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Tag des Verteidigers des Vaterlandes

Zum „Tag des Verteidigers des Vaterlandes“ 
der Russischen Streitkräfte am 23. Februar 2017


von Generalmajor a.D. Sebald Daum


Am 23. Februar 2017 wird in ganz Russland der 99. Jahrestag der Gründung ihrer Armee und Flotte gefeiert.
Gleich nach der Oktoberrevolution war eine der ersten dringendsten Aufgaben der Revolution eine reguläre Armee zu schaffen. Das Land war noch im Krieg und an den Fronten stand die zaristische Armee immer noch mit mehr als 10 Millionen Mann den kaiserlichen deutschen Truppen gegenüber. Diese Armee war für die Verteidigung der Revolution untauglich. Durch den Aufruf der Bolschewiki zum Frieden, herrschte an der Front ein Waffenstillstand. Die Soldaten waren kriegsmüde, wollten nach Hause. Aber die Gefahr einer Intervention war gegeben, wie sich ja bald auch zeigte.

Tag des Verteidigers des Vaterlandes

Bereits in den Novembertagen 1917 hatten sich im ganzen Land in mehr als 780 Dörfer und Städten Rote Garden und Freiwilligenverbände gebildet um die Revolution zu verteidigen. Diese ca 20.000 Mann waren zweifelsohne zum Schutz der Revolution zu wenig.

Am 12. Januar 1918 fasste deshalb der III. Rätekongreß eine „Deklaration des Rechts der Werktätigen und Ausgebeuteten“ zur Bewaffnung des Volkes, faktisch zur Schaffung einer neuen regulären Armee Sowjetruss-lands. Bereits drei Tage später, am 18. Januar 1918, wurde durch den Rat der Volkskommissare ein „Dekret über die Organisation der Roten Arbeiter-und Bauern Armee“ und am 18. Februar 1918 das „Dekret zur Schaffung der Roten Flotte“ erlassen. Sie war eine Freiwilligen Armee, aufgebaut auf den bereits handelnden Roten Garden und Milizen. Es gab keine Dienstgrade, sondern die Komman-deure wurden nach Dienststellungen bezeichnet.
Die Lage entwickelte sich im Weiteren höchst gefährlich für den jungen Sowjetstaat. Das kaiserliche Deutschland nutzte die entstandene Lage bei den sich verzögernden Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk, mit seinen nicht zu erfüllenden Forderungen an Sowjetrussland und den provokativen Erklärungen Trotzkis, aus und schickte Truppen in Richtung Petrograd und Narwa. Am 23. Februar 1918 kam es im Gebiet von Pskow und Narwa zu Zusammenstößen der ersten Truppen der Roten Arbeiter-und Bauernarmee mit Vorausabteilungen der kaiserlichen Deutschen Armee. Die in diesen Gebiet handelnden Regimenter der Roten Armee (das 2. Regiment der 70. Roten Infanterie Division, Regimenter der 15. Roten Kavallerie Division, das 15. Ukrainische Husarenregiment, das 15. Tataren Ulanenregiment) trieben diese kaiserlichen Kräfte in die Flucht und versperrten ihnen den weiteren Marsch nach Petrograd.
Dieser Tag der ersten größeren erfolgreichen Abwehr der Intervention, wurde dann ein Jahr später, als Tag der Gründung der Roten Arbeiter- und Bauern Armee und als Feiertag des Volkes festgelegt und durch den Stellvertretenden Vorsitzenden des Revolutionären Verteidigungskomitees Slanski in einem Schreiben am 19. Februar 1919 bekannt gegeben.

Die weiteren Ereignisse zeigten dann die vorhandenen Unzulänglichkeiten in der Freiwilligen Armee, ihrer geringen Stärke (ca. 200.000 Mann), ihrer schlechte Bewaffnung, der unorganisierten Ausbildung und der fehlenden zentralen Führung. Deshalb wurden im Mai 1918 die Allgemeine Mobilmachung ausgerufen, ein „Hoher Militärrat“, das Volkskommissariat für Militärfragen, 6 Militärbezirke und die örtlichen Militärkommissariate geschaffen. Im November 1918 wurde dann der „Rat der Arbeiter und Bauern Verteidigung“, später der „Rat der Arbeit und Verteidigung“ und als höchstes ausführendes Organ zur Formierung der Roten Armee, der „Allrussische Hauptstab“  gebildet und ein „Oberster Oberkommandierender der bewaffneten Kräfte“ der Sowjetrepublik eingesetzt. Beim Aufbau der Roten Armee wurden bereits in den ersten Tagen auch Generäle der zaristischen Armee als erfahrene Militär-Spezialisten mit übernommen, wie die Generäle Brusilow, Bontsch-Brujewitsch, Parski, und mit ihnen tausende Offiziere der alten Armee.
Bereits im Herbst 1920 hatte die Rote Armee 5,5 Millionen Mann unter Waffen.
Vom ersten Tage an stand die Junge Armee im Kampf gegen die „Weißen“ im Bürgerkrieg und gegen die Intervention der 14 ausländischen Staaten. Sie zerschlugen die „Weißen“ Kappel, Denikin und Koltschak und verjagten auch die Interventen.
In diesen Kämpfen entstand eine neue Generation talentierter Herrführer, wie Tschapajew, Frunse, Budjonny, Timoschenko, Blücher, Tuchaschewski u.a. Aber auch die späteren großen Militärs des Großen Vaterländischen Krieges (GVK), wie Shukow, Konew, Rokossowsky, Goworow, Shaposchnikow, Wassiliwsky, Meretzko, Tolbuchin und viele andere sammelten in diesen Kämpfen militärische Erfahrung und zeigten bereit hier ihr militärisches Talent.

Nach dem Ende des Bürgerkrieges und der Zerschlagung der ausländischen Intervention, stand vor der nun 1922 neu geschaffenen Sowjetunion der Wiederaufbau des zerstörten Landes im Vordergrund. Die Armee wurde auf 500.000 Mann verkleinert und bestand neben einigen wenigen Kadertruppen im wesentlichen aus Milizionär-Territorial Einheiten, ungeachtet der bereits in Europa neu entfachten Aufrüstung, insbesondere in Deutschland. Der Schwerpunkt lag auf der Industrialisierung des Landes, aber auch auf dem Aufbau der Verteidigungsindustrie. Neben den gewaltigen Erfolgen im Aufbau des Sowjetstaates darf man auch nicht die Ereignisse vergessen, die für die Armee im weiteren von Schaden waren, wie die Repressionen in den 30-Jahren im Land und auch in der Armee.
Ungeachtet dessen war im Land eine große Aufbruchstimmung und der Wille zur Verteidigung seiner Errungenschaften, besonders unter der Jugend, groß. Hervorzuheben ist in dieser Zeit die Entwicklung der sowjetischen Militärwissenschaft und neuer strategischen Theorien, wie der der „Tiefen Schläge“ und des modernen Gefechts.

Die Teilnahme vieler Freiwilliger im Bürgerkrieg in Spanien, die Zerschlagung der japanischen Intervention in der Mongolei am Chalchin-Gol unter Führung von General Shukow, trug viel zur Stärkung der Armee und zur patriotischen Erziehung zur Verteidigung des Vaterlandes bei.
Erst ab 1939 wurde wieder zur Kaderarmee übergegangen und die Armee verstärkt.
Zu Beginn des Großen Vaterländischen Krieges (GVK) hatte sie wieder einen Bestand von ca. 5 Millionen Mann. Es wurden eine Reihe von Maßnahmen ergriffen um die Verteidigungsbereitschaft bis zu Beginn des Krieges zu erhöhen und zu verbessern, die allerdings nicht alle erfolgreich umgesetzt wurden. Auch Fehler in der richtigen Einschätzung der konkreten Lage brachten die sowjetischen Truppen und das Sowjetvolk in der Anfangsperiode des Krieges in eine schwierige Lage und zur Aufgabe großer Teile des Landes. Außergewöhnliche harte Maßnahmen, aber vor allem der unbedingte Wille des gesamten Volkes, besonders seiner Armee, das Vaterland zu retten, brachten Ende des Jahres 1941 die faschistischen Truppen zum Stehen und letztlich zur Zerschlagung seiner Truppen vor Moskau und Stalingrad und damit zur Wende im GVK. Der Hitlerische „Blitzkriegsplan“ war gescheitert und die Voraussetzungen zum Sieg über den Faschismus gegeben.
Tag des Verteidigers des Vaterlandes Am 30. April 1945 wehte auf dem Reichstag in Berlin die Siegesfahne der Roten Armee. Der 09. Mai, der Tag des Sieges.
Die Rote Armee und das Sowjetvolk zahlten dafür mit 27 Millionen Toten und großen Opfern.
Diese Opfer, aber vor allem der Sieg über den faschistischen Eindringling, die Heldentaten der Roten Armee im GVK und die Lehren dieses Krieges, sind im Volke nicht vergessen und tief in seinem Gedächtnis eingeprägt.

Die Sowjetarmee in ihrer Gesamtheit ging aus diesem Krieg gestärkt hervor. In verhältnismäßig kurzer Zeit wurde das zerstörte Land wieder aufgebaut und erreichte Großes in der wissenschaftlich-Technischen Entwicklung. Durch die Entwicklung der Atomwaffen wurde die amerikanische Vorherrschaft auf diesem Gebiet beendet. In der Armee entwickelten sich neue Teilstreitkräfte und Waffengattungen, wie die Strategischen Raketentruppen, die Truppen der Luftverteidigung des Landes. Die gesamte Sowjetarmee erreichte einen hohen Stand der Einsatzbereitschaft und gewährleistete so nicht nur die Sicherheit des eigenen Landes, sondern sicherte auch die strategische Parität für den Erhalt des Friedens.
Eine schwierige Entwicklung mussten die Streitkräfte und das ganze Land in den Jahren nach dem Zerfall der Sowjetunion hinnehmen. In den 10 Jahren der Jelzin-Ära hatte Russland seinen Status als Weltmacht verloren, ihre Armee war im Niedergang. Auch die zwei Kriege mit Tschetschenien, sowie die „Blumenrevolutionen“ in den ehemalige sowjetischen Nachbarstaaten Georgien, Ukraine und Kirgisien, belasteten den Staat und seine Armee.

Erst unter der Präsidentschaft Putins geht es im Land und bei seiner Armee wieder aufwärts, trotz Sanktionen des Westens, und aller Provokationen der USA und der NATO an seinen Grenzen. Russland geht seinen eigenen Weg zur Entwicklung und Stärkung des Landes und zum Schutz seiner Interessen und widersetzt sich dem Prinzip der USA, Probleme in der Welt mit Kriegen zu lösen. Die russische Armee ist im Volke wieder hoch angesehen und das Volk vertraut seinen neu erstarkten Streitkräften.

Tag des Verteidigers des Vaterlandes

Wenn das Russische Volk und seine Armee in diesen Tagen den 99. Jah-restag der Gründung der Streitkräfte mit Stolz feiert, im ganzen Land Kranzniederlegungen erfolgen und seine Helden geehrt werden, so in dem Bewusstsein, dass die gesamte Geschichte der Streitkräfte, von den Roten Garden beginnend, der Sowjetarmee und der heutigen Russischen Armee, ihre Stärke, ihre Erfolge und Siege, in der tiefen Verbundenheit mit dem Volk und der Unterstützung durch das Volk liegen. Der Patriotismus der Soldaten und der Bürger, die nicht nur einmal das Land vor Unheil bewahrt haben, ist auch heute die Grundlage der Sicherheit des Vaterlandes. Denn wieder drohen dem Land Ungemach und Gefahren an seinen Grenzen. Der alte Geist der Zerstörung Russlands, seiner Verteufelung ist wieder schlimmer als je zuvor.
Deshalb wird bei der Erziehung der Jugend heute in Russland dieser Patriotismus des Volkes zum Schutz des Vaterlandes, der Verehrung seiner Helden, der Heldentaten im GVK, in den Mittelpunkt gestellt, auch in der Traditionsarbeit in der Armee.

Auch wir, die Bürger der DDR und ihre Soldaten der Nationalen Volksarmee, haben in unserer Geschichte eine enge Verbundenheit mit dem sowjetischen und russischen Volk und seiner Armee erlebt, von der Befreiung vom Faschismus 1945 beginnend.
Tag des Verteidigers des Vaterlandes In der Pflege unserer Traditionen im „Verband zur Pflege der Traditionen der Natio-nalen Volksarmee und der Grenztruppen der DDR“ gehört die Waffenbrüderschaft als untrennbarer Bestandteil dazu. Deshalb gilt es in enger Verbundenheit mit den „Ver-band der Veteranen der GSSD /der Westgruppe“ diese Tradition auch weiter zu pfle-gen und durch weitere gemeinsame Maßnahmen der Zusammenarbeit zu vertiefen.
Wir stehen auf der Seite derer, die Kriege verhindern wollen, so wie wir es in unserem Aufruf „Soldaten für den Frieden“ dargelegt haben. Deshalb gehört auch dem russi-schen Volk unsere Solidarität.

Wir wünschen den Mitgliedern des „Verbandes der Veteranen der GSSD/Westgruppe in Deutschland“, den Veteranen der russischen Streitkräfte, allen Armeeangehörigen der russischen Streitkräfte und ihren Familienangehörigen zu diesem Feiertag alles erdenklich Gute, Glück und Gesundheit, sowie weitere Erfolge zum Schutz ihres Vaterlandes und ein dreifaches „Hurra“.