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Deutsch-sowjetische Waffenbrüderschaft in der DDR.
Ein militärisches Konzept oder Propaganda?

25. Oktober 2019 - Ein Abend im Deutsch-Russischen Museum Karlshorst mit:
Dr. Jörg Morré, Direktor des Museums und Moderator, Jewgenij Mescherjakow, Journalist,
und Oberstleutnant a.D. Siegfried Eichner, Militärdiplomat der NVA

J. Mescherjakow ist in Wolgograd aufgewachsen und hat bei der GSSD gedient, war Politoffizier in einem Panzerbataillon, disloziert in Elstal auf dem Gelände des ehemaligen olympischen Dorfes. Dieses wurde später nach Glauchau verlegt, und in ein mot.-Schützenbataillon umstrukturiert. Ausgerüstet war das PB mit T64. Er selbst wurde im Rahmen seiner Ausbildung, wie ja auch bei uns an vielen Stellen üblich (auch bei uns an der Fähnrich- und Offiziershochschule), zuerst als mot.-Schütze ausgebildet, erlernte später auch das Fahren eines Kampfpanzers. 1987 nahm er an einem gemeinsamen Manöver teil. Mescherjakow war bis zu diesem Abend 27 Jahre nicht mehr in der BRD. Er beschrieb, dass viele ehemalige Angehörige der sowjetischen/russischen Truppen heute der Meinung sind, dass der Abzug damals ein Fehler war. "Wer weiß, wo die NATO heute stehen würde...". Insgesamt haben ca. 8,5 Mio Armeeangehörige aller Dienstgrade auf dem Gebiet der DDR gedient. Etwa doppelt so viele Menschen haben Familienangehörige hierher begleitet. Daraus resultierten auch Kontakte zu unserer Bevölkerung, auch zu ehemaligen und aktive Armeeangehörigen. Es gab auch eine Reihe von Fällen, wo NVA-Offiziere, die an einer der sowjetischen Akademien studiert hatten, hier auf bekannte Gesichter stießen, die nach dem Akademie-Besuch hier stationiert wurden. Freundschaften, die sich in der UdSSR entwickelt hatten, konnten so hier weiter gepflegt werden. Ihm bekannte Aktionen der Waffenbrüderschaft zu seiner Zeit:

  • Manöver mit Beteiligung verschiedener Armeen des Warschauer Vertrages
  • gemeinsame Kranzniederlegungen und Grabpflege
  • Tage der offenen Tür

Zusätzlich gab es in der Zeit des Abzugs viel Unterstützung durch deutsche Familien. In der sowjetischen Militärführung gab es nach seiner Aussage die Einschätzung, dass die NVA zwar zum Beispiel kleiner war, als die polnische Armee, aber die kampfstärkste Armee nach der sowjetischen. Ergebnis hervorragender Ausbildung und Schulung aller AA. Anfang der 90er Jahre wurden die Politarbeiter in der russischen Armee abgeschafft. Mittlerweile schätzt man das als Fehler ein, und führt etwas Ähnliches wieder ein. Dazu gab es jüngst einen Erlass von Putin. Auch die Traditionen der sowjetischen Armee lässt man teilweise wieder aufleben. Es gibt seit einiger Zeit eine Organisation der Veteranen der GSSD, in deren Auftrag Mescherjakow Kontakte zu Veteranenorganisationen hier aufbauen soll, und die Veteranenarbeit intensivieren. Auch erhalten viele Truppenteile und Einheiten ihre Namen aus den Zeiten der UdSSR und des Großen Vaterländischen Krieges wieder. Kurz am Rande erwähnt: Er hat im Rahmen seines jetzigen Aufenthaltes Elstal besucht, und entdeckt, dass es dort ein kleines, privat geführtes Museum gibt.

Siegfried Eichner war u.a. Politstellvertreter im NB-7 in Dresden. Er stellte fest, dass Waffenbrüderschaft kein Dogma, kein "definierbares Etwas" ist, sondern eine soziale und politische Kategorie, die auch nicht in der Sowjetunion oder der DDR erfunden wurde, sondern z.B. schon zwischen August dem Starken und Peter I. gelebt wurde. Die NVA allein hätte das Gebiet der DDR nicht verteidigen können. Das ging nur im Rahmen der Vereinten Streitkräfte des Warschauer Vertrags. Die NVA hatte z.B keine U-Boote, keine strategischen Bomber...

Zum Thema des Abends trug er auch bei, dass es in jedem Jahr in der letzten Februarwoche eine "Woche der Waffenbrüderschaft" gab. Beginnend am Tag der sowjetischen Streitkräfte, dem 23. Februar, und endend mit dem 1. März, dem Tag der NVA. Abhängig von der Situation am Standort gab es z.B. Wettbewerbe mit dem "Regiment nebenan", wo u.a. dann auch am Ende mit gemischten Mannschaften gearbeitet wurde. So hat er es selbst beim NaB 7 erlebt. Waffenbrüderschaft wurde der NVA durch die Situation nach dem Ende des II. Weltkrieges in die Wiege gelegt. Und sie war die erste Armee im Warschauer Vertrag mit einer Medaille der Waffenbrüderschaft.

Während Morré immer wieder versuchte, Waffenbrüderschaft als aufgesetzt, nur befohlen, nicht gelebt, und eigentlich nicht existent zu diskreditieren, wurde er von beiden Gästen immer wieder eines besseren belehrt. Insgesamt war es dadurch dann ein runder Abend.

Text: Thomas Pietsch, Fähnrich a.D.
Fotos: Paul Franke

Deutsch-sowjetische Waffenbrüderschaft in der DDR

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