Zum 75. Jahrestag der Gründung
des Nationalkomitee „Freies Deutschland“ (NKFD)

am 12/13. Juli 1943 in Krasnogorsk bei Moskau


75 Jahre NKFD

Am 12. und 13. Juli 2018 jährt sich zum 75. Mal der Tag der Gründung der Bewegung National Komitee „Freies Deutschland“ (NKFD), die durch 300 Vertreter der Gefan-genenlager, vom Soldaten bis zum Major, - Oberste und Generale waren noch nicht bereit,- und deutschen Emi-granten im Gefangenenlager Krasnogorsk bei Moskau, im Klubhaus des dortigen Dorfsowjets durchgeführt wurde. Zur Leitung dieser Gründungsversammlung wurde ein Prä-sidium gewählt, (linkes Bild) mit Wilhelm Pieck und Erich Weinert an der Spitze, der auch das Referat zur Gründung hielt. Zur Diskussion sprachen 19 Teilnehmer.

Auf dieser Gründungskonferenz wurde die Leitung des Komitees mit dem Schriftsteller und Kom-munisten Erich Weinert als Präsidenten gewählt. Als Vizepräsidenten wurden die Majore Hetz, Leutnant Heinrich Graf von Einsiedel (ein Urenkel Bismarcks) und Soldat Max Emmendörfer (Mitglied der KPD) gewählt.75 Jahre NKFD
Dem Präsidium gehörten 38 Mitglieder an, davon 13 Emigranten, 12 Offiziere, und 13 Soldatendienstgrade, unter ihnen die Kommunisten W.Pieck, W. Ulbricht, Anton Ackermann, Wilhelm Florin, Hans Mahle, die Offiziere Major Hetz, Major Stösslein, Hauptmann Dr.Hadermann, Leutnant Graf Heinrich von Einsiedel, Uffz. Klein, Gefreiter Zippel und die Soldaten Kessler und Emmendörfer. Später, nach der Gründung des „Bundes Deutscher Offiziere“ (BDO) unter Vorsitz des Generals der Artillerie Walter Kurt von Seydlitz-Kurzbach (einer der 22 gefangenen Generäle aus Stalingrad), im September 1943 und dessen Anschluss an das NKFD, wurde das Präsidium auf 55 Mitglieder erweitert in das auch General von Seydlitz als Präsident des BDO und Generalleutnant Edler von Daniels (Vizepräsident des BDO), nach gewählt wurden.
75 Jahre NKFDAuf dieser Gründungsversammlung wurde auch das Manifest „An die Wehrmacht und an das deutsche Volk“ angenommen, mit der Zielsetzung, es sofort in großer Auflage in den Gefangenenlager, an den Fronten und der Öffentlichkeit zu vorzustellen, zu verbreiten und zu diskutieren.
Das Manifest, ausgearbeitet von Alfred Kurella und Rudolf Hernstadt, hatte im Wesentlichen zwei Hauptaufgaben als Ziel:
1. Die Beendigung des Krieges durch den Sturz des faschistischen Regimes und Rückführung der Wehrmacht bis zu den Reichsgrenzen,
2. Errichtung eines unabhängigen, friedlichen, demokratischen antifaschistischen Deutschen Staates.
Dies wurde im Dokument entsprechend begründet.

Diese historischen Gründungen des NKFD und vor allem des BDO, waren langwierige Prozesse, die im Laufe der Kriegsjahre durch viele Aktivitäten, Aufklärungsarbeit unter den gefangenen Soldaten und Offizieren durch die deutschen Emigranten, allen voran den deutschen Kommunisten wie Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht, Heinz Hoffmann, sich entwickelten. Wie unser verstorbener ehemalige Minister für Verteidigung Heinz Kessler in seinem Buch „Zur Sache und zur Person“ schrieb, waren dies Etappen und Abschnitte, die „sich keineswegs schnell, eher zögerlich und widerspruchsvoll“ vollzogen. Selbstverständlich trugen die Siege der Roten Armee vor Moskau und Stalingrad wesentlich dazu bei, ein Umdenken unter den Soldaten, Offizieren und Generälen der Wehrmacht hervorzurufen. So bildeten sich in einigen Lagern, wie Heinz Kessler schreibt, erste kleine Aktivs, wie im Lager 58 in Temnikow. Hier riefen 15 gefangene Soldaten zur Diskussion auf zum Thema „ Wie ist der Hitlerkrieg zu beenden“ An dieser Diskussion nahmen 158 Männer teil, die einen „Appell an das deutsche Volk“ annahmen. Ende Februar 1942 fand im Lager Jelabuga ein Treffen von Gefreiten. Unteroffizieren und Feldwebeln statt, an dem 190 Männer teilnahmen

Das Politbüro der KPD in Moskau hatte bereits am 03. April 1942 ein Grundsatzdokument in Ab-stimmung mit der Sowjetunion erarbeitet, das zur Schaffung einer breiten Volksfront gegen Hitler aufrief. So bildete sich im April 1942 im Kriegsgefangenenlager Jelabuga unter Führung vom Hauptmann der Wehrmacht Dr. Ernst Hadermann und Oberleutnant Friedrich Reyer eine „Anti-faschistische Offiziersgruppe“, die am 21. Mai 1942 bereits die erste Antifaschistische Offiziers-konferenz durchführte, die sich mit einem Aufruf an alle Offiziere in den Gefangenenlager wendeten, im Kampf gegen Hitler mit zu machen. Gleichzeitig wurden 1942 auch die Antiva-Schulen gebildet, die erste in Oranki, südlich von Gorki, in denen eine umfangreiche Aufklärungsarbeit durch deutsche Kommunisten und Patrioten geleistet wurden, wo u.a. als Lehrer auch Heinz Hoffmann wirkte und in denen viele ehemalige Wehrmachtsangehörige teilnahmen.

In Vorbereitung zur Gründung des Nationalkomitees wurden durch Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht, Erich Weinert, Anton Ackermann, Heinz Hoffmann u.v.a., viele Gespräche in den Gefangenenlager durchgeführt. Besondere Bedeutung hatte die Aussprache Wilhelm Piecks im Juni 1943 mit General-feldmarschall Paulus und anderen dort gefangenen Generälen, die sich später dem BDO und dem NKFD anschlossen.
Eine besondere Rolle in der agitatorischen- und Überzeugungsarbeit spielten die gleich nach Gründung des NKFD geschaffene Wochenzeitung „Freies Deutschland“, dessen Redakteur Rudolf Hernstadt war und der geschaffene Radiosender „Freies Deutschland“, unter Leitung von Anton Ackermann.
75 Jahre NKFDDie Tätigkeit des NKFD, die durch die Politische Hauptverwaltung der Roten Armee koordiniert und unterstützt wurde, war vielseitig. Hervorzuheben seien hier die Arbeit der Frontbeauftragten, die als Organisation im August/ September 1943 für alle 12 Sowjetischen Fronten gebildet wurden. Die Soldaten Heinz Kessler, (im Bild 2. von rechts) Max Emmendörfer, Oberleutnant Eberhard Charesius, (bereits am 22. Juni 1941 durch Notlandung in Gefangenschaft geraten), Leutnant Graf von Einsiedel , um nur einge von vielen zu nennen, gingen, wie Walter Ulbricht, Willi Bredel, Erich Weinert, an die Fronten und leisteten Agitationsarbeit. Eine zweite Gruppe der Angehörigen des NKFD leisteten eine sehr schwierige und gefährliche Arbeit im Hinterland der Wehrmacht gemeinsam mit den sowjetischen Partisanenverbänden.
Wenn auch durch die Mitglieder des NKFD und der Frontbeauftragten, nicht immer die gestellten Ziele erreicht wurden, das Ziel des Aufrufs des NKWD insgesamt nicht erreicht werden konnte, so hat diese Arbeit doch vielen zehntausenden Soldaten den Weg in die Gefangenschaft gezeigt und damit zur Lebensrettung beigetragen. Außerdem war die Arbeit ein Stimulus zur weiteren Entwicklung der antifaschistischen Arbeit unter den gefangenen deutschen Soldaten in der Sowjetunion und in vielen anderen Staaten, wie in Frankreich, Großbritannien, Schweden der Schweiz, selbst in Amerika. Sie beeinflusste auch den antifaschistischen Widerstand in vielen von der Wehrmacht besetzten Ländern. Die Arbeit der Angehörigen des NKFD und des BDO, als Patrioten eines Neuen Deutschlands kann nicht hoch genug eingeschätzt und gewürdigt werden.

Nach Beendigung des Krieges wurde dann in einer letzten Vollversammlung am 02.November 1945 in Moskau das Nationalkomitee „Freies Deutschland“ aufgelöst. Viele der Angehörigen des NKFD kehrten in die sowjetisch besetzte Zone Deutschlands zurück und und leisteten, entsprechend den Zielen des NKFD, Hervorragendes beim Aufbau eines neuen Deutschland, der späteren DDR und seiner bewaffneten Kräfte.

Am 12. Juli 1988, auf der Festveranstaltung zum 45. Jahrestag der Gründung des Nationalkomitees „Freies Deutschland“ hat der damalige Verteidigungsminister Armeegeneral Heinz Kessler diese Arbeit des Nationalkomitees hoch gewürdigt. Er führte dort aus: „Geist und Tat des Nationalkomitees und der Bewegung „Freies Deutschland“ gehören zu den besten Traditionen unseres Volkes und seiner sozialistischen Streitkräfte. Mehr als 20 Generale und Admirale, die als leitende Kader die Kasernierte Volkspolizei und später die Nationale Volksarmee aufbauten, waren Angehörige des Nationalkomitees Freies Deutschland (....) In den Stäben unserer Streitkräfte wirkten annähernd 100 Stabsoffiziere, die Mitglieder des NKFD waren und zum größten Teil im unmittelbaren Fronteinsatz gegen die faschistische Armee gekämpft hatten. Fast 200 Offiziere hatten eine antifaschistische Schule in der Sowjetunion besucht“.
So waren neben Heinz Hoffmann und Heinz Kessler, als Minister für Verteidigung, die Generäle Vincenz Müller, als Chef des Hauptstabes der KVP , Hans Wulz, Rudolf Bamler, Arno von Lenski, Martin Lattmann und Dr. Otto Korfes, als verantwortliche Chefs im Ministerium für Verteidigung der DDR, die Oberste Wilhelm Adam, Walter Lehweß-Litzmann, die Majore Heinz Zorn, Bernhard Bechler, Hauptmann Hermann Rentsch, Oberleutnant Eberhard Charesius, Leutnant Helmut Borufka, Leutnant Reinhardt Brühl,(BDO) Feldwebel Hermann Vogt, Unteroffizier Felix Scheffler, Obergefreiter Edwin Maseberg, Soldat Paul Blechschmidt in verantwortlichen Funktionen beim Aufbau der Volkspolizei und der KVP/NVA aktiv beteiligt. Viele von ihnen wurden später Generäle und Admirale der NVA.
Der BDO bestand im „Bornstedter Kreis“ und im „Potsdamer Offizierskreis“ , gefördert auch durch Generalfeldmarschall Paulus, in der Arbeitsgemeinschaft ehemaliger Offiziere weiter und trug auch wesentlich zur Gründung der Organisation „Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ bei.

In der Nationalen Volksarmee und den Grenztruppen erhielten sie in der Traditionspflege einen hohen Stellenwert. Dieser Tradition sehen wir uns im „Verband zur Pflege der Traditionen der Nationalen Volksarmee und der Grenztruppen der DDR“ weiter verpflichtet.
Die Arbeit des Nationalkomitees Freies Deutschland ist in unserer Satzung als Selbstverständnis und Grundsatz fest verankert und es gehört zur Selbstverständlichkeit, diese Tradition weiter zu pflegen und die Arbeit dieser Patrioten dementsprechend auch weiter zu würdigen.