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Der faschistische Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941
Gedenken und Gedanken zum 80. Jahrestag des Überfalls.

Von Generalmajor a.D. Sebald Daum

Gedenken und Gedanken zum 80. Jahrestag des Überfalls 22. Juni - Tag des Gedenkens und der Trauer

In den Morgenstunden des 22. Juni 1941, einem Sonntag um 03:15/3:30 Uhr, begann die  deutsche Wehrmacht wortbrüchig und ohne Kriegserklärung den Überfall auf die Sowjetunion, während russische Getreidetransporte noch Richtung Deutschland fuhren.  Mit drei Heeresgruppen, im Bestand 181 Divisionen und 18 Brigaden mit 5,5 Millionen Mann, ca. 3.700 Panzer, über 47.200 Geschütze und Granatwerfer, 4.950 Flugzeugen und über 190 Kriegsschiffen sollten die sowjetischen Streitkräfte im europäischen Teil der Sowjetunion zerschlagen und die Sowjetunion in einem Blitzkrieg vernichtet werden. So war das Ziel des Krieges gegen die Sowjetunion in der Weisung Hitlers Nr. 21 vom 18. Dezember 1940 (Fall Barbarossa) dargelegt. An diesem lang vorbereiteten Krieg beteiligten sich auch die Verbündeten Hitlerdeutschlands, finnische, rumänische und ungarische Streitkräfte.
Auch wenn die Führung der Sowjetunion mit einem Krieg Hitlerdeutschlands gegen die UdSSR rechnete, hoffte sie Zeit zu gewinnen um ihn zu verhindern, oder hinaus zu zögern. Das Land war 1940/1941 auf diesen Fall sowohl militärisch als auch kriegswirtschaftlich noch nicht umfassend vorbereitet. Das hatte viele Ursachen wenn man bedenkt, dass der Krieg gegen Polen, die verheerenden Jahre des Bürgerkrieges, das Landes insgesamt zerrüttet hatten. Auch der ständige Kampf gegen die inneren Feinde, gegen Sabotage, Spionage und Misswirtschaft erforderte viele Anstrengungen, die auch nicht immer richtig gelöst wurden. Die Prozesse mit ihren Folgen gegen höchste Kommandeure der Sowjetarmee wirkten sich sehr nachteilig auf die Führungstätigkeit der Roten Armee vor allem zu Beginn des Krieges aus. Auch die internationale Unterstützung und Hilfe für die Spanischen Republik gegen Franco und für die chinesischen kommunistischen Truppen gegen Japan 1937, erforderte von der Sowjetunion hohen militärischen  materiellen Einsatz.
Die UdSSR geriet in große Zeitnot um alle Aufgaben zur Vorbereitung des Landes zur Abwehr eines Krieges zu erfüllen. Obwohl Mitte der 30. Jahre sich positive Veränderungen in der Wirtschaft, vor allem der Rüstungsindustrie und in der Armee zeigten, war die Rote Armee zu Beginn des Krieges zu wenig mit moderner Kampftechnik und  Bewaffnung ausgerüstet. Die außenpolitischen Aktivitäten mit dem Abschluss von Nichtangriffs- und Freundschaftsverträgen mit Finnland, Polen, Lettland, Estland, Frankreich, Italien und Tschechin zeugten nicht nur von den Willen in Frieden mit den Nachbarn zu leben, sondern auch einen Krieg zu verhindern. Auch der Abschluss des Nichtangriffspaktes mit Deutschland diente diesem Ziel, der dann letztlich nur bewies, dass Verträge mit Hitlerdeutschland nichts wert waren.
Nicht zu vergessen ist auch die Tatsache, dass die Westmächte bei ihren alten Zielen gegen die Sowjetunion geblieben waren. Zu verlockend erschien der Gedanke, mit Hilfe der Nazis die Sowjetunion zu vernichten. Dies zeigte sich in den Zugeständnissen an Hitler im Falle der Tschechoslowakei und auch Polens, aber auch dann während des Krieges mit dem Hinauszögern zur Eröffnung der zweiten Front. Es waren nicht nur Hitler, die NSDAP, die SS, oder die am besten vorbereitete und ausgerüstete Wehrmacht, die zu diesem Krieg drängten. Hinter ihnen standen das deutsche, aber auch das amerikanische und englische Kapital, die Sponsorendienste für Hitler leisteten, die Banken und Großgrundbesitzer, die bei einem Krieg zur Vernichtung der Sowjetunion sich reichlich Gewinne versprachen. Dieser barbarisch geplante Krieg Hitlerdeutschlands hatte deshalb auch das Ziel, die als minderwertig eingestuften sowjetischen Menschen über 30 % zu vernichten, den Rest als Arbeitssklaven auszunutzen, den Großraum des europäischen Russlands zu „germanisieren“ und sich die Bodenschätze und den Agrarreichtum anzueignen. So war es im „Generalplan Ost“ der Hitlerregierung vorgesehen.
Die politische und militärische Vorbereitung des Krieges durch Deutschland ging einher mit einer unglaublichen Hetze gegen die Sowjetunion. An ihren Grenzen wurde provoziert, Falschmeldungen und Lügen verbreitet und immer  waren die Russen schuld. Russland wurde als der „Koloss auf tönernen Füßen“ dargestellt, der gleich mit den ersten Schlägen der Wehrmacht zusammenbricht. Das deutsche Volk und seine Verbündeten sollten so auf den Krieg vorbereitet, aber über die wahren Ziel im Unklaren gehalten werden.
Auch wenn die Sowjetregierung die Absichten Hitlers und seiner Vasallen erkannte, mit einem Krieg rechnete, kam der Überfall für die Masse der Menschen trotzdem überraschend. Aber die Kriegstreiber, sie hatten sich alle verrechnet. Das sowjetische Volk begann vom 1. Tag an sein Vaterland zu verteidigen, auch wenn die Wehrmacht anfänglich erfolgreich vorstieß. Es begann der Große Vaterländische Krieg. Die Sowjetunion und ihre vielen Völkerschaften, allen voran das russische Volk und seine Rote Armee, wurden zur entscheidenden Kraft bei der Zerschlagung des faschistischen Deutschlands und der Befreiung des deutschen Volkes von dieser Tyrannei. Moskau, Stalingrad und Kursk zerbrachen die „Blitzkriegspläne". Die Sowjetunion war bis Anfang Juni 1944 im Niederringen der Wehrmacht auf sich allein gestellt. Drei Jahre, 11 Monate, 16 Tage dauerte dieser schlimmste aller bisherigen Kriege. Am 30. April 1945 wehte auf dem Reichstag die Siegesfahne. Aber der Preis dafür war hoch: 27 Millionen Tote des sowjetischen Volkes, über 1.700 Städte,  70.000 Dörfer 31.800 Industriebetriebe wurden zerstört. Die Sowjetunion verlor 30 % ihres Volksvermögens und Millionen Menschen litten unter deutscher Besatzung und deren Kriegsverbrechen. Am Ende lag auch Deutschland in Trümmern, hatte auch über 6.5 Millionen Menschen sinnlos verloren. Deshalb ist heute für alle Menschen in Russland und auch noch in vielen ehemaligen Sowjetrepubliken, wo fast jede Familie Opfer zu beklagen hatte, der 22. Juni 1941 ein Tag der tief im Gedächtnis des Volkes verwurzelt ist und der nie vergessen werden wird. Deshalb wurde er zu einem Tag der Erinnerung an das was geschehen und sich nie wieder wiederholen darf und zu einem Tag der Trauer an die vielen Opfer, die nie vergessen werden.
Anlässlich des 80. Jahrestages des Beginns dieses Völkermordens gegen die Sowjetunion, entfacht vom deutschen Faschismus und dem Kapital,  an all das auch bei uns in Deutschland zu erinnern, verlangt ganz besonders die heutige Zeit in Deutschland und in der Welt. Schon wieder steht nun Russland als Feind Nr. 1 im Mittelpunkt gnadenloser Hetze, Verleumdungen und Lügen. Stehen deutsche Truppen und die NATO an die Grenzen Russlands, werden Manöver an ihren Landesgrenzen mit feindlicher Zielstellung durchgeführt. Was aber besonders zu verurteilen ist, sind die groben Verfälschungen der historischen Wahrheit über die Ursachen dieses Krieges, seines Verlaufs und seiner Ergebnisse. Damit soll die Schuld Deutschlands vertuscht,  ihre Unterstützer und die Wehrmacht reingewaschen, die Rolle der USA und ihrer Verbündeten erhöht und die der Sowjetunion und ihrer Roten Armee klein gehalten werden. Die Beschlüsse von Teheran, Jalta, Potsdam und die Nürnberger Prozesse sollen vergessen werden. Dann braucht man auch folglich weder im Parlament oder sonst wo, an diesem Tag sich der Schande und der Verbrechen Nazideutschlands zu erinnern. Was die deutsche Regierung und eine Reihe deutscher Politiker zur Zeit dazu betreiben, ist beschämend und unwürdig. So macht man keine Friedenspolitik, so bereitet man Kriege vor.
Gedenken und Gedanken zum 80. Jahrestag des ÜberfallsDoch dass ist nicht die Meinung des überwiegenden Teils der Bevölkerung Deutschlands. Das Volk will keinen Krieg, will in Frieden auch mit Russland leben. Davon zeugen viel Maßnahmen der Friedensbewegung,  unzähliger friedliebender Menschen und auch die Aktivitäten ehemaliger Angehörigen der bewaffneten Organe der DDR, den Soldaten des Friedens. Unterstützen wir alles was dem Frieden dient, beteiligen wir uns an der Aufklärung über heutige Kriege, denn wenn er ausbricht, ist es zu spät. Nehmen wir teil an den Maßnahmen die anlässlich dieses Tages durchgeführt werden, wie am 19. Juni 2021 im Treptower Park in Berlin und anderswo.
Deshalb heißt es für uns alle noch stärker unsere Stimme zu erheben für eine friedliche Politik, für ein friedliches Miteinander, wie wir es in unserem Aufruf „Soldaten für den Frieden“ dargestellt haben. Wir brauchen keine Kriegsrhetorik, sondern Friedenspolemik. Wir brauchen nicht mehr Mittel für militärische Zwecke, sondern mehr Mittel für humanitäre und soziale Erfordernisse. Wir brauchen ein friedliches Deutschland in einem friedlichen Europa, denn ohne  ein freundschaftliches,  friedliche Miteinander mit Russland  gibt es keine Sicherheit und keinen Frieden in Europa und damit auch nicht für Deutschland.

 

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