Die Entwicklung der Streitkräfte
der Russischen Föderation seit 2012

Eine Information über die Sitzung des Kollegiums des Ministeriums für Verteidigung
der Russischen Föderation am 07. November 2017.


Zusammengestellt nach Berichten der Armeezeitung „Krasnaja Swesda“ vom 08. November 2017
und
weiteren Informationen des Pressedienstes des Ministeriums für Verteidigung
von Generalmajor Sebald Daum

 

Armeegeneral Sergei Schoigu

Am 07. November 2017 tagte im Führungszentrum des Verteidigungsministeriums das Kollegium des Ministeriums der Russischen Streitkräfte in einer erweiterten Sitzung unter Leitung des Ministers für Verteidigung, Armeegeneral Sergei Schoigu zu den Ergebnissen der fünfjährigen Tätigkeit des Ministeriums seit dem 07. November 2012 unter seiner Leitung, über die Erfüllung der im Mai 2012 in einem UKAS des Präsidenten gestellten Aufgaben zur Weiterentwicklung der Streitkräfte in ihrer Gesamtheit und zu Schwerpunktaufgaben in den Teilstreitkräften und Waffengattungen der Russischen Streitkräften.

An der Sitzung nahmen die Führungskräfte der Streitkräfte, Vertreter staatlicher und gesellschaftlicher Organisationen teil.
Der Minister, Armeegeneral Schoigu, eröffnete die erweiterte Sitzung mit einer kurzen Einschätzung der bisherigen Ergebnisse und mit der Aussage, dass die Russischen Streitkräfte in diesen 5 Jahren insgesamt eine neue Qualität ihrer Gefechtsbereitschaft erreicht, im Volk großes Ansehen errungen und in der Lage sind die Sicherheit des Landes und die Interessen der Russischen Föderation in allen Regionen der Welt zu verteidigen.

Armeegeneral Waleri Gerasimov

Das Hauptreferat zu den erreichten Ergebnissen in den 5 Jahren hielt der Chef des Generalstabes und 1. Stellvertreter des Ministers, Armeegeneral Waleri Gerasimov, dass in einem 2. Vortrag Zu den allumfassenden Sicherstellungsaufgaben durch den 1. Stellvertreter des Minister Ruslan Zalikov, ergänzt wurde.

Ruslan Zalikov

Dies war faktisch eine Rechenschaftslegung der am 06. bis 09. November 2012 durch den Obersten Befehlshaber Wladimir Putin neu ernannten Führung des Verteidigungsministeriums mit folgenden Aussagen:

In diesen 5 Jahren haben sich die russischen Streitkräfte wesentlich verändert. Ihre Kampfkraft und Verteidigungsbereitschaft wurden um ein vielfaches erhöht. Das ist sowohl an den Ergebnissen in der Ausbildung, bei großen Manöver und vor allem im Einsatz in Syrien zu erkennen.
Der Schwerpunkt der Tätigkeit war auf die ständige Erhöhung der Gefechtsbereitschaft der Strategischen Kernwaffen- und Nichtkernwaffenkräfte, dem System der Luftkosmischen Verteidigung, der Schaffung der notwendigen Gruppierungen in den strategischen Richtungen, der Gewährleistung einer ununterbrochenen Führung aller militärischen Aufgaben, der Verbesserung der Ausrüstung der Armee und Flotte mit modernisierter und neuer Kampftechnik, dem Schaffen eines neuen Systems der Aus- und Weiterbildung und der Verbesserung der Dienst und Lebensbedingungen in den Streitkräften ausgerichtet.
Im Jahre 2014 wurde das neue strategische Kommando, der Militärbezirk „Nord“ aufgestellt.

Zur Erhöhung der Gefechtsmöglichkeiten der Strategischen Kernwaffenkräfte erhielten diese 80 neue Interkontinentale ballistische Raketen, wurden 12 Raketen Regimenter mit dem neuen Raketenkomplex „Jars“ ausgerüstet.

Luftstreitkräfte

Der Modernisierungsgrad in den strategischen Raketentruppen stieg von 42% in den 5 Jahren auf 66 %.
Die Luft gestützten Kernwaffenträger wurden mit modernisierten Flugzeugen, darunter die modernisierten Fernbomber TU-160M und TU-95MS weiter verstärkt.
Die  See-Strategischen Kernwaffenkräfte erhielten zwei neue strategische Atom-U-Boote Kreuzer der Klasse „Borei“ und wurden mit 102 neuen ballistischen Raketen ausgerüstet.
Im Bau befinden sich 5 weitere Strategische U-Boote der Klasse „Borei-A“
Insgesamt sind die strategischen Kernwaffenkräfte zu 74 % mit modernen Kampfmittel ausgerüstet.
Bei den Luftkosmischen Streitkräften, die 2015 neu geschaffen wurden, konnten in dieser Zeit 55 kosmische Flugkörper militärischer Bestimmung in den Weltraum gestartet werden.
Eingeführt wurde der neue Raketenkomplex “Angara“ und ein völlig neuer modernster Komplex befindet sich im Bau.
Die Luftstreitkräfte erhielten jährlich bis zu 200 modernisierte Flugzeuge, darunter die operativ.taktischen Flugzeuge SU 30SM, SU-34, SU-35, MIG-31BM und die Kampfhuschrauber (KHS) Ka-52 und Mi-28N.
Die bisherigen Kommandos der Luftstreitkräfte/ Luftverteidigung (LSK/LV) in den MB wurden zu Armeen mit Divisionsstruktur um strukturiert. IM MB „Nord“ wurde die 45. Armee der LSK/LV neu aufgestellt.
Die Armee-Fliegerkräfte (KHS) wurden in Regimenter strukturiert. Auf der Krim wurde zusätzlich eine Fliegerdivision und eine Luftverteidigungs- Division neu aufgestellt.
Bei den Flugabwehr-Raketen-Truppen wurden 16 Regimenter mit dem neuen Flugabwehrsystem S-400 umgerüstet, 19 Flugabwehr-Abteilungen erhielten das neue Flugabwehr- Raketen- und Kanonensystem „Panzir“. Die Funkelektronischen Truppen erhielten 130 moderne und neue Funkelektronische Aufklärungs- Feuerleit- und Kontrollsysteme, wie die Stationen höchster Wirksamkeit „Woronesch“mit denen nun das gesamte Territorium der Grenzgebiete und wichtige staatliche, ökonomische und militärische Zentren gesichert werden können.
Die Luftkosmischen Streitkräfte sind zu 72,8 % mit modernen Waffensystemen ausgerüstet.

In den Landstreitkräften (LaSK) wurden in dieser Zeit zwei neue Armeen, die 1. Garde Panzer Armee (GPA) im Westlichen Militärbezirk, die 8. Allgemeine Armee im Südlichen Militärbezirk, drei Armeekorps (AK) des Küstenschutzes bei den Flotten (11. AK Kaliningrad, 22.AK Krim, 68.AK Sachalin) und 6 Divisionen, davon eine Panzer Division neu aufgestellt.

>„Armada“ (Panzer T-14)

Die Truppen der LaSK wurden mit über 3.000 modernisierten und neuer Panzer und gepanzerten Kampffahrzeugen ausgerüstet. Gleichzeitig geht die Erprobung und Weiterentwicklung der Typen „Armada“ (Panzer T-14) und deren Modultechnik der SPW “Kurganetz“, „Bumerang“ weiter.
10 Raketenbrigaden der Landstreitkräfte wurden mit dem neuen System „Iskander-M“ neu ausgerüstet.

Die Truppen der Luftabwehr der LaSK wurden in dieser Zeit mit 1.200 modernisierten Flugabwehrsystemen ausgerüstet.
Insgesamt sind damit die LaSK mit 44,7 % neuer und modernisierter Kampftechnik ausgerüstet.
Durch die neuen Waffen wuchs die Feuerkraft in den LaSK um 45 % an und erhöhte sich ihre Manövermöglichkeit um das 1,5 fache.

Seestreitkräfte

Die Seestreitkräfte erhielten in dieser Zeit 60 modernisierte und neue Kampfschiffe, darunter den modernisierten Flugzeugträger „Admiral der Flotte der UdSSR Kusnetzow“, neue dieselgetriebene U-Boote des Projektes 636.3 der Typen „Noworossisk“, 15 neue und modernisierte Raketenschiffe mit den neuen Raketensystemen “Kaliber“.
Neu aufgenommen wurde der verstärkte Bau von Korvetten und Fregatten für die Seestreitkräfte wie die neuen Fregatten „Admiral Makarov“, „Admiral Grigorewitz“, „Admiral Essen“.

Bei den Küstenschutztruppen der Flotten, wurden 13 Raketen-Abteilungen mit den Raketenkomplexen „Bal“ und „Bastion“ neu ausgerüstet.

Die Luftlandetruppen, (LLT) als die „Kräfte der Schnellen Reaktion“ erhielten 497 neue Luftlandepanzer BMD-4 und gepanzerte Artillerie- Gefechtsfahrzeuge. Neu aufgestellt wurden in den Regimenter der LLT 6 Panzerkompanien, die zu Bataillonen erweitert werden. Die Truppen wurden mit neuen Fallschirmsystemen für das Absetzen der Kampftechnik mit ihren Besatzungen ausgerüstet.
Das 45. Luftlande-Regiment und das 38. Nachrichten-Regiment wurden zu Brigaden um strukturiert.

Neu aufgebaut wurden die Truppen der „Pilotlosen Flieger Kräfte“, sprich der Drohnen Fliegerkräfte mit den entsprechenden Strukturen, begonnen im Ministerium und dem Aufbau von 38 Truppeneinheiten, die zur Zeit 1.800 verschieden Flugobjekte für den Einsatz zur Aufklärung in einer Tiefe von 500 km, zum Funkelektronischen Einsatz und zur Nachkontrolle geführter Schläge haben.

Eine Weiterentwicklung erhielt das das System der Führung der Truppen, beginnend mit dem Aufbau des Zentralen Führungssystem der Verteidigung das bis in die Brigaden errichtet wurde, dem alle politischen und ökonomischen Organen der Landesverteidigung angeschlossen sind. Das System der „Automatisierten Truppenführung“ bis zu den Gruppen und Waffensystemen wurde neu aufgebaut.
Das Nachrichtensystem wurde mit neuer moderner Nachrichtentechnik von 58 % wesentlich verbessert.

Die Truppen des Funkelektronischen Kampfes zu Lande, zu Wasser und in der Luft wurden in einem einheitlichen System erfasst und mit 2.000 neuen Komplexen, darunter 19 der neuesten Generation, vor allem bei luftgestützten Trägern, ausgestattet. Ihre Wirksamkeit wurde um das 3.5 fache erhöht.

Hervorgehoben wurde insbesondere die Verpflichtung von Soldaten und Unteroffiziere mit Vertrag. Die Unteroffiziers Planstellen sind bereits zu100 % Auffüllung mit Länger dienenden mit Vertragaufgefüllt.
Bei den Luftlandetruppen sind in den Regimenter und Brigaden bereits je zwei Bataillone vollständig mit Länger Dienenden mit Vertrag und das dritte Bataillon mit Soldaten im Grundwehrdienst aufgefüllt. Es wird angestrebt, dieses System auch in den anderen Teilen der Streitkräfte zu übernehmen.

Insgesamt wurde durch den Chef des Generalstabes die Bedeutung der überraschenden Überprüfungen der Gefechtsbereitschaft der MB und Truppen durch das Ministerium, die Chefs der Teilstreitkräfte, der Waffengattungen und Militärbezirke hervorgehoben, wovon 24 solche maßstäblich große Überprüfungen stattfanden.

Eine besondere Einschätzung erhielt der Einsatz der russischen Luftkosmischen Streitkräfte und anderer Kräfte in der Syrischen Arabischen Republik im Kampf gegen die Kräfte des „Islamischen Staates“, einer gut vorbereiteten, mit modernen Waffen ausgerüsteten feindlichen Streitmacht, mit mehr als 1.500 Panzer und gepanzerten Fahrzeugen,1.200 Artilleriesystemen und ausreichender Munition und militärischen Versorgungsgüter, die bis zum Eingreifen der russischen Kräfte auf Bitte der Syrischen Regierung, bereits mehr als 70 % des Landes okkupiert hatten. Ihre Truppen waren in speziellen Lagern durch westliche und amerikanische Berater ausgebildet worden zum Sturz der Regierung Baschar. Durch den Einsatz der russischen Streitkräfte, besonders der Luftkosmischen Streitkräfte gelang es in den 2 Jahren ihres Einsatzes die syrische Armee so effektiv bei der Zerschlagung der IS Kräfte zu unterstützen, dass sie heute die feindlichen Kräfte fast vollständig zerschlagen haben. Mehr als 1.000 Ortschaften wurden befreit, über 54.000 feindliche Kämpfer vernichtet, darunter bald 2.800 die aus Russland kamen.

SU-34

Im Verlauf der Operation in Syrien konnten so auch moderne Einsatzmittel der Luftstreitkräfte, der Artillerie und der Panzer erprobt und Erfahrungen gesammelt werden. Fast der gesamte Bestand des fliegenden Personals der Luftstreitkräfte erhielt praktische Kriegserfahrung. Besonders bewährt haben sich die Jagdflugzeuge SU-30SM, die Jagdbomber SU-34 und SU-35.

Es konnten neue Erfahrungen im Einsatz von Flügelraketen mit einer Reichweite bis 4.000 km und dem Einsatz der Bomber in einem Radius von 500 km mit sehr hoher Treffergenauigkeit gesammelt werden.
Kriegserfahrung konnten so auch führenden Offizieren und Generälen der russischen Streitkräfte vermittelt werden. Alle Befehlshaber der Militärbezirke, die Befehlshaber aller Armeen mit Offizieren ihrer Stäbe, fast alle Kommandeure von Divisionen und die Hälfte der Regiments- und Brigade- Kommandeuren erhielten so militärische Praxis in der Organisation und Führung von Gefechten unter den besonderen Bedingungen des Kampfes mit kleinen, gut bewaffneten taktischen Gruppen.

Im Bericht des 1. Stellvertreters des Ministers Ruslan Zalikob wurde insbesondere die Verbesserung im Bau von militärischen Objekten, von Kasernen und deren Rekonstruktion und Reparatur sowie im Wohnungsbau dargelegt.

Entwicklung der russischen Streitkräfte

Hervorgehoben wurde der Bau des neuen Raketenstartzentrums „Wostotzni“, der Startanlagen des „Kosmodroms Plesetzk“ , des neuen Führungszentrums in Moskau, des „Militär-historischen Parks der Kultur und Erholung – Patriot“, dem Neubau der Militär-Medizinischen Akademie „Kirow“, dem Bau von 425 Objekten in der Arktis, der Beseitigung der Umweltschäden in den arktischen Gebieten von mehr als 10.000 Tonnen Schrott, dem Umbau und Neubau von Kasernen und ihren Anlagen, sowie dem Bau von Wohnungen und Wohnheimen für mehr als 447.000 Militärangehörige.
Von besonderer Bedeutung war der Bau einer Eisenbahnlinie durch die Eisenbahn Pioniertruppen zur Umgehung der Ukraine auf der Strecke Schurawka- Millerowo
Eine weitere Verbesserung wurde auch in der Aus- und Weiterbildung der militärischen Kader durch die Bildung der Militärischen Wissenschaftlichen Ausbildungs-und Forschungszentren der Teilstreitkräfte mit ihren Filialen, den 10 Militärakademien der Teilstreitkräfte und Waffengattungen und den 8 Offiziershochschulen erreicht. Neu ist hier der Aufbau von sogenannten 12 Wissenschaftlichen-Kompanien mit jungen Militär-Schüler, die bereits mehr als 500 wissenschaftliche Forschungsarbeiten zur Erhöhung der Verteidigungskraft der Streitkräfte erbrachten.
Verbessert wurde der Ausbau der Kadetten Korps und Schulen (8), der 11 Suworow Schulen und der Nachimow Schule mit 3 Filialen. Neu aufgebaut wurde ein System der Präsidenten Kadetten Schulen die alle Föderalen Gebiete erfassen.
Dazu kommt die Ausbildung von militärischen Bewerber an 16 militärischen Fakultäten und 25 Lehrstühlen an den zivilen Universitäten, Hochschulen und Instituten.

In den Schlussbemerkungen des Ministers wurde eine positive Bilanz der Arbeit zur Stärkung der Verteidigungsbereitschaft der Streitkräfte gezogen. Die Streitkräfte haben entsprechend einem UKAS des Präsidenten ab 01. Juni 2017 eine Stärke von 1.903 051 Angehörige, davon 989.423 Zivilangestellte. Die Aufgabe besteht nun im weiteren in der Erfüllung der gestellten Aufgabe zur Sicherung der Verteidigungskraft bis zum Jahre 2020, zur Erhöhung der Kampffähigkeit insbesondere in den Strategischen Richtungen. Die wichtigste Aufgabe ist dabei die Sicherung des militärischen Potenzials der Strategischen Atomstreitkräfte und die Verbesserung und Vervollkommnung des System der allumfassenden Sicherstellung und Truppenführung. Es gilt alle Kräfte auf die Verhinderung einer möglichen militärischen Gefahr für Russland einzusetzen und die Nationalen Interessen des Landes zu schützen. Dazu ist es notwendig weiter den Truppen im Rahmen des vorgesehene Budget moderne Kampf- und Ausbildungsmittel zu übergeben und diese mit modernen Methoden der Ausbildung, unter Beachtung der Erfahrungen des Einsatzes in Syrien, noch besser aus zu nutzen. Dazu sind auch entsprechende Kontrollen und Überprüfungen noch konsequenter durchzuführen.