Liebe Genossen,
wir veröffentlichen einen Artikel von Herrn Martin Kunze über ein  Interview des Stellvertreters des Kommandeurs des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften  (vormals MGFA) der Bundeswehr, Herrn Michael Epkenhans, im Nordkurier zum Thema „Präventivkrieg“ der Wehrmacht gegen die Sowjetunion. Dieses Interview aus unverdächtiger Quelle widerlegt auch das Machwerk des Herrn Schwipper.

Bestätigung unserer Geschichtsschreibung

von Martin Kunze

Unter dem Titel „Stalin wurde von Hitler überrascht“ veröffentlichte die Regionalzeitung „Nordkurier“ am 14.11.2016 ein sehr interessantes Interview mit dem geschäftsführenden Beamten und Stellver-treter des Kommandeurs des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam, Michael Epkenhans. Hauptinhalt: Die in den vergangenen Jahrzehnten auch von Histori-kern vertretene und in zahlreichen Publikationen kolportierte These vom einem am 22.6.1941 begon-nenen „Präventivkrieg“ der deutschen Wehrmacht gegen die angeblich zum Überfall auf Deutschland bereitstehende Sowjetarmee. Der leitende Historiker des vormaligen MGFA betont darin, dass die sow-jetische Regierung keine Angriffspläne hatte und vom deutschen Angriff völlig überrascht wurde. Die Verantwortung dafür sieht er bei Stalin, der den Berichten seiner eigenen Geheimdienste bis zuletzt keinen Glauben schenkte. Die Präventivkriegstheorie, so Herr Epkenhans, komme aus der NS-Propa-ganda. Sie wurde trotz gegensätzlicher Forschungsergebnisse auch nach 1945 von Publizisten und Historikern weiter verbreitet, darunter in den 80er Jahren auch von einigen Historikern des MGFA. Epkenhans verweist auf die deutliche Verbesserung des historischen Wissens nach Öffnung sowje-tischer Archive. So habe Stalin nach bis dahin nicht bekannten Stellungnahmen hoher Generale einen „Präventivkrieg“ strikt abgelehnt. Epkenhans ergänzt dazu: „Die von ihm vorgenommene „Säuberung“ der Roten Armee und die damit zusammenhängenden Schwächen, die im „Winterkrieg“ gegen Finnland deutlich geworden waren, sowie die unzureichende Rüstung ließen ihm bei nüchterner Betrachtung gar keine Wahl. Die seit 1985 bekannt gewordenen Zahlen belegen dies“.  Der Zugang zu deutschen Beu-teakten bestätigte den Historikern, so weiter im Interview, „dass die deutsche Führung diesen Krieg gewollt und als Vernichtungskrieg geplant hat“. Und noch diese Antwort im Interview: „Die These von der Präventivkriegstheorie dient bis heute dazu, vom verbrecherischen Charakter dieses Krieges abzu-lenken, den historischen Schuldvorwurf zu relativieren sowie die beteiligten Akteure in ein besseres Licht zu stellen“. Und  abschließend: „Die Reaktionen dieser Kreise auf die Rede des damaligen Bun-despräsidenten Richard von Weizsäcker zum 8. Mai 1945, in der er sich unmissverständlich zur deut-schen Verantwortung für das vor 1945 Geschehene bekannte, sind heute noch Belege für die Unwil-ligkeit, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen. Man kann vor so viel Borniertheit, bewusster Geschichts-verfälschung und Leugnung eindeutiger Quellen nur den Kopf schütteln“. Wahrlich gute Worte. Doch die Bedrohungslegende lebt weiter.
Der am 22.6. dieses Jahres in den meisten Medien erneut vergessene Hinweis auf die mit diesem Tagesdatum für immer verbundenen Ereignisse sowie die Stationierung von Einheiten der Bundeswehr unweit der russischen Grenze beweisen: In deutschen Landen steht man dem Lernen aus der eigenen Geschichte noch immer ablehnend gegenüber.