namen der außerdem noch anwesenden Mitarbeiter der Russischen Botschaft für die ausgesprochene Einladung und das sie dieser sehr gern gefolgt sind.

 

 Reinhard Frohberg                      

 

 

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