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Gedanken zum 65. Jahrestag
der Gründung der Nationalen Volksarmee

von Generaloberst Fritz Streletz

Am 18. Januar 1956 beschloss die Volkskammer der DDR das Gesetz über die Schaffung der Nationalen Volksarmee und des Ministeriums für Nationale Verteidigung.
Willi Stoph, Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates der DDR, hatte im Auftrage der SED-Fraktion das Gesetz begründet und den Vorschlag unterbreitet, zu einer neuen Qualität des bewaffneten Schutzes der DDR überzugehen. Eindringlich legte er die Pflicht der DDR dar, der Gefahr zu begegnen, die durch die  Einbeziehung der BRD in die NATO und die Aufstellung der Bundeswehr  entstanden war. Er betonte, dass es an der Zeit ist, dem elementaren  Recht  jedes unabhängigen Staates entsprechend, eine Nationale Volksarmee mit Land-, Luft- und Seestreitkräften aufzustellen, die für die Verteidigung der Deutschen Demokratischen Republik notwendig ist.
Diesem Schritt der DDR war eine Beratung von Regierungsdelegationen der UdSSR, Polens, der Tschechoslowakei, Bulgariens, der DDR Ungarns, Rumäniens und Albaniens  vom 11. bis 14. Mai 1955 in Warschau voraus gegangen,
Sie beschlossen den Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand abzuschließen, der am 14. Mai 1955 in der polnischen Hauptstadt unterzeichnet wurde und als Warschauer Vertrag der sozialistischen Staaten Europas in die Geschichte einging.
Willi Stoph betonte, mit der Aufstellung der Nationalen Volksarmee werde die DDR ihren Beitrag leisten, gemeinsam mit den im Warschauer Vertrag vereinten sozialistischen Staaten die Sicherheit der Länder und die Erhaltung des Friedens zu gewährleisten.
Nachdem die Volkskammer das Gesetz über die Schaffung der Nationalen Volksarmee beschlossen hatte, stellte die DDR  den Antrag, die Nationale Volksarmee nach Abschluss ihrer Aufstellung in den Bestand der Vereinten Streitkräfte des Warschauer Vertrages einzugliedern.
Im August 1957 mussten die Landstreitkräfte der NVA in einer gemeinsamen Kommandostabs- und Truppenübung mit der GSSD den Nachweis erbringen, dass sie in der Lage sind, im Bestand der Vereinten Streitkräfte Aufgaben im modernen Gefecht zu lösen. Diese Prüfung bestand die 1. MSD unter den kritischen Augen von Marschall Gretschko mit Bravour.
Ebenso  hatten die Seestreitkräfte in einer gemeinsamen Übung mit Kräften der Baltischen Rotbannerflotte die Fähigkeit nachzuweisen, Überwasserkräfte  des wahrscheinlichen Gegners in der Ostsee anzugreifen.

Wie können wir die Nationale Volksarmee charakterisieren?

  • die NVA war eine Volksarmee, mit Soldaten, Offizieren und Generalen aus dem Volke, die für den Schutz des  Volkes geschaffen wurde;
  • in der NVA galt das Primat der Politik. Wie in allen Bereichen der DDR, galt auch für die Nationale Volksarmee die führende Rolle der Partei der Arbeiterklasse, die durch die Einzelleitung der Kommandeure verwirklicht wurde; 
  • die NVA war von Anfang an als Koalitionsarmee geplant und kompatibel zur Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland aufgebaut worden. Struktur, Stärke, Bewaffnung und Ausrüstung, Dislozierung und Sicherstellung entsprachen den im Verteidigungszustand als Bestandteil der Westfront zu erfüllenden Aufgaben.
    Deshalb waren auch die 11 Divisionen der Landstreitkräfte der NVA, (davon fünf Mob.-Divisionen) den 25 Divisionen der GSSD hinsichtlich Struktur, Bewaffnung und Ausrüstung, Ausbildung und Gefechtsbereitschaft, gleichgestellt.
  • die NVA erfüllte stets gewissenhaft den in der Verfassung der DDR im Artikel 7 verankerten Auftrag:
    „Die Nationale Volksarmee und die anderen Organe der Landesverteidigung schützen die sozialistischen Errungenschaften des Volkes gegen alle Angriffe von außen.“ Zum Einsatz der NVA bestimmte der Artikel 8(2) der Verfassung:
    „Die Deutsche Demokratische Republik wird niemals einen Eroberungskrieg unternehmen oder ihre Streitkräfte gegen die Freiheit eines anderen Volkes einsetzen“.

Entsprechend diesen Festlegungen, hat die NVA zu keiner Zeit an militärischen Interventionen oder Kriegen teilgenommen.

Über 20 Jahre führte Armeegeneral Heinz Hoffmann als Minister für Nationale Verteidigung die Landesverteidigung der DDR. Im Komitee der Verteidigungsminister der Staaten des Warschauer Vertrages war Heinz Hoffmann dienstältester Minister, er genoss ein hohes Ansehen und das auch in vielen Ländern,  über die Staaten des  Warschauer Vertrages hinaus.
Anlässlich von Feiertagen und Gedenktagen wurde der Nationalen Volksarmee in vielen Berichten und Veröffentlichungen, insbesondere von sowjetischen Militärs, immer wieder bescheinigt, dass sie neben der Sowjetarmee die bestausgerüstete und am gründlichsten ausgebildetste Armee im Warschauer Vertrag gewesen sei. Diese Anerkennung für die NVA kam nicht von ungefähr. Sie hatte sich im Laufe der Jahre zu einer modern ausgerüsteten, gut ausgebildeten und schlagkräftigen Armee entwickelt. Das ständige Ringen um eine hohe Gefechtsbereitschaft bestimmte den militärischen Alltag ihrer Stäbe und Truppen. Was es bedeutete, mit einer Anwesenheit von 85 Prozent des Personalbestands die ständige Gefechtsbereitschaft zu sichern, kann nur ermessen, wer es selbst erlebt hat.
Wir haben diesen  hohen Einsatz gewährleistet, weil wir uns immer als Angehörige einer Armee sahen, die dem Willen des Volkes verpflichtet war. Schließlich war die Verfassung, die unseren Auftrag festschrieb, 1968 in einer Volksabstimmung von mehr als 80% der Bevölkerung angenommen worden. Von der Aufbaugeneration unserer Streitkräfte über die Freiwilligen der Jahre 1956 bis 1962 und den folgenden Generationen der Wehrpflichtigen haben die NVA-Angehörigen in ihrer großen Mehrheit den Sinn ihres Soldatseins darin gesehen, die DDR und den Sozialismus zuverlässig zu schützen und damit zur Erhaltung des Friedens beizutragen.

Militärische Ausbildung und Studium

Die ehrliche Absicht allein reichte dafür nicht aus. Dazu bedurfte es auch der Fähigkeit, einen Angreifer schlagen zu können. Durch gefechtsnahe Ausbildung und meisterhafte Beherrschung der ihnen anvertrauten Kampftechnik sicherten die Soldaten der NVA eine ständig hohe Gefechtsbereitschaft. Einen letzten Beweis dafür, dass sich Soldaten aller Dienstgrade als Angehörige einer wirklichen Volksarmee verstanden, erbrachten sie, als sie sich, getreu ihrem Vorsatz dem Frieden zu dienen, während der Ereignisse 1989/90 loyal verhielten. Diszipliniert und besonnen sorgten sie dafür, dass diese kritische Situation unserer Geschichte gewaltlos verlief und nicht eskalierte. Die Gewährleistung der Gewaltlosigkeit war das Verdienst der Nationalen Volksarmee und der anderen bewaffneten Kräfte der DDR.
Auch wenn es  manche  Mängel und Schwächen im militärischen Alltag gab, haben wir doch allen Grund, auf unsere Armee stolz zu sein, die nach den neuesten Erkenntnissen der Militärwissenschaft aufgebaut und strukturiert, bestens ausgerüstet und gut ausgebildet war.
Jeder von uns, der ehrlich und überzeugt seinen Dienst versehen hat, ganz gleich, in welcher Dienststellung, mit welchem Dienstgrad,  hat  dazu beigetragen, dass wir unseren Auftrag in Ehren erfüllen konnten.
Dazu hat uns die Führung unseres Staates zu jeder Zeit die Bewaffnung und Ausrüstung zur Verfügung gestellt, die wir für die Erfüllung dieses Auftrages benötigten.
Die in den Streitkräften verlaufende militär-technische Revolution stellte höchste Anforderungen an die Ausbildung unserer Kommandeure, Stäbe und Truppen. Folgerichtig war die Ausbildung in der NVA immer das Hauptfeld der Tätigkeit in Friedenszeiten. Das galt sowohl für den täglichen Dienst in Truppe und Flotte, als auch im besonderen Maße für die Ausbildung  an unseren Lehreinrichtungen. Hier, ob an der Militärakademie „Friedrich Engels“, an den Offiziershochschulen der Teilstreitkräfte oder an anderen Bildungseinrichtungen, wie der Sektion für Militärisches Transport- und Nachrichtenwesen, an der Hochschule für Verkehrswesen „Friedrich List“, der Militärmedizinischen Sektion an der „Ernst-Moritz-Arndt“ Universität Greifswald, der Militärpolitischen Hochschule in Berlin-Grünau u.a. mehr sowie den Fähnrich- und Unteroffiziersschulen, galt es, gefestigte Soldatenpersönlichkeiten heranzubilden, die den Anforderungen des Lebens und des Dienstes in unserer Armee gewachsen waren.
Von außerordentlicher Bedeutung für die Qualifizierung unseres Offizierskorps war das Studium an sowjetischen Militärakademien und Hochschulen. Insgesamt studierten im Verlaufe der Jahre 13.474  Offiziere, Generale und Admirale der NVA in der Sowjetunion, davon allein 385 an der Akademie des Generalstabes.

Waffenbrüderschaft und gemeinsamer Schutz unserer sozialistischen Staaten

Bei all unseren Überlegungen zur Erfüllung unseres militärischen Auftrages spielte die Festigung der Waffenbrüderschaft mit den sowjetischen Streitkräften und den anderen Armeen der Staaten des Warschauer Vertrages eine wichtige Rolle.
Wobei wir unter Waffenbrüderschaft stets in erster Linie die korrekte Erfüllung der gestellten Aufgaben und übernommenen Verpflichtungen verstanden.
Der Aufbau der bewaffneten Kräfte  der DDR, einschließlich der Nationalen Volksarmee, ist ein Beispiel  enger Waffenbrüderschaft. Vom ersten Tage an standen uns sowjetische Berater und Spezialisten zur Seite.
Für viele war Waffenbrüderschaft bei gemeinsamen Handlungen von Truppen und Stäben der verbündeten Armeen erlebbar. Als nahezu klassische Beispiele dafür möchte ich drei große Manöver auf dem Territorium der DDR anführen, an denen Kontingente aus verbündeten Armeen des Warschauer Vertrages teilnahmen. So z.B. Das Manöver „Oktobersturm 1965“ an dem neben der NVA, die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, die tschechoslowakische und die polnische Armee beteiligt waren.
Die größten Manöver, die je auf unserem Territorium stattfanden, die aber auch jemals in einem Land des Warschauer Vertrages durchgeführt wurden, waren die Manöver „Waffenbrüderschaft“ 1970 und 1980. Daran waren Stäbe und Truppen der Land- und Luftstreitkräfte aller Armeen des Warschauer Vertrags beteiligt. Außerdem nahmen Einheiten der Baltischen Rotbannerflotte, der Polnischen Seekriegsflotte und der Volksmarine teil. Insgesamt waren es 40.000 Mann, die unter der Leitung von Armeegeneral Heinz Hoffmann im Jahre 1980 an „Waffenbrüderschaft“ beteiligt waren.
Nicht nur im Verlaufe der Manöver, auch bei den abschließenden Paraden und Meetings, erlebten die Teilnehmer die Waffenbrüderschaft. Unzählige weitere Beispiele dafür gab es auch in der Zusammenarbeit  zwischen Einheiten und Truppenteilen der NVA und der GSSD. Mit der Woche der Waffenbrüderschaft, die jedes Jahr vom 23. Februar bis zum 1. März stattfand, wurde der Waffenbrüderschaft zwischen NVA und GSSD in besonderer Weise Rechnung getragen.

Einsätze der Nationalen Volksarmee zur Unterstützung der Bevölkerung

Auf die  Nationale Volksarmee war immer Verlass, wenn es um Notsituationen, um die Unterstützung der Volkswirtschaft und um Patenschaften  ging. Die NVA war bei Ernteeinsätzen, Einsätzen in der Industrie, bei Hochwasserlagen an Elbe und Oder, bei gravierenden Wintereinbrüchen wie zum Jahreswechsel 1969/70 und 1978/79 im Norden der DDR und auf Rügen dabei, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Armee war immer zur Stelle, wenn sie gebraucht wurde.
Truppenteile und Einheiten aller teilstreitkräfte entwickelten in vielfacher Weise dauerhafte Beziehungen zu Patenbetrieben in der Industrie und Landwirtschaft, zu Städten und Gemeinden, zu gesellschaftlichen, kulturellen und künstlerischen Einrichtungen, zu Schulen und Schulklassen sowie FDJ- und Pionierorganisationen. Es gab viele gemeinsame Veranstaltungen, die Freundschaft und Verbundenheit  förderten.

Traditionen der Nationalen Volksarmee und Traditionspflege durch unseren Verband zur Pflege der Traditionen der NVA und der Grenztruppen der DDR

Wie war es um die Pflege von Traditionen in der NVA bestellt? Traditionen haben in der Militärgeschichte schon immer eine herausragende Rolle  gespielt, so auch in der NVA. Ihre Orientierungsfunktion unterstützte die Sinngebung und Identitätsstiftung für das Soldatsein im Sozialismus. Ihre aus der Geschichte abgeleiteten Erfahrungen, Normen und Werte begründeten die Legitimität soldatischen Handelns. Neben dem radikalen Bruch mit allen reaktionären Entwicklungen in der deutschen Geschichte, stellten sich die bewaffneten Organe der DDR die Aufgabe, die progressiven, humanistischen und revolutionären Traditionen unseres Volkes  aufzugreifen, zu bewahren und zu vollenden.
Im Mittelpunkt der Erziehung und Bildung standen deshalb die Vermittlung von Internationalismus, Antifaschismus, Antimilitarismus und Volksverbundenheit.
Im Zusammenhang mit den politischen und sozialen Errungenschaften der DDR entstanden vielfältige Identifikationsmöglichkeiten.
Der Charakter einer wirklichen Volksarmee war nicht nur aus der Geschichte geschöpft, er resultierte auch aus dem besonderen Platz, den die Nationale Volksarmee gemeinsam mit der GSSD als westlicher Vorposten des Sozialismus  innehatte.
Die Angehörigen der NVA und der Grenztruppen der DDR  erfuhren in der Öffentlichkeit eine hohe Wertschätzung. Die soziale Herkunft der Führungskader und des Offizierskorps Volksarmee entsprach der Gesellschaftsstruktur der DDR. Der Auftrag der NVA, den Frieden zu sichern, stimmte mit dem Wunsch des Volkes nach Frieden überein. Volksverbundenheit war ein wichtiger Wert in der Traditionskultur der Nationalen Volksarmee.
Mit über 300 Traditionsnamen  erinnerte und ehrte die NVA jene Persönlichkeiten, die sich im Kampf um Gerechtigkeit und Freiheit, im Widerstand gegen Krieg und Faschismus bewährt hatten. Gepflegt wurde die Identifikation mit den fortschrittlichen Kräften in der deutschen und in der Weltgeschichte, vor allem durch die Einrichtung von Traditions-zimmern, Traditionskabinetten und –zirkeln.
Traditionsverbundenheit pflegten das Erich-Weinert-Ensemble, vermittelten Manöver, Paraden und Aufmärsche der NVA, der Große Wachaufzug, der Große Zapfenstreich, Militärkonzerte der NVA und vieles mehr. Die erste Parade der NVA fand am 01. Mai 1956 in Berlin auf dem Marx-Engelsplatz statt. In den folgenden Jahren gehörten die Mai-Paraden zu den Höhepunkten der Feierlichkeiten zum 1. Mai. Insgesamt wurden in Berlin 38 Paraden, davon 27 auf dem Marx-Engelsplatz und 11 auf der Karl-Marx-Alle durchgeführt. Zwei von ihnen waren Land-Luft-Paraden. Zu bestimmten Höhepunkten fanden auch in einigen Bezirksstädten Paraden statt, insbesondere möchte ich an die Flottenparaden in Rostock erinnern.
Die öffentliche Wahrnehmung des Militärischen war in der DDR zum großen Teil von Hochachtung und Sympathie gekennzeichnet.

Worum geht es bei der Traditionspflege in unserem Verband.
Das Operationsfeld der Traditionspflege ist die Geschichte. Das Ziel ist die Förderung und Gestaltung von Geschichtsbewusstsein, vor allem die Bewahrung aller in ihrer Zeit progressiven Vorgänge, Bewegungen und Klassenkämpfe.
Zusammenfassend können wir sagen:

  1. Die bewaffneten Kräfte der DDR standen für Antifaschismus, Antimilitarismus und sozialistischen Internationalismus. Sie standen in der Tradition des Kampfes um Humanität, Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Fortschritt.
  2. Den Interessen des werktätigen Volkes, insbesondere der Arbeiterklasse und der Bauernschaft der DDR verpflichtet, waren die Nationale Volksarmee und die Grenztruppen der DDR Instrumente der System- und Klassenauseinandersetzung.

Das Anliegen unserer Traditionspflege ist immer die Bewahrung einer starke. Tradition,  unserer Parteilichkeit, unserer Bekenntnisse und Weltsicht.
Eine Konfrontation mit der herrschenden Tradition, der Tradition der Bundeswehr,  eine konsequente Abgrenzung und Auseinandersetzung mit ihr ist dabei unausbleiblich. Wir müssen uns in der Traditionspflege so deutlich wie möglich ausdrücken. Nur in unserem Verband finden die Traditionen der NVA und der Grenztruppen der DDR gegenwärtig Bewahrung, Schutz und Würdigung.

Das Ende der Nationalen Volksarmee der Deutschen Demokratischen Republik

Der 3. Oktober 1990 ist ein markanter Tag in der deutschen Geschichte dieses Jahrhunderts. An diesem Tage erfolgte nach offizieller Version der „Beitritt“ der Länder der DDR zur Bundesrepublik Deutschlands. Praktisch erfolgte der Anschluss der DDR an die BRD.

Die ökonomisch und politisch starke Bundesrepublik konnte ihr Konzept der Einheit diktieren, Auflösung und Abwicklung prägten den „Einigungsprozess“. Der durch die DDR-Bürger zu zahlende Preis war hoch.
Auflösung war auch das Stichwort für die NVA. Die Bundeswehr fühlte sich als Sieger im Kalten-Krieg und empfand Genugtuung über das Ende der NVA. Am 2. Oktober 1990 schaffte der DDR-Abrüstungsminister Eppelmann vorauseilend  mit Befehl die mit den Traditionen der NVA in Verbindung stehende Symbole, Truppenfahnen, Ehrennamen u.a. ab. Am 3. Oktober übernahm der Bundesverteidigungsminister den Befehl über die noch bestehenden Truppen der NVA.
Die NVA war und ist keine besiegte Armee. Sie ist auf Grund des Untergangs ihres Staates, der DDR bzw. ihrer Angliederung an die BRD, aufgelöst worden. Tatsächlich erfuhr die NVA durch die zuständigen Organe der BRD eine Behandlung, die auf vielen Gebieten schlimmer war, als bei einer Niederlage im Krieg. Was am 3. Oktober 1990 mit der NVA geschehen ist, war kein Ruhmesblatt für die Bundeswehr, die angeblich nie ein Feindbild hatte.
Kommunisten sind eben keine Kameraden, das haben die sowjetischen Kriegsgefangenen schon im 2. Weltkrieg zu spüren bekommen.
Militärpolitisch wird die Art und Weise der Auflösung der NVA ein Schandfleck in der deutsche Militärgeschichte bleiben. Es entsprach nicht soldatischer, preußischer bzw. deutscher Tradition, wie die NVA abgewickelt wurde. Diskriminierung, Strafrenten, Kriminalisierung, Gefängnis sind nur vier Problemkreise, die auf eine Reihe von Generalen, Admiralen und Offizieren nach der Vereinigung zukamen.
Der in allen Armeen geltende „militärische Ehrenkodex“ wurde aufs das Gröbste missachtet. Im Krieg eine Niederlage einzustecken, ist für jede Armee schmerzlich, gehört aber zu jenen Risiken, auf die sich militärische Befehlshaber und der Generalstab einstellen müssen. Wenn aber eine Armee im Frieden ihre Werte verliert, für die sie jahrzehntelang gestanden hat, dann ist das für sie tragisch.

Abschließend möchte ich Folgendes unterstreichen:
Jeder von uns hat natürlich das Recht, die Vergangenheit und die Gegenwart so einzuschätzen, wie er es für richtig hält. Er sollte jedoch nicht als  Nestbeschmutzer auftreten.
Jeder ehemalige Angehörige der Nationalen Volksarmee und der Grenztruppen der DDR, es sind annähernd 2,5 Millionen, kann auch heute erhobenen Hauptes und mit Stolz auf seinen geleisteten Ehrendienst zurückblicken. Er hat seine Aufgaben nach dem Recht und den Gesetzen des Staates erfüllt, der von 138 Staaten dieser Welt anerkannt war.
Die internationale Autorität der DDR war nicht schlechter als die der BRD. Keiner von uns hat einem „Unrechtsstaat“ gedient. Ich bin fest davon überzeugt: Trotz der vielen Verleumdungen, der Diskriminierung und Kriminalisierung, wird die Geschichte ein gerechtes Urteil über den Beitrag der bewaffneten Kräfte der DDR zur Erhaltung des Friedens in Europa fällen.

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