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Zur Erinnerung an Karl Liebknecht anlässlich seines 150. Geburtstages

von Generalmajor a.D. Sebald Daum

 

Am 13. August 2021 jährt sich zum 150 mal  der Geburtstag des Juristen und revolutionären Führers der  deutschen Arbeiterklasse  Karl Liebknecht, der am 15. Januar 1919 von der Reichswehr  bestialisch ermordet wurde. 
LiebknechtKarl Paul August Friedrich Liebknecht wurde als 2. von 5 Kindern des Mitbegründers und Führers der Deutschen Sozialdemokratie Wilhelm Liebknecht und seiner Ehefrau Natalie am 13. August 1871  in Leipzig in dem heutigen „Karl Liebknecht-Haus“, der Geschäftsstelle des Stadtverbandes der Partei Die Linke,  geboren. Durch das Elternhaus sozialistisch erzogen, nahm er schon frühzeitig am politischen Leben der Partei teil und trat 1900 in die SPD ein. Im Jahre 1890 nahm er an der Universität in Leipzig und nach dem Umzug der Eltern nach Berlin an der Friedrich-Wilhelm-Universität ein Studium als Jurist auf, dass er 1893 als Referendar abschloss. Von 1893 bis 1894 leistete er ein „Einjährig-Freiwilligen Dienst“ in der Armee ab und konnte dann von 1897 bis 1899 an der Universität in Würzburg seine Doktorarbeit mit dem Prädikat „Magnum cum laude“ abschließen und 1899 in Berlin als Rechtsanwalt eine Gemeinschaftskanzlei mit seinem Bruder Theodor eröffnen. Bekannt ist hier seine Tätigkeit als einer der Verteidiger von 9 Sozialdemokraten im „Königsberger Hochverratsprozess“ 1904, die wegen Unterstützung ihrer russischen Klassenbrüder und Beleidigung des russischen Zaren, angeklagt waren. Neben dieser Tätigkeit war er sehr aktiv in der Partei tätig, wo er gemeinsam mit August Bebel, Franz Mehring, Rosa Luxemburg, Klara Zetkin, Wilhelm Pieck und später auch mit Ernst Thälmann für die Interessen der deutschen und Internationalen Arbeiterklasse eintrat. Von 1902 bis 1913 war er Stadtverordneter in Berlin und wurde 1908 erstmalig, für die SPD überhaupt, mit 7 weiteren Sozialdemokraten in den  preußischen Landtag gewählt, dem er  bis 1916 als Mitglied angehörte. Auf vielen Parteitagen und Konferenzen trat Liebknecht aktiv für eine Friedenspolitik der Sozialdemokratie ein. Auf dem Bremer Parteitag der SPD 1904 stellte Liebknecht den Antrag den Beschluss des Internationalen Sozialistenkongresses von Paris (1900) über den Kampf gegen Militarismus auch in Deutschland zu erfüllen und trat gemeinsam mit Clara Zetkin für den politische Massenstreik als Kampfmittel der Arbeiterklasse ein. Er begrüßte auch die russische Revolution 1905 in Russland „als unsere Sache“(siehe K. Liebknecht: Gesammelte Reden und Schriften, Bd.1 Berlin 1958- „Der Kampf im Ruhrgebiet und die Revolution in Russland“) 1907 war er Mitbegründer und bis 1910 Präsident der Sozialistischen Jugendinternationale. In all diesen Funktionen trat er konsequent vor allem gegen den Militarismus und die Rüstungspolitik in Deutschland und in der Welt auf. Bekannt sind hier seine Schrift „Militarismus und Antimilitarismus“, die 1907 veröffentlicht wurde. In ihr analysierte er gründlich das System der Militarisierung, seine Gefährlichkeit in und außerhalb des Landes und formulierte Aufgaben und neue Wege des antiimperialistischen Kampfes. Wegen dieser Schrift wurde Liebknecht im Oktober 1907 wegen Hochverrats vom Leipziger Reichsgericht zu 18 Monaten Festungshaft verurteilt. All das behinderte ihn nicht, weiter seinen Kampf für die Arbeiterklasse fortzusetzen. Konsequent bekämpfte er auch die „Burgfriedenspolitik“ der rechten Führer der SPD. So entwickelte sich Karl Liebknecht, neben Rosa Luxemburg, Clara Zetkin, Franz Mehring immer mehr zum bedeutendsten Führer der deutschen Linken.
Immer mehr zeichnete sich die Gefahr eines Krieges ab. Im Reichstag enthüllte Karl Liebknecht 1912 und auch 1913 die Rüstungspolitik des deutschen Großkapitals wie die der Rüstungsschmiede Krupp, die Rüstungssteigerung der Wirtschaft, die Wehrvorlage der Regierung und die Volksverhetzung durch die Regierenden. Im Juli 1914 kommt es unter Führung der SPD in ganz Deutschland zu machtvollen Versammlungen gegen den Krieg an denen  allein in Berlin mehr als 30.000 Menschen teilnahmen und an denen Liebknecht sich aktiv beteiligt. Der Krieg stand bevor und obwohl die Linken in der Parteiführung gegen die Bewilligung der Kriegskredite waren, stimmt die Fraktion der SPD am 2. Dezember 1914 im Reichstag diesen zu. Als einziger stimmte hier Karl Liebknecht gegen Liebknechtdiese Kriegskredite. Dieses mutige „Nein“ von Karl Liebknecht kann man sehr wohl als Signal verstanden wissen, nun den Kampf gegen den Krieg noch aktiver zu führen. Im Februar wird Karl Liebknecht zum Militärdienst einberufen, womit ihm jegliche politische Arbeit untersagt ist. Trotzdem nimmt er am 5. März 1915 in der Wohnung von Wilhelm Pieck in Berlin-Steglitz an der Konferenz linker Sozialdemokraten teil, an der neben Wilhelm Pieck, Karl Liebknecht,  Käte und Herman Dunker, Franz Mehring und andere anwesend waren. Rosa Luxemburg konnte zu diesem Treffen nicht erscheinen, da sie am 18. Februar 1915 bereits im Berliner Frauengefängnis inhaftiert war. Auf dieser Konferenz wurde der Beschluss zur Schaffung der Zeitschrift „Die Internationale“ gefasst. Außerdem wurden für verschieden Gebiete in Deutschland Vertrauensleute ernannt, um so die Verbindungen zwischen den einzelnen oppositionellen Gruppen zu schaffen, die besonders auch für die Verteilung der Zeitschrift „Die Internationale“, die gleich nach ihrem ersten Erscheinen  verboten wurde und für das Flugblatt „Der Hauptfeind steht im eigenen Land“ von Karl Liebknecht, verantwortlich waren. In diesem Flugblatt zeigte er auf, wer den Krieg gegen den Willen des Volkes verursacht hat, das hintergangen und belogen wurde. Er zeigte auf, das der deutsche Imperialismus, die deutsche Kriegspartei und die Geheimdiplomatie der Hauptfeind im eigenen Lande sind und er ruft die Völker auf, sich im internationalen Klassenkampf gegen den Krieg zu vereinigen und für einen Frieden zu kämpfen.
Am 01. Januar 1916 fand im Rechtsanwaltsbüro von Karl Liebknecht in Berlin eine Reichskonferenz der Gruppe „Internationale“ statt. Hier wurde u.a. zur besseren Aufklärung und Mobilisierung der Massen gegen den Krieg beschlossen, regelmäßig „Politische Briefe“ herauszugeben, die mit Erscheinen am 27. Januar 1916 mit „Spartacus“ unterzeichnet waren. Damit nannte sich die Gruppe „International“ ab diesem Zeitpunkt „Spartacusgruppe“. Dies war von entscheidender Bedeutung für die weitere Entwicklung der Linken in der SPD bis zur Gründung der KPD. Im Januar schließt die SPD-Reichstagsfraktion Karl Liebknecht aus der Fraktion aus. Am 1. Mai 1916 sind in vielen Städten Deutschlands machtvolle Demonstrationen gegen den Krieg, so auch in Berlin, auf der Karl Liebknecht vor über 10.000 Menschen den Massen zuruft: „Nieder mit dem Krieg, nieder mit der Regierung“ Die ist auch der Grund seiner erneuten Verhaftung und seiner Verurteilung im Juni 1916 zu 2 ½ Jahren Zuchthaus unter Verlust seines Reichstagsmandates, dessen Strafe in der Berufungsinstanz dann sogar auf über 4 Jahre erhöht wird. Selbst in der Haft im Zuchthaus Luckau nimmt er aktiv an der Arbeit des Spartacusbundes teil. An der illegalen Konferenz des Spartacusbundes am 7. Oktober 1918, auf der zur Beendigung des Krieges und zum Sturz des deutschen Imperialismus aufgerufen wird, kann er aber nicht teilnehmen. Unter dem Druck der Massendemonstrationen die Mitte 1918 gegen den Krieg aufflammen, mit Forderungen zur Freilassung von Liebknecht, wird er am 23. Oktober 1918 aus den Gefängnis entlassen und übernimmt sofort mit Rosa Luxemburg die Führung des Spartacusbundes. Liebknecht verurteilte auch die Gründung der USPD und strebte, unter dem Einfluss der Sozialistischen Oktoberrevolution in Russland, den Weg zur Gründung einer kommunistischen Partei an. Die Verteidigung der Sozialistischen Oktoberrevolution und des russischen Volkes war für Liebknecht Herzenssache. 

Mit dem bewaffneten Aufstand der Kieler Matrosen am 3. November 1918, breitete sich in ganz Deutschland die Revolution aus, bildeten sich Arbeiter- und Soldatenräte und kam es zum Generalstreik. Die Monarchie und der Kaiser verschwanden und der Krieg wurde beendet. In dieser Situation rief Karl Liebknecht am 9. November vom Balkon des Berliner Schlosses die „Freie, Sozialistische Republik“ aus. Trotz all dieser positiven Ereignissen, fehlte die Kraft, die Revolution zu vollenden. Dies erkannte auch Liebknecht. Deshalb drang er zur Gründung einer Kommunistischen Partei in Deutschland. Der Weg dahin führte über die Gründung des Spartacusbundes am  11. November im Hotel Exelsior in Berlin-Steglitz und der Herausgabe der Zeitung „Die Rote Fahne“. Zur Führung des Bundes wurde eine Zentrale mit Liebknecht, Rosa Luxemburg, Leo Jogiches, Franz Mehring und weiteren 9  Genossen gewählt. Vom 30. Dezember 1918 bis 1. Januar 1919 kam es dann in Berlin, im preußischen Abgeordnetenhaus zum Gründungsparteitag der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) mit der Wahl seiner Zentrale (später Zentralkomitee) unter Führung von Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Leo Jogiches, Wilhelm Pieck und weiteren 8 Genossen und der Annahme des Parteiprogramms.
Die Reaktion erkannte sehr schnell die Gefahr, die für sie durch die Gründung der KPD  entstand. Sofort begann eine gewaltige Hetze gegen die KPD und besonders gegen ihre Führer mit Mordaufrufen „Schlagt ihre Führer tot“. So wurden Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg am 15. Januar 1919 verhaftet und von Angehörigen der Garde-Kavallerie-Schützen-Division hinterrücks und feige ermordet. Auch Leo Jogiches wurde am 10.März ermordet und Franz Mehring starb im Januar in einem Sanatorium. Somit hatte die gerade gegründete KPD ihre wichtigsten Führer gleich zu Beginn verloren was sich natürlich nachteilig auf die weitere Entwicklung auswirkte. Die Mörder von Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Leo Jogiches wurden nie bestraft. 

In der Geschichte der Deutschen Arbeiterbewegung insbesondere in der DDR, wurden die Leistungen Karl Liebknecht stets hoch gewürdigt und geehrt. So wurde die Karl-Liebknecht-Medaille für hervorragende Leitungen Jugendlicher in der Berufsausbildung gestiftet, wurden Schulen, Einrichten, Straßen und Kollektive mit seinem Namen geehrt. Besondere Ehrung erfuhr Karl Liebknecht in der NVA mit der Verleihung des Ehrennamens Karl Liebknecht  an die Offiziershochschule der Volksmarine (VM) in Stralsund und an das Küstenschutzschiff 50/3 der VM. 

Sein Kampf gegen Militarisierung, gegen Kriegsrüstung, gegen den Krieg, seine Analysen der Ursachen von Kriegen, sind  heute wieder aktueller denn je. Besonders sein Aufruf 1916 an die proletarische Jugendbewegung, sich mit allen Mitteln gegen den Krieg zu wenden, ihn zu bekämpfen, ist wieder von größter Bedeutung, denn die Jugend ist das erste Opfer in einem Krieg als Kanonenfutter. Wieder rüstet man zum Krieg besonders auch in Deutschland. Deutschland gehört wieder zu den vier stärksten Waffenproduzenten in der Welt. Seine Teilnahme an provozierenden Militärmanöver der NATO an den Grenzen Russland ist ein gefährliches Spiel mit dem Feuer des Krieges. Vor allem heißt das auch, sich gegen die Hetze gegen Russland und China, die Verleumdungen und Lügen, das Verdrehen geschichtlicher Wahrheiten zu stellen. Es gilt immer noch Karl Liebknecht Ruf „Trotz alledem“.

 Erarbeitet unter Nutzung folgender Literatur:

  • Meyers Universallexikon, Leipzig 1979, S.725 mit Bild K. & W. Liebknecht
  • Weltgeschichte in Daten, VEB Verlag der Wissenschaften Berlin 1964 S. 580 – 586 & 799 – 801
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