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16 Tage – 5.000 km
Russland und Belorussland mit 4 Heldenstädten

Sollte man der derzeit in Westeuropa und Deutschland vorherrschenden öffentlichen Meinung folgen, dann hatten wir ein Unternehmen geplant, welches nicht gut gehen konnte; ... aber dem war wirklich nicht so.
Unsere Strecke sollte uns per Auto über Polen nach Kaliningrad / Baltisk, von dort aus quer durchs Baltikum nach St. Petersburg, dann nach Moskau und letztendlich über Minsk, Brest und Warschau zurück nach Hause führen; ... und sie tat es auch.
Die Reise wurde so geplant, dass man private Urlaubsinteressen und militärisch historisch interessante Ziele bestens verbinden konnte.

1. Ziel Kaliningrad / Baltisk
Kaliningrad die Stadt des Philosophen Immanuel Kant und Baltisk/ Pillau bekannt durch Festung und Flottenstützpunkt. Ausgehend davon, dass ein Großteil der Stadt Königsberg in der Zeit von 1941-45 zerstört wurde, so trifft man doch an vielen Stellen auf historische Zeitzeugen. Der Dom sollte ein kleines Muss sein; militärisch eher die Stadtzitadellen und das Marinemuseum mit U-Boot im Innenstadthafen. Quer durch die Stadt verteilt wird immer an die Kämpfe von 41-45 erinnert, aber man vergisst auch nicht die „Söhne“, welche bei allen möglichen Kampfhandlungen ab Gründung der Roten Armee / Russischen Armee ihr Leben gelassen haben.
Anders ist es da schon in Baltisk. Neben der Sternfestung Pillau ist der Militärhafen doch schon bestimmend und alles was dazu gehört. Die Festung ist so der Öffentlichkeit derzeit nicht zugänglich, es wird sehr viel daran gebaut; die Anlagen des Flottenstützpunktes erscheinen eher in einem spröden Grau. Dafür erglänzten aber der Paradeplatz , das Zentrale Marinekriegsmuseum und das Museum der Baltischen Flotte. Die Russische Korvette vom Projekt 21631, „Serpuchow 563“ und ein Minenleger lagen im Hafenbecken zur Besichtigung bereit. Man teilte uns auch mit, das Schiffe, wenn sie am Becken liegen immer besichtigt werden können.

Ein kleines Schmunzeln hatten wir dann doch noch ... am Dom trafen wir wieder auf eine 4-er Gruppe, welche mit uns zusammen an der Grenze bei der Einreise etwas warten musste. Mitglieder unseres Verbandes darunter Generalmajor a.D. Günther Sarge wollten das Wochenende über den Geburtsort des Generals besuchen.

Russlandreise Russlandreise
Russlandreise Russlandreise
Russlandreise  Russlandreise

 

2. Ziel St. Petersburg / Heldenstadt Leningrad
Mit der Ausreise über Sowjetzk/Tilsit mit Überquerung des Neman setzten wir unsere Reise fort. Dies war in den frühen Morgenstunden auch unsere schnellste EU-Grenzkontrolle; und gipfelte in den schlechtesten Straßen der gesamten Reise. Da müssen die drei ehemaligen baltischen Sowjetrepubliken noch nachbessern. Gleiches gilt auch in Punkto Höfflichkeit bei der Pass- und Grenzkontrolle durch Estland. So musste ich zum Beispiel nachweisen, das innerhalb der EU mein DDR- Führerschein von 1986 noch gültig ist. (Wer den DDR- Führerschein noch hat, braucht bei Russlandreisen keinen internationalen Führerschein, denn der der BRD wird so nicht anerkannt.)
Sankt Petersburg – das Venedig des Nordens begrüßte uns mit offenen Armen am späten Abend. Neben Besuchen der Peter- und Pauls- Festung, der Hermitage und einer Stadtrundfahrt kann man sich eigentlich an Denkmälern und Palästen nicht satt sehen, ebenso lohnte sich die Fahrt nach Puschkin in den Jekatharinenpalast.
Dazu beeindruckte an einem kalten und verregneten 1. Mai das Artillerie- und Raketenmuseum. Geschichte der Militärtechnik in einem Museum, das seinesgleichen sucht, in einem historischen Bollwerk, welches alleine schon begeistert.
Das Marinemuseum war die Tage über leider (schnief) geschlossen, die „Aurora“ entschädigte aber zum Teil.
Was man überall merkte, waren die Vorbereitungen auf den 9. Mai.
In diesem Zusammenhang legten wir am Ehrenmal auf dem Platz der Helden in Uniform Blumen am Denkmal nieder und konnten außer der Reihe das unter dem Denkmal befindliche Museum für die Heldenstadt Leningrad und die Verteidiger der 900 Tage besichtigen.

Russlandreise Russlandreise
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3. Ziel Moskau – Hauptstadt und Heldenstadt
Mittels der relativ vernünftig ausgebauten (auch einer neuen Autobahn) oder im Ausbau befindlichen Straßen überwanden wir die Etappe St. Petersburg – Moskau. Einige Denkmäler in Bezug auf den Großen Vaterländischen Krieg begleiteten uns auf der Fahrt.
In Moskau hatten wir uns in einem „Zuckerbau“, dem Hotel Hilton Moscow Leningradskaja einquartiert,; geschuldet auch der Tatsache, das hier im Umfeld 3 U-Bahnlinien verlaufen und man so recht schnell überall sein konnte.
Auch in Moskau war an jeder Ecke zuspüren, das der 9. Mai naht ... zumal ja auch bereits seit dem 04. der Kreml und der gesamte Rote Platz gesperrt wurde. Die Besucher mussten es hinnehmen, es war halt so ...
Moskau ist eine Metropole, wie sie im Buche steht. Eine Hauptstadt, welche sich der Größe und Weite Russlands als würdig erweisen tut, und man sieht, dass das Land trotz aller Beeinträchtigungen von Draußen erstarkt und zu einem eigenen auf seiner Geschichte beruhenden Nationalbewusstsein beruht und die amerikanischen und westeuropäischen Großkonzerne wissen schon, wie sie dort ihr Geld verdienen können, egal was manche Regierungen so von sich geben.
Für mich persönlich am beeindruckendsten war der Besuch des Platzes der Sieges und des dort befindlichen Zentralen Museums für den Großen Vaterländischen Krieg, die Militärparade auf dem Roten Platz und die damit über der ganzen Stadt liegende Aura der Feierlichkeiten. Man konnte sich trotz vorhandener sprachlicher Barrieren als ein Teil eines Großen und Ganzen fühlen und war integriert.

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4. Heldenstadt Minsk und Heldenstadt Festung Brest in Weißrussland
Aufgrund eines Grenzabkommens gibt es nunmehr ja keine Grenzkontrollen für alle zwischen der Russischen Förderation  und der Republik Belorussland mehr, somit war die Fahrt auf der M1 ab Moskau doch recht angenehm. Beide Städte in den Kriegswirren komplett zerstört boten einen sehr modernen aber doch etwas reservierten Anblick. Der Besuch in beiden Museen der Helden und die Verinnerlichung der Tatsachen überwältigen einen schon und manche Größe droht einen zu überwältigen; andererseits bringen einen die örtliche Weitläufigkeit und die Ruhe in eine Stimmung, die dem Gedenken Ehre gereicht.

Im Resümee kann man sagen, das unsere kleine Russlandreise eine Reise in die Geschichte und die Gegenwart war. Wir wurden überall mit offenen Armen empfangen und nirgends stellten wir fest, dass man uns nicht gerne sah. Russland ist nicht in einen Winterschlaf verfallen, wie man uns sehr gerne weiß zu machen versucht. Klar ist sicherlich nicht alles Gold was glänzt, aber wer, wenn nicht wir, die die Wende mitgemacht haben, kann das besser beurteilen.

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