Das militärische Erbe eines Friedensnobelpreisträgers

Es dürfte nur eine Minderheit der Weltbevölkerung gewesen sein, die mit dem Amtsantritt von Barak Obama nicht auf Entspannung, auf eine friedlichere und gerechtere Entwicklung in der Welt gehofft hatte. Das Resultat 8 Jahre später enttäuschte die Hoffnungen. Die globale Expansion der Großkon-zerne erreichte neue Größenordnungen, die Zahl neuer Kriege und deren Opfer stieg an, die Rolle der USA als Weltgendarm wurde ausgebaut. Die zum Teil massive Präsenz der US-Streitkräfte sowohl in den wichtigsten Randregionen der Erde als auch im Zentrum Europas sowie bi- und multilaterale Verträge gewährleisten die Sicherheit des nur über zwei Ozeane zu erreichenden Landes ebenso wie dessen sofortiges Eingreifen an jedem Konfliktpunkt der Erde.
Mit 80.000 Soldaten sichern die USA die Verteidigung Europas, insbesondere dessen „Schutz gegen Russland“. Zugehörig sind die 6. Flotte in Italien u.a. mit 2 Flugzeugträgern und 4 Atom-U-Booten.
Im Nahen Osten sichern 28.000 Soldaten in den Golfstaaten und die 5. Flotte in Bahrain vor „Angriffen aus dem Iran“ und gewährleisten den freien Fluss von mehr als 30% der weltweiten Erdöl - und etwa 16 % der Gasexporte in Richtung „freie Welt“. Einsatzbereite Flugzeugträger patrouillieren permanent im Bereich des Persischen Golfs.
Mit 28.000 US-Soldaten im Bereich der Demarkationslinie zu Nordkorea und 45.000 Mann in mehr als 20 Stützpunkten sowie der 7. Flotte in Japan werden die US-Interessen in im asiatisch-pazifischen Raum vor allem gegen China gesichert. Dabei tragen Südkorea 40% und Japan 75% der entspre-chenden Kosten.
„Warnung an China“ nannte Obama die Einrichtung von Stützpunkten in Darwin und Perth/Australien.  5 neue Basen auf den Philippinen, die Verlegung mehrerer Flugzeugträger und anderer Marineeinheiten in Richtung Pazifik dienen in Südostasien der Sicherung der „Freiheit der Schifffahrt“ u.a. im Südchi-nesischen Meer  mit der Passage von rund 30% des Welthandels und der Unterstützung mehrerer pazifischer Randstaaten.
Drastisches Beispiel der unveränderten Militärpräsenz auch unter dem Kommando eines Nobelpreis-trägers für den Frieden blieb Deutschland. Etwa 50.000 GI`s sind in mehr als 250 Stützpunkten tätig, bilden das Nervenzentrum der US-Army außerhalb der Staaten. Ramstein, mit Luftwaffenhauptquartier Europa, Raketenabwehrzentrum der NATO und Schaltstelle der Führung  des weltweiten Drohnenkrie-ges, ist die größte Militärbasis außerhalb der USA. In Stuttgart residiert außer dem US-Hauptquartier Europa auch die Führungsstelle der US-Militäreinsätze in Afrika, AFRIKOM. In der Westpfalz entsteht eben das größte US-Militärhospital. Vorbereitung auf den E-Fall? Und als sei das alles nicht genug, präsentierte  Obama gegen Ende seiner Amtszeit einige zusätzliche Fakten, die deutlich machen, dass die globalen Ziele auch dieses Präsidenten sich nicht von denen seiner Vorgänger unterschieden. Die von den USA dominierte NATO begann mit der „rotierenden“  Stationierung von 4.000 Soldaten mit Kampftechnik an den Grenzen Russlands. In deren Hintergrund steht eine so genannte „schnelle Eingreiftruppe“ mit 25.000 Soldaten bereit. Und noch im letzten Monat seiner Dienstzeit ließ der Präsident eine US-Panzerbrigade mit 4.000 Mann und 87 „Abrams“-Panzern nach Polen sowie zwei Dutzend modernster „Apache“- Kampfhubschrauber nach Deutschland verlegen. Die Welt könnte darüber glatt vergessen, das der Nobelpreisträger nicht einmal eines seiner vor 8 Jahren lautstark verkündeten Hauptziele durchsetzte: Die Schließung des berüchtigten Militärgefängnisses in Guantanamo auf Kuba. Dass der seit langem geforderte Abzug amerikanischer Kernwaffen aus deutschen Lagern noch immer nicht erfolgte, fällt angesichts aller anderen angeführten Fakten kaum noch ins Gewicht. 
Eines der bekanntesten Blätter der USA, die „New York Times“, zitierte in einer Nachbetrachtung die Worte eines militärpolitischen Insiders:„Wo immer die USA in den letzten Jahren in der Welt verhandelten – der Schatten ihrer militärischen Macht fiel auf jede Seite der unterzeichneten Papiere.“ Und: „Damit die Globalisierung funktioniert, muss Amerika immer als Supermacht handeln“. Mein Mathelehrer aus längst vergangenen Tagen sagte es kürzer: „q.e.d. (quod erat demonstrantum – was zu beweisen war“).

Martin Kunze

PS:
Alfred Nobel bestimmte in seinem Testament, dass der Friedenspreis an jene Person gehen sollte, die „die meiste oder beste Arbeit für die Verbrüderung von Nationen, für die Abschaffung oder Reduzierung stehender Armeen und für das Durchführen und Fördern von Friedenskongressen geleistet  hat“.
Aus: Emil Bobi, „Der Friedensnobelpreis“, Ecowin- Verlag Salzburg, 2015.