Harro Schulze-Boysen

Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
geboren 02. September 1908 in Kiel
hingerichtet am 22. Dezember 1942

 

Harro Schulze-Boysen

Harro Schulze-BoysenHarro Schulze-Boysen wurde am 2. September 1909 in Kiel geboren. Er war Referent im Reichsluftfahrtministerium und Wider­stands­kämp­fer gegen den Nationalsozialismus. 1941 wurde er zum Oberleutnant der Reserve befördert.

Seine Jugend verbrachte er in Berlin und Duisburg, wo er 1928 das Abitur machte. Ab dieser Zeit verwendete er statt seines eigentlichen Namens Schulze den Doppelnamen Schulze-Boysen, indem er den Geburtsnamen seiner Mutter an­hängte.

1928 begann er in Freiburg ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften, das er 1929 in Berlin fortsetzte. Politisch engagierte er sich beim Jungdeutschen Orden.

1932 brach er sein Studium ab und wurde Herausgeber und Redakteur der Monatszeitung Der Gegner, die insgeheim von der sowjetischen Botschaft finanziert und 1933 von den Nationalsozialisten verboten wurde. Schulze-Boysen wurde in diesem Zusammenhang von der SA verhaftet, inhaftiert und misshandelt.

Nach seiner Freilassung absolvierte er ab Mai 1933 eine Ausbildung als Seebeobachter an der Deutschen Verkehrsfliegerschule in Warnemünde, einer verdeckt arbeitenden paramilitärischen Aus­bil­dungsbasis für die spätere Luftwaffe.

Ab April 1934 war Schulze-Boysen Hilfsreferent in der Abteilung Fremde Luftmächte des Reichs­luftfahrtministeriums in Berlin, wo er ausländische Fachliteratur auswertete. Im März 1936 wurde er zum Gefreiten der Reserve befördert.

Sein fehlender akademischer Abschluss schränkte seine Karrieremöglichkeiten ein. Immerhin wurde er Ende 1936 nach einer Reserveübung zum Unteroffizier der Reserve befördert und nach einer weiteren Übung im April 1937 Offiziersanwärter.

1936 heiratete er Libertas Haas-Heye (* 20. November 1913 in Paris), Pressereferentin der Film­gesellschaft Metro-Goldwyn-Mayer (MGM). In diesem Zusammenhang ließ er seinen Dop­pelnamen offiziell eintragen.

1935 kam Schulze-Boysen in Verbindung mit Arvid Harnack, einem Regierungsrat im Reichs­wirtschaftsministerium, der Geheimmitglied der KPD und bereits seit 1932 oder 1935 vom sowjetischen Auslandsnachrichtendienst rekrutiert worden war. In dieser Zeit sammelte sich um Schulze-Boysen eine oppositioneller Freundeskreis.

Nachdem seine Frau Libertas den Reichsminister der Luftfahrt Hermann Göring als Fürsprecher ge­won­nen hatte, wurde Schulze-Boysen 1939 zum Leutnant und 1941 zum Oberleutnant der Reserve befördert.

1940 absolvierte er ein Fernstudium an der Auslandswissenschaftlichen Fakultät der Berliner Universität mit dem Ziel der Promotion, das er aber im Januar 1941 wegen seiner Verwendung im Luftwaffenführungsstabs in Potsdam-Wildpark abbrechen musste.

Ab Frühjahr 1941 gab Schulze-Boysen militärische Informationen an den sowjetischen Auslandsnachrichtendienst weiter. Inzwischen arbeitete er in Wildpark-West bei Potsdam, wo sich das Hauptquartier der Luftwaffe und der Sitz des Oberbefehlshabers der Luftwaffe befanden. In der Attachégruppe des Luftwaffenführungsstabs bearbeitete er die Berichte der an den Botschaften tätigen Luftwaffenattachés und bekam Zugang zu geheimen Dokumenten. Ab Dezember 1941 arbeitete er wieder im Reichsluftfahrtministerium.

Gleichzeitig baute er einen Widerstandskreis auf, der nach dem Krieg Schulze-Boysen/Harnack-Grup­pe genannt wurde, zu dem schließlich über hundertfünfzig Hitlergegner gehörten. Sie verteilten Flugblätter, brachten Parolen an Gebäuden an, veranstalteten Schulungen zu Fragen des Kommunismus und unterstützten Verfolgte.

Die Berliner Rote Kapelle bestand überwiegend aus Mitgliedern der Schulze-Boysen/Harnack-Grup­pe.

Im Juli 1942 wurde ein im August 1941 von Moskau nach Brüssel gesendeter Funkspruch durch die Gestapo dechiffriert, in dem Schulze-Boysens Name und Adresse standen. Am 31. August 1942 wurde er wegen Hochverrat und Landesverrat verhaftet.

Am 19. Dezember wurde Schulze-Boysen vom Reichskriegsgericht wegen Vorbereitung zum Hoch­verrat, Kriegsverrats, Zersetzung der Wehrkraft und Spionage zum Tode verurteilt und am 22. Dezember 1942 in Berlin-Plötzensee erhängt. Seine Frau Libertas wurde am selben Tag enthauptet.

Die UdSSR verlieh 1969 Harro Schulze-Boysen postum den militärischen Rotbannerorden, weil er "zur Verstärkung des Widerstandskampfes gegen Hitlerdeutschlands" bereit gewesen war, "die Sowjetunion als Kundschafter zu unterstützen".

In der DDR galten die Berliner Widerstandskämpfer um Schulze-Boysen ab Ende der 1960-er Jahre als antifaschistische "Kundschafter des Volkes" und Helden und wurden entsprechend geehrt, während sie in der BRD als von der Sowjetunion angeheuerte Landesverräter und als kommunistische Spione verachtet wurden.

Inzwischen weiß man, dass es sich um ein politisch links orientiertes, aber keineswegs von der KPD gesteuertes, heterogenes Netzwerk von Hitlergegnern handelte, die auf vielfältige Weise Widerstand betrieben.

Ein Beitrag von Steffen Waidner.

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