US-Präsident Donald Trump und die rote Linie -
Provoziert er einen Krieg mit Russland

In der Nacht zum vergangenen Freitag gab der US-Präsident an vor der syrischen Küste patrouillie-renden Schiffen den Befehl, mit „Tomahawk“-Raketen den syrischen Luftwaffenstützpunkt Al-Schairat anzugreifen. Insgesamt wurden 59 dieser Schiffs-Boden-Raketen abgefeuert.

Warum gerade dieser Stützpunkt? Al Schairat ist jener Stützpunkt, von dem aus Kampfflugzeuge und Hubschrauber der syrischen Armee und ihrer Verbündeten den IS und dessen Verbündete bekämpften.

Eine weitere Frage drängt sich auf: wer trägt die Verantwortung für den Giftgaseinsatz am vergan-genen Dienstag in Khan Scheikhun? Ohne jeden Beweis ist der Westen und insbesondere die USA schnell bereit, Assad die alleinige Verantwortung für den Giftgaseinsatz und der nachfolgenden Ent-wicklung zuzuschreiben. Aber bekanntlich hat Syrien 2013 die Chemiewaffenkonvention unterzeichnet und sein Arsenal unter internationale Kontrolle gestellt. 2015 erklärten die von der UN eingesetzten Kontrollorgane, dass alle derartigen Waffen aus Syrien abtransportiert seien und der Vernichtung zugeführt worden. Drängt sich bei diesem Sachverhalt nicht ein Vergleich auf: 2003 erklärte der NSA, der Irak sei im Besitz von umfangreichen chemischen Waffenarsenalen. Diese zunächst nicht überprüf-te Behauptung veranlasste den damaligen US-Präsidenten Bush jun., dem Irak den Krieg zu erklären. Nach der Besetzung des Iraks fand man auf irakischen Territorium aber nicht eine einzige derartige Waffe.

Stellt sich abschließend die Frage, wem nützte der Raketeneinsatz? Doch zunächst Donald Trump selbst. Nach seinem Amtsantritt musste Donald Trump zwei schwere innenpolitische Niederlagen hinnehmen – er scheiterte bei der Abschaffung der Gesundheitsreform Obamas und beim absoluten Einreiseverbot für Bürger islamischer Staaten. Das Ego des Präsidenten war angekratzt, um Stärke zu beweisen, befahl er diesen Raketenangriff.

Und schließlich dem IS. Mit Al Scheirat wurde ein Stützpunkt teilweise zerstört, von dem bisher  erfolg-reich gegen den IS und seinen Verbündeten gekämpft wurde.

Der russische Ministerpräsident Medwedew bringt es auf den Punkt: Der US-Angriff hätte beinahe zu einer militärischen Auseinandersetzung mit Russland geführt. Ein Krieg ist genau das, was wir in der gegenwärtig angespannten internationalen Lage am wenigsten brauchen.

Wir, die Mitglieder des Verbandes zur Pflege der Traditionen der NVA und der Grenztruppen der DDR verurteilen sowohl den Giftgaseinsatz in Khan Scheikhun als auch den US-Raketenangriff auf die syrische Basis Al Schairat. 

Kapitän zur See a.D. Horst Kerzig