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Tradition im Kreuzverhör

von Oberst a.D. Horst Nörenberg,  Januar 2018

 

Wieder einmal hat ein Bundesminister der Verteidigung Anlass gefunden, sich mit einem neuen Erlass zur Traditionspflege der Bundeswehr an die Öffentlichkeit zu wenden. Die Bundeswehr soll sich auf ihre eigenen Traditionen besinnen und sich endgültig von der Wehrmacht verabschieden.

Frau von der Leyen hätte aber vorher das Buch von Ralph Giordano „Die Traditionslüge, vom Kriegerkult in der Bundeswehr“ lesen sollen. Er schreibt: „Das Hauptverbrechen Hitlerdeutschlands war sein Krieg, nicht Auschwitz. Denn erst die Siege der Wehrmacht ermöglichten Holocaust und Völkermord.“

In diesem Sinn fehlt dem Traditionserlass eine Präambel, in dem sich das Bundesministerium der Verteidigung für die in den ersten 20 Jahren der Bundeswehr wiederverwendeten Eliten der faschistischen Wehrmacht entschuldigt. Alle Generale der Anfangsjahre der Bundeswehr gehörten zu den Teilnehmern eines Vernichtungskrieges mit unzähligen Kriegsverbrechen.

So erfüllten sie (die Generale) bereitwillig bis zur letzten Minute dieses grausamen Vernichtungskrieges die Forderungen ihres Oberbefehlshabers, Adolf Hitler, sogar über dessen Tot hinaus.
Von dieser Verantwortung und Schuld gegenüber dem eigenen Volk und Vaterland können die deutschen Militärs nach Ende des Zweiten Weltkrieges nicht freigesprochen werden; auch wenn es dafür immer wieder Versuche gab und gibt. Es war schließlich ihr Krieg den sie umfassend vorbereitet und total geführt haben.“( Klaus Weier, Schreckliche Generale 2012.)

Für diese Generale und alle Angehörigen der faschistischen Wehrmacht gab der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer am 03.12.1952 vor dem Bundestag eine Ehrenerklärung ab.
„Wir möchten heute vor diesem Hohen Haus im Namen der Regierungen erklären, dass wir alle Waffenträger unseres Volkes, die im Rahmen der hohen soldatischen Überlieferungen ehrenhaft zu Lande, zu Wasser und in der Luft gekämpft haben, anerkennen. Wir sind überzeugt, dass der gute Ruf und die große Leistung des deutschen Soldaten trotz aller Schmähungen während der vergangenen Jahre in unserem Volk noch lebendig geblieben sind und auch bleiben werden. Es muss auch gemeinsame Aufgabe sein, und ich bin sicher, wir werden sie lösen, die sittlichen Werte des deutschen Soldatentums mit der Demokratie zu verschmelzen.“

„Nicht alle Wehrmachtsangehörige waren Verbrecher, aber sie alle haben dem verbrecherischsten Krieg der Geschichte gedient“, Ralph Giordano.

Zu der Ehrenerklärungen gehört auch ein Brief Konrad Adenauers, den er am 17. Dezember 1952 an Oberstgruppenführer (Generaloberst der Waffen-SS) a.D. Paul Hauser richtete. Dieser lautet:

„Sehr geehrter Herr Generaloberst! Einer Anregung nachkommend, teile ich mit, dass die von mir in meiner Rede am 3. Dezember 1952 vor dem Deutschen Bundestag abgegebene Erklärung für Soldaten der früheren deutschen Wehrmacht auch die Angehörigen der Waffen-SS umfasst, soweit sie ausschließlich als Soldaten ehrenvoll für Deutschland gekämpft haben.
Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung bin ich Ihr
gez. Adenauer.“

Für diese Ungeheuerlichkeit hat sich bis heute kein Kanzleramt oder CDU-Vorsitzender/ Vorsitzende entschuldigt. Was die Ausführungen Adenauers im „Rheinischen Merkur“ vom 20.06.1952 angeht: „Was östlich von Elbe und Werra liegt, sind Deutschlands unerlöste Provinzen. Daher heißt die Aufgabe nicht Wiedervereinigung, sondern Befreiung“, war das ein Auftrag an die noch zu schaffende „neue Wehrmacht.“(Westdeutsche Wortschöpfung)

Was im Erlass die Ausführungen zur NVA betrifft, kann ich Frau von der Leyen verstehen, als Vertreterin einer anderen Gesellschaftsordnung kann sie die DDR und ihre NVA nur ablehnen. Wenn sie aber, als Demokratin und Christin, die NVA in gleicher Weise nennen, wie die faschistische Wehrmacht, ist das eine Verharmlosung der Verbrechen der Wehrmacht.

Im Artikel 8 der Verfassung der DDR heißt es im Absatz 2: „Die Deutsche Demokratische Republik wird niemals einen Eroberungskrieg unternehmen oder ihre Streitkräfte gegen die Freiheit eines anderen Volkes einsetzen.“

Im Artikel 23, Absatz 2 heißt es:“ Kein Bürger der DDR darf an kriegerischen Handlungen und Vorbereitung teilnehmen, die der Unterdrückung eines anderen Volkes dienen.“

Daran haben sich die NVA und ihre Angehörigen in allen Jahren der Existenz der NVA gehalten. Selbst die drei Generale der Wehrmacht, die in der NVA in der zweiten Reihe gedient haben, stellten sich dieser Aufgabe und hatten sich schon vor 1945 von Hitler getrennt.

Ja, in der DDR gab es Unrecht. Ja, es gab Handlungen, die selbst dem Wesen des Sozialismus widersprachen, im Grundsatz aber war die Gesetzlichkeit und das gesellschaftliche Leben auf das Wohl des Menschen ausgerichtet. Die Ideale einer sozialistischen Gesellschaft liegen näher bei den christlichen Werten, als die des Kapitalismus mit Alters-und Kinderarmut, Obdachlosigkeit, Suppenküchen und den Toten an der Drogenmauer. Wo die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Das Problem von Frau von der Leyen mit den Traditionen der Bundeswehr ist ein Problem des Staates BRD, als Rechtsnachfolger des 3. Reiches. Das Ordensgesetz erlaubt das Tragen der „Faschistischen Auszeichnungen“ die an vielen Uniformen der Bundeswehr und von Politikern (z.B. Erich Mende) in der Öffentlichkeit getragen wurden. Traditionsverbände, wie die der Ritterkreuzträger, wurden politisch durch Schirmherrschaft gefördert. Noch im November 2013 organisiere die Bundeswehr das Begleitprogramm für ein Treffen der Ritterkreuzträger in Celle. Zeitschriften, wie „Militär & Geschichte,“ „ Clausewitz“, „DMZ“ und „Schwerterträger“ glorifizieren die Wehrmacht bis heute.

Doch viel schlimmer, Frau von der Leyen, ist die Tatsache, dass heute Rüstungskonzerne wie Rheinmetall, an Kriegen in der ganzen Welt verdienen dürfen. (ARD vom 15.01.2018 „Bomben für die Welt“)

Die begangenen Verfehlungen im „Sozialismus“ sind zu verurteilen und haben letztlich auch zum Untergang der DDR geführt. Die geschichtliche Einordnung der NVA, als nicht sinnstiftend, ist eine Entwürdigung und Beleidigung der Millionen Bürger der DDR, die in der NVA gedient haben. Ist Friedensarmee nicht sinnstiftend? Die Bundeswehr sollte sich an Traditionen erinnern wie die des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I., dem Begründer der Preußischen Tugenden. Seine Erfahrungen in der Jugend führten bei Ihm zu der Überzeugung, dass Krieg keine Option der Politik ist. Kriege, so meinte er, kosteten nur viel Geld und ramponierten die vorher mühsam aufgebaute Armee. Die NVA hatte einen klaren Verfassungsauftrag, den Frieden dadurch zu sichern, dass sie besser auf den Krieg vorbereitet war, als der „Gegner“. Damit folgte sie, allerdings unbewusst, dem Soldatenkönig. Sein Standpunkt war: „Wenn wir Frieden wollen, müssen wir stärker sein als unsere Feinde.“

Im November jährt sich zum 100. Mal das Ende des I. Weltkrieges, für die friedliche Zukunft Europas trägt die Bundesregierung eine große Verantwortung. Dazu gehört eine Entmilitarisierung der Außenpolitik und vernünftige Beziehungen zu Russland. Sie sollte in der NATO die Initiative ergreifen und einen Nichtangriffspakt zwischen der NATO und Russland vorschlagen.