Die Nato hat nicht das letzte Wort

Zum Artikel von W. Gerassimow in der Militärpresse am 30. April 2019.

Der politische Aktionsplan Russlands zum Dialog mit dem Westen war bei der Ansprache von Präsident W. Putin am 9. Mai 2019, in Moskau auf dem Roten Platz in der Kurzfassung als Appell an die Staatenwelt zu hören:

„[…] Russland ist offen für die Zusammenarbeit mit allen, die in der Sache bereit sind, sich dem Terrorismus, Neonazismus und Extremismus entgegenzustellen. Der kollektive Widerstand gegen die Verfechter der todbringenden Ideen erhält erneut eine richtungsbestimmende Bedeutung.

Wir rufen alle Länder dazu auf, sich der gemeinsamen Verantwortung bewusst zu werden – für die Schaffung eines effektiven und für alle gleichen Systems der Sicherheit. […]“

Der Generalstab der Streitkräfte Russlands hatte sich wenige Tage vor den Mai-Feierlichkeiten bereits in Sachen Zusammenarbeit mit dem Westen und Nato-Bündnis ausführlicher zu Wort gemeldet. Militärs haben ihre eigene Logik und Sprache. Den Schlussfolgerungen aus der Beurteilung einer Lageentwicklung und den knapp gefassten Vorschlägen für mögliche Handlungsoptionen geht stets eine allseitige und umfassende Analyse der Lagefaktoren voraus.

Walerij W. Gerassimow ist genauso bei seinem Autorenbeitrag in der Online-Wochenzeitung Mili­tär­industrie-Kurier vorgegangen. Der redaktionelle Übertitel Aus erster Hand verweist auf seine heraus­gehobene Funktion als Generalstabschef der Streitkräfte Russlands.

Der Autor definiert die ernsten Besorgnisse der militärischen Führungselite Russlands hinsichtlich der aktuellen militärstrategischen Aktivitäten der USA und ihrer Nato-Bündnispartner nahe den West­gren­zen Russlands und in der Arktis. Er beschreibt die gegenwärtig offen gehaltenen und funktionierenden Kanäle des militärstrategischen Dialoges mit dem Westen.

Zur Normalisierung gemäß der Nato-Russland-Grundakte seien „…die Beendigung der destabilisie­renden Aktivitäten der Streitkräfte des Nato-Blocks nahe den West­gren­zen Russlands, der Statio­nierung zusätzlicher Truppen und militärischer Infrastruktur-Objekte in den Baltischen Staaten und in Osteuropa sowie die Beendigung der verstärkten militärischen Anwesenheit im Schwarzen Meer [erforderlich].“

Man muss die Standpunkte Russlands nicht teilen, man sollte sie aber unbedingt kennen, um die Befindlichkeiten und außenpolitischen Aktivitäten in Russland ausreichend einordnen zu können.

Siehe dazu den Volltext der Übersetzung a. d. Russischen.

Dr. Rainer Böhme, Oberst a. D.
28.05.2019

Unsere Webseite verwendet für die optimale Funktion Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.
zur Datenschutzerklärung Einverstanden