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Waffenschmiede DDR

 

 Waffenschmide DDR

Zwei Drittel der Leistungen für die DDR-Streitkräfte wurden von der eigenen Industrie erbracht. Dazu gehörte auch die Produktion von Rüstungsgütern. Kampfschiffe, Pan­zer­abwehrwaffen, Komponenten für die Pan­zer­fertigung, Kraftfahrzeuge, Zielsuchköpfe für Raketen, Feuerleitanlagen, Pioniergerät, Feld­lazarette und Munition wurden ebenso hergestellt wie Fliegerabwehrsysteme, Sturm­gewehre und Pistolen. Die DDR konnte so den Umfang teurer Rüstungs­im­porte vor allem aus der UdSSR begrenzen und zudem mit dem Verkauf wehrtech­ni­scher Produkte Exporterlöse erzielen. Damit leistete die DDR ihren Beitrag zum Erhalt des militärischen Gleichgewichts im Kalten Krieg. Finanziert wurden diese Anstren­gun­gen mit dem Geld der DDR-Bürger. Das in Waffen und Ausrüstungen der NVA inves­tie­r­te Volksvermögen fiel 1990 der Bundes­re­pu­blik Deutschland zu.

Erschienen im Verlagsprojekt PHALANX
ISBN 978-3-00-063450-5
2. Auflage
Preis: 19,20 EUR
Bestellung über den Buchhandel oder (www.phalanx-verlag.de)

 

Einführenden Worten des Autors Dr. Uwe Markus

Es wird ja neuerdings von Politikern und Medienvertretern gerne darauf hingewiesen, dass man in der Vergangenheit die Lebensleistungen der Ostdeutschen zu wenig gewürdigt habe. Diese aus der Angst vor den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg resultierende Erkenntnis kommt allerdings zu spät. Und wenn man genau hinhört, stellt man sehr schnell fest, dass derartige Äußerungen nichts an den gängigen Geschichtsklitterungen über die DDR und ihre Bürger ändern. Nach wie vor werden diverse Legenden mit missionarischem Eifer gepredigt, deren kommunikationspolitische Wirkung allerdings im Osten noch nie sehr ausgeprägt war, weil die Adressaten dieser Botschaften es besser wussten.

  1. Die in den Medien übliche Sprachregelung, dass die DDR-Wirtschaft vor 30 Jahren "marode" und daher nicht überlebensfähig gewesen sei, verdeckt, dass es etliche Wirtschaftsbereiche gab, die man bei anderer wirtschaftspolitischer Orientierung hätte erhalten können. Gerade modern ausgestattete Rüstungsbetriebe der DDR wurden schnell von westlichen Unternehmen aufgekauft und sind zum Teil immer noch im Wehrtechnikgeschäft tätig. Mit einer "maroden" Wirtschaft wären moderne Streitkräfte kaum auszurüsten und zu unterhalten gewesen. Der De-Industrialisierungs­pro­zess im Osten war primär Folge falscher (marktideologischer) wirtschaftspolitischer Weichen­stel­lungen. Hier liegen die Hauptursachen für die derzeitige politische Situation in Ostdeutschland. Arbeitslosigkeit und Produktivitätsrückstand, die Abwanderung junger Menschen in die westlichen Bundesländer, die Abkopplung ganzer Regionen vom Wohlstandsfortschritt sind Folgen einer neo­liberal ausgerichteten Wirtschaftspolitik, die vor allem destruktiv gewirkt und historisch gewach­se­ne Strukturen zerschlagen hat. Und für diese gescheiterte Politik muss nun der Preis gezahlt wer­den.

  2. Die DDR hat im Bereich der Rüstung nie mehr investiert als unbedingt erforderlich war. Jedem Verantwortlichen war klar, dass das dafür aufgewendete Volksvermögen an anderen Stellen fehlt. Die DDR hat ihre vom Umfang her sehr begrenzte Rüstungsindustrie vor allem genutzt, um teure Importe aus der UdSSR, Polen, der CSSR und Rumänien abzulösen. Das war ein Gebot wirt­schaft­licher Vernunft und kein Selbstzweck. Es gab in der DDR keinen Militärisch-Industriellen Komplex, der Einfluss auf politische Entscheidungen hätte nehmen können. Die immer wieder gerne kolportierte Militarisierungsthese geht an der Realität vorbei.

  3. Die geheim gehaltenen Rüstungsexporte der DDR gingen vor allem in das Bündnisgebiet des Warschauer Paktes. Und vor allem die UdSSR forderte, dass die DDR-Industrie einen größeren Beitrag für die militärische Sicherheit des Bündnisses leistet. So wurde die DDR in den 70er und 80er Jahren auch in diesem Bereich zu einem wichtigen Partner der Sowjetunion, was dem Selbst­bewusstsein von DDR-Politikern und deren Fähigkeit zur Durchsetzung eigener Wirtschafts­inter­essen durchaus förderlich war. Die DDR leistete mit ihrer Rüstungsindustrie, mit der Subventio­nie­rung der Uranförderung und den Zahlungen für den Unterhalt der GSSD einen sehr großen Beitrag zum Erhalt des militärischen Gleichgewichts und damit zur Verhinderung eines Krieges. Auch das gehört zu den Lebensleistungen der Ostdeutschen und dafür muss sich niemand entschuldigen. Lieferungen zu kommerziellen Bedingungen in das NSW spielten erst in den 70er und 80er Jahren eine Rolle und dienten sowohl der Unterstützung politischer Partner in der sogenannten Dritten Welt als auch der Devisenerwirtschaftung. Die DDR verhielt sich hier als souveräner Staat, der seine politischen und wirtschaftlichen Interessen wahrnahm - nicht anders als etwa die Bundesrepublik.

  4. Mit der Übernahme der Rest-NVA durch die Bundeswehr gab es keine ordnungsgemäße Erfassung der Waffen- und Ausrüstungsbestände. Die Abrüstungsverpflichtungen der Bun­des­republik wurden in erster Linie durch Vernichtung und Verkauf von NVA-Gerät erfüllt. Mit dem von den DDR-Bürgern finanzierten NVA-Gerät wurde der Bestandsschutz für die an einer massiven Sinnkrise leidende Bundeswehr gesichert. Die Bundesregierung lieferte NVA-Waffen in Krisen­re­gi­onen entweder unentgeltlich oder weit unter dem Marktwert. Die damit erzielten Erlöse tauchen in keiner Bilanz über die Kosten der deutschen Einheit auf. Hinzu kam, dass NVA-Technik an andere Staaten zu Auswertungs-, Studien- und Trainingszwecken abgegeben wurde, um fremde Streit­kräf­te für diverse Kriegseinsätze besser konditionieren zu können, Auch damit erkauften sich deutsche Politiker das Wohlwollen internationaler Partner. Die Bundesrepublik profitierte so in hohem Maße von der Hinterlassenschaft der NVA und der DDR-Rüstungsindustrie, was allerdings nicht thematisiert wird, weil es das dominierende Geschichtsbild beschädigen würde.
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