5 Jahre

Fünf Jahre Verband zur Pflege der Traditionen
der Nationalen Volksarmee und der Grenztruppen der DDR

von Admiral a.D. Theodor Hoffmann, Sprecher des Ältestenrates

Am 26. Januar 2013 gründeten wir, 118 ehemalige Angehörige der bewaffneten Organe der DDR den Verband zur Pflege der Traditionen der Nationalen Volksarmee und der Grenztruppen der DDR.
Es war, ist und bleibt unser Wille, die Traditionen der Nationalen Volksarmee und der Grenztruppen der DDR zu pflegen, ihre Leistungen an der Seite der verbündeten Streitkräfte der Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrages im Gedächtnis des Volkes zu halten, Entstellungen ihre Geschichte zurückzuweisen, an Friedensinitiativen teilzunehmen, Solidarität mit von der Siegerjustiz Verurteilten zu üben und Soldatenkameradschaft zu pflegen.

Unser Verband ist gewachsen und umfasst zurzeit 12 Regionalgruppen mit rd. 310 Mitgliedern und 11 korporativen Vereinen mit rd. 440 Mitgliedern. Wir sind in 20 Orten in den östlichen Bundesländern präsent und leisten dort eine gute gesellschaftliche Arbeit. Unser Verband hat sich zu einem parteiunabhängigen politischen linken Verein profiliert.
Unmittelbar nach der Gründung stellten wir den Kontakt zu ISOR und der GRH her. Sie sind unsere wichtigsten Partner. Wir wurden in das OKV aufgenommen und sind aus der Arbeit des OKV nicht mehr wegzudenken. In den Regionen gibt es eine gute Zusammenarbeit auch mit dem Rotfuchs Förderverein und mit den Organisationen der Partei Die Linke.
Seit dem Jahre 2014 haben wir gute Beziehungen zum Verband der Veteranen der Gruppe der sowjetische/russischen Streitkräfte in Deutschland und organisieren gemeinsam Veranstaltungen, um die großen Leistungen der Roten Armee im Großen Vaterländischen Krieg und den gemeinsamen Dienst in den Vereinten Streitkräfte der Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrages zu würdigen, der die längste Friedensperiode in Europa sicherte.
Über unsere korporativen Mitglieder „Pionierkameradschaft Havelberg“ und „Freundeskreis Grenzkompanie Posseck“ haben wir Kontakte zu ehemaligen Angehörigen der Pioniertruppen der polnischen Armee und zu tschechoslowakischen Grenzern. Emotionale Höhepunkte waren unter anderem die wiederholten Besuche russischer Veteranen des Fonds „ Frieden für das Leben“ in Berlin und Leipzig, die im Jahr 2017 auch in Potsdam und Dresden stattfanden. Diese Begegnungen waren immer durch eine große Herzlichkeit gekennzeichnet.

Die Anzahl der von uns und gemeinsam mit anderen Organisationen durchgeführten Veranstaltungen ist beachtlich. Hier sollen nur die Wichtigsten genannt werden.

Herausragendes Ereignis war der von ISOR und uns initiierte Aufruf „Soldaten für den Frieden“. Dienst für den Frieden ist ein wesentliches Element der Traditionen der Nationalen Volksarmee.
Die Erstunterzeichner des Aufrufes, unter ihnen 114 ehemalige Generale und Admirale, wandten sich anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung vom Faschismus an die Öffentlichkeit mit der Aufforderung, die Kriegs-Rhetorik gegenüber Russland zu beenden und zum Friedensdialog überzugehen. Dieser Aufruf ehemals führender Militärs der NVA der DDR ist einmalig in der Militärgeschichte und fand national und international ein breites Echo. Der Aufruf und die zum Aufruf herausgegebene Friedensdokumentation haben das Ansehen unseres Verbandes gestärkt.

Zweifellos war die festliche Veranstaltung anlässlich des 60. Jahrestages der Gründung der Nationalen Volksarmee ein emotionaler Höhepunkt in unserer Verbandsarbeit. Über 500 ehemalige Armeeangehörige und Angehörige der Grenztruppen der DDR, Zivilbeschäftigte, Waffenbrüder aus der ehemaligen Sowjetunion, Polen und Tschechien und viele Gäste waren beeindruckt von der herrschenden Atmosphäre. Das Treffen vermittelte uns die Gewissheit, dass unser Dienst nicht umsonst war. Für die Organisation unsere Festveranstaltung konnten wir die Erfahrungen, die von den Mitgliedern der Schweriner Regionalgruppe von der Großveranstaltung im September 2013 eingebracht wurden, nutzen.
Ein ähnlicher emotionaler Höhepunkt, den wir gemeinsam mit der GRH ausgerichtet haben, war die Veranstaltung zum 70. Jahrestag der Grenztruppen der DDR. Sie würdigte die Leistungen unserer Grenzer zur Gewährleistung von Ordnung und Sicherheit an der Staatsgrenze der DDR, als wichtige Voraussetzung für Frieden und zeugt vom engen Verhältnis zwischen den Angehörigen der Nationalen Volksarmee und den Angehörigen der Grenztruppen der DDR.

Wichtige Maßnahmen unseres Verbandes auf dem Gebiet der Traditionspflege waren die Einweihung eines Ehrenhains für verstorbene Angehörige der Einheiten und Truppenteile des Standortes Havelberg sowie die Finanzierung und Enthüllung der Gedenktafel für den deutschen Kommunisten und Aufklärer, den Held der Sowjetunion Dr. Richard Sorge.

Der Ehrenhain in Havelberg, an dessen Einweihung Mitglieder des Vorstandes und des Ältestenrates teilnahmen, soll, wie der Vorsitzende der Pionierkameradschaft, Oberstleutnant Manfred Ramm, ausführte, in der Öffentlichkeit der Stadt Havelberg die Erinnerung an die Garnison der Nationalen Volksarmee und den dort stationierten Truppenteile und Einheiten wach halten.

Seit Jahren ehren Vertreter linker Organisationen den Kommunisten, Internationalisten und sowjetischen Aufklärer Held der Sowjetunion Dr. Richard Sorge.
Mit ehrenden Worten sind in diesen Veranstaltungen wiederholt Angehörige unseres Verbandes aufgetreten.
Am 07. November 2016 wurde auf Initiative unseres Verbandes, besonders von Fregattenkapitän a.D. Prof. Dr. Fischer und Oberleutnant a.D. Postrach, die Gedenktafel für Dr. Richard Sorge erneut eingeweiht. Das war durch umfangreiche Spenden verbündeter Organisationen, der russischen Botschaft und insbesondere von Mitgliedern unseres Verbandes möglich. An der Veranstaltung nahmen auch führende Vertreter der russische Botschaft und der Hauptverwaltung Aufklärung der Sowjetarmee teil.
All die von uns durchgeführten Veranstaltungen wurden begleitet durch unser Verbandsjournal „Kompass“ und unsere Beiträge im Internet. Beide Medien erfreuen sich bei den Mitgliedern, aber auch bei Nichtmitgliedern einer großen Beliebtheit. Sie vermitteln Informationen zu historischen Ereignissen, aktuellen Problemen und aus der Arbeit des Verbandes. Neben den traditionellen Erfahrungsaustauschen in Großbeeren vermitteln auch sie wertvolle Erfahrungen der Verbandsarbeit.
Eine positive Bewertung findet die neue Gestaltung des „Kompass“.

Wenn wir insgesamt eine positive Bilanz anlässlich des fünfjährigen Bestehens unseres Verbandes ziehen können, gibt es Dinge, mit denen wir noch nicht zufrieden sind. Unser Verband wächst von der Mitgliederzahl und den Regionalgruppen nicht so, wie wir es gerne hätten.
Unser Durchschnittsalter wird höher und bei allem Optimismus werden wir die Mitgliederzahl nicht wesentlich steigern können. Wir müssen die Anstrengungen erhöhen, um die im Jahresarbeitsplan gestellte Aufgabe, jedes Mitglied wirbt ein neues Mitglied, zu erfüllen. Ausgehend von unserer Mitgliederstärke können wir nur durch eine gute Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen eine größere Wirksamkeit erreichen.
Ein weiteres Problem ist, dass an unseren öffentlichen Veranstaltungen vor allem ältere Menschen teilnehmen. In den Veranstaltungen, die meist in einer sehr aufgeschlossenen Atmosphäre stattfinden, sind nur selten Teilnehmer unter 50 Jahren. Wir müssen die Veranstaltungen besser popularisieren und wahrscheinlich in die Abendstunden verlegen, damit auch Sympathisantenteilnehmen können, die noch im Arbeitsprozess stehen.
Fünf Jahre Verband zur Pflege der Traditionen der Nationalen Volksarmee und Grenztruppen der DDR sagen uns, dass wir noch benötigt werden. Das sollte uns anspornen.

Nehmen wir den bevorstehenden 62. Jahrestag der Gründung der NVA, zu dem ich alle Verbandsmitglieder und Sympathisanten beglückwünschen möchte, zum Anlass, weiter zielstrebig die Verbandsziele zu verwirklichen.