Beitragssuche

Besucher

Gesamt:
9409897

Ehrenname RG Rostock
Admiral Theodor Hoffmann

Stellvertreter des Ministers und Chef der Volksmarine 1987 bis 1989
Minister für Nationale Verteidigung der DDR 17.11.1989 bis 18.04.1990
Chef der Nationalen Volksarmee der DDR 18.04.1990 bis 15.09.1990

verliehen am 07. Oktober 2021

 

Theodor Hoffmann wurde am 27. Februar 1935 als Sohn des Pferdeknechts Heinrich Hoffmann und seiner Ehefrau geboren. Nach Abschluss der Volksschule erlernte er einen Beruf in der Landwirtschaft, studierte unmittelbar danach an der Lan­des­pio­nierleiter-Schule und war bis 1952 als Freundschaftspionierleiter tätig.
Im Frühjahr 1952 folgte Theodor Hoffmann dem Ruf zum Schutz der Deutschen Demokratischen Republik und meldete sich zur Ka­ser­nierten Volkspolizei.
Am 12. Mai 1952 trat er seinen Dienst in Stern-Buchholz an, erhielt dort die Grundausbildung und wurde nach Kühlungsborn zur Seepolizei versetzt.
Von 1953 bis 1955 besuchte er die Seeoffizierslehranstalt Stralsund, wurde 1955 zum Unterleutnant zur See ernannt, diente an­schlie­ßend in der Schulbootsflottille und sammelte erste Er­fah­run­gen als Kommandant.
Von 1956 bis 1959 war er Kommandant und Gruppenchef in der Torpedoschnellbootsbrigade und wurde danach zum Besuch der Seekriegsakademie nach Leningrad delegiert. 1963 schloss er das Studium mit Auszeichnung ab. Nach dem Besuch der Akademie bekleidete er Führungsfunktionen in der 6. Flottille: von 1963 bis 1964 als Stabschef und von 1964 bis 1968 als Chef der Raketenschnellbootsbrigade, von 1968 bis 1971 als Stabschef und von 1971 bis 1974als Chef der 6. Flottille.
Nach 10 Jahren ununterbrochenen Dienst in der Flotte, wurde er im Jahre 1974 in das Kommando der Volksmarine versetzt und ihm die Dienststellung eines Stellvertreters des Chefs des Stabes für operative Arbeit übertragen. In dieser Dienststellung wurde er zum Konteradmiral ernannt.
Im Jahre 1985 wurde er zum Stellvertreter des Chefs der Volksmarine für Ausbildung berufen und von 1985 bis 1987 als Stellvertreter des Chefs der Volksmarine und Chef des Stabes eingesetzt, davon zunächst von 1985 bis 1986 m.d.F.b. Am 01.03.1987 wurde er zum Vizeadmiral befördert.

Am 30. November 1987 fand im Hafen der 4. Flottille

- das Zeremoniell zur Verabschiedung von Admiral Ehm nach 29 Dienstjahren
  als Chef der Volksmarine und
- die Übergabe des Kommandozeichens des Chefs der Volksmarine an
  Vizeadmiral Hoffmann statt.

Genosse Hoffmann führte die Volksmarine von Anfang an mit sicherer Hand.
Durch seine Führungstätigkeit, sein Herangehen an die Aufgabenerfüllung und die Erfolge, die er in all seinen Dienststellungen erzielte, hinterließ er deutlich seine Handschrift in der Volksmarine.
Erfolgreich gestaltete sich auch die Zusammenarbeit mit seinen Partnern in den verbündeten Ostseeflotten. Die Festigung der Waffenbrüderschaft in all ihren Formen, war für Vizeadmiral Hoffmann, gleich in welcher Dienststellung, stets Herzenssache. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass ihm neben dienstlichen auch viele persönliche Freundschaften mit den Waffenbrüdern verbanden.
Die Ereignisse im Herbst 1989 brachten für Vizeadmiral Hoffmann schwerwiegende Entscheidungen und Veränderungen. Die Dienststellung als Chef der Volksmarine füllte ihn voll aus, er kannte und beherrschte die anstehenden Aufgaben.
Als Armeegeneral Heinz Keßler am 17. November 1989 sein Amt als Minister für Nationale Verteidigung niederlegte, wurde dieses Amt Vizeadmiral Hoffmann angetragen, obwohl er

- erst zwei Jahre Stellvertreter des Ministers und Kollegiumsmitglied war,
- aus der kleinsten Teilstreitkraft kam und
- aus seiner Sicht eine Reihe weiterer Vorbehalte hatte.

Deshalb suchte er Rat und Anregungen bei Minister Heinz Keßler, Genossen Egon Krenz und seinem langjährigen Vorgesetzten Admiral Wilhelm Ehm.
Vizeadmiral Hoffmann stimmte seiner Berufung zum Minister für Nationale Verteidigung zu, auch weil er sich der Unterstützung durch

- seine künftigen Stellvertreter,
- die Chefs und Leiter sowie
- die Mitarbeiter im Ministerium für Nationale Verteidigung

sicher war.

Am 16.11.1989 wurde er zum Admiral befördert und entsprechend Beschluss der Volkskammer der DDR mit Befehl Nr.: 14A/89 des Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates am 17.11.1989 zum Minister für Nationale Verteidigung der DDR berufen.
Nach seiner Ernennung ging Admiral Hoffmann notwendige Veränderungen in der Nationalen Volksarmee an. Bereits am 20. November erläuterte er auf einer Kommandeurstagung die nächsten Aufgaben und Arbeitsschwerpunkte sowie die Konzeption für eine Militärreform der DDR und ihrer Streitkräfte.
Im Ergebnis der Volkskammer-Wahlen vom 18.03.1990 wurde er wiederum vor eine schwere Entscheidung gestellt.
In der neuen Regierung unter Ministerpräsident Lothar de Maizière wurde erstmals in der DDR, nach westlichem Vorbild, ein Zivilist, der ehemalige Bausoldat und Pfarrer Rainer Eppelmann, Minister für Abrüstung und Verteidigung.
Der bisherige Minister für Nationale Verteidigung, Admiral Theodor Hoffmann, soll auf Bitten des Ministerpräsidenten die neu geschaffene Dienststellung „Chef der NVA“ übernehmen – also ins zweite Glied treten.
Genosse Hoffmann stimmte schließlich zu:

- aus Verantwortungsgefühl für die Soldaten der Nationalen Volksarmee,
  die nun vor einer ungewissen Zukunft standen
- aus Verantwortungsgefühl gegenüber dem Warschauer Vertrag,
  dem die DDR ja noch angehörte und auch,
- um eine möglichst störungsfreie Zusammenarbeit mit der Westgruppe
  der Sowjetischen Streitkräfte fortsetzen zu können.

Auch für diese Entscheidung stellte er seine persönlichen Interessen und Befindlichkeiten zurück, um der Nationalen Volksarmee und ihren Soldaten zu dienen.
Es gelang ihm, trotz vieler Angriffe gegen unsere Armee, die Disziplin und Ordnung aufrecht zu erhalten.
Die letzte Amtshandlung, die Admiral Hoffmann wahrzunehmen hatte, war die Begleitung des Oberkommandierenden der Vereinten Streitkräfte zur Unterzeichnung des Protokolls über die Herauslösung der Nationalen Volksarmee aus der Militärorganisation des Warschauer Vertrages am 24. September 1990 durch den Minister Eppelmann und den Oberkommandierenden Armeegeneral Pjotr Georgijewitsch Luschew.
Damit endete faktisch der Dienst von Admiral Hoffmann (des letzten Ministers für Nationale Verteidigung und Chefs der NVA), er wurde nach der Unterzeichnung des Protokolls verabschiedet.
Befehlsgemäß hatte er die Dienstgeschäfte schon an seinen Nachfolger als Chef der NVA am 15.09.1990 übergeben.
Auch nach seiner Entlassung legte er nicht die Hände in den Schoß. Es war nicht seine Art, sich aus der Verantwortung zu stehlen.

Er beteiligte sich am Kampf gegen Benachteiligung, Diskriminierung und Ausgrenzung ehemaliger Soldaten der NVA, der Grenztruppen sowie der anderen bewaffneten Organe der DDR und gegen die Verfälschung unserer Geschichte.

Er verurteilte die Verfolgung von Angehörigen der Nationalen Volksarmee und der Grenztruppen der DDR, darunter die gesamte Führung der Nationalen Volksarmee, durch die Siegerjustiz.

In seinen Büchern

- Kommando Ostsee und
- Das letzte Kommando

beschrieb er die Motive, die ihn in seinem Leben geleitet haben.

Mit großer Aktivität arbeitete er an der Gründung unseres Verbandes zur Pflege der Traditionen der NVA und der Grenztruppen der DDR, den er

- vier Jahre als Vorsitzender führte und in dem er
- weitere zwei Jahre Sprecher des Ältestenrates war.

Sein Hauptanliegen war es,  die Traditionen und den Auftrag der Nationalen Volksarmee zur Sicherung des Friedens, gemeinsam mit den anderen Armeen der Staaten des Warschauer Vertrages zu erläutern und bekannter zu machen.
Entschieden wandte er sich gegen die Lüge von der Armee der Einheit.

Zu all diesen Themen hielt er viele Vorträge in den Regionalgruppen des Verbandes und bei den befreundeten Organisationen.
Besonderen Wert legte er auf die Arbeit mit dem Aufruf Soldaten für den Frieden“.

Mit all dem trug er dazu bei, dass unser Verband heute einen geachteten Platz im Ostdeutschen Kuratorium von Verbänden einnimmt.

Admiral Theodor Hoffmann verstarb im Alter von 83 Jahren am 01.11.2018.

Unsere Webseite verwendet für die optimale Funktion Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.